• Nina Ritter in Vaduz
    Nina Ritter besucht derzeit die Höhere Fachschule für Zeitgenössischen und Urbanen Bühnentanz in Zürich.  (Daniel Schwendener)

«Der Körper ist das Kapital eines Tänzers»

Schon im jungen Alter war sie vom Tanzen fasziniert. Ihre Passion möchte die 21–jährige Nina Ritter zum Beruf machen. Viel Fleiss, Schweiss und über 30 Stunden Tanzunterricht in der Woche nimmt die gebürtige Maurerin dafür gerne in Kauf.

Interview: Nathalie Bagnoud

Frau Ritter, Sie sind 21 Jahre alt – wie hat Ihre Leidenschaft zum Tanz begonnen? 
Nina Ritter: Schon als Kind packte mich das Tanzfieber. Das Wohnzimmer meiner Eltern diente als Tanzfläche und gleichzeitig als Bühne. Als fünfjähriges Mädchen schickten sie mich in die erste Ballettstunde. Sieben Jahre später interessierte mich das Ballett eher weniger. Dies besonders, weil mein Körperbau nicht dem Idealbild einer Ballett-Tänzerin entsprach. Nach einer kleinen Pause fand ich meine Mentorin: Jacqueline Beck. Mit ihr öffnete sich für mich die Türe zum modernen Tanz. Sie unterrichtet zeitgenössisches Tanzen in Liechtenstein. 

Damals waren Sie ein Teenager und heute studieren Sie Tanz in Zürich. Was passierte in dieser Zeit?
Ich habe das Gymnasium in Vaduz absolviert. Meine Eltern bestanden damals auf einen Abschluss, damit ich eine gute Grundlage habe. Nach dem Gymnasium arbeitete ich ein Jahr lang als Servicefachkraft, aber das Tanzen stand für mich immer im Mittelpunkt. Gemeinsam mit meiner Mentorin Jacqueline Beck arbeitete ich hart an meiner Tanzkarriere. Sie hat mich immer gefördert und an mein Talent geglaubt. In Zürich habe ich dann die Aufnahmeprüfung für die höhere Fachschule für Zeitgenössischen und Urbanen Bühnentanz gemacht und wurde dann auch aufgenommen. 

Wie gestaltete sich die Aufnahmeprüfung?
Es waren viele Kandidaten vor Ort. Wir mussten je eine Stunde Ballett, Contemporary- und Urban-Tanz absolvieren. Und zum Schluss ein selbstkreiertes Solo tanzen. Aufgenommen wurden schliesslich 14 Schüler. 

Wie sieht ihr Schulalltag aus?
Wir haben sehr viele praktische Fächer. Das heisst: Wir trainieren jeden Tag in einem Tanzstudio. Es gibt aber auch theoretische Fächer wie Musiklehre, Tanzmedizin oder Anatomie. Wir müssen vieles über den menschlichen Körper wissen, damit wir fit bleiben und uns nicht verletzten. Gleichzeitig lernen wir die ganze Geschichte zur Entstehung der verschiedenen Tanzstile, sowie Projektmanagement im Tanzbusiness. In einigen Monaten bin ich mit der Schule fertig. Momentan beschäftige ich mich mit meiner Abschlussarbeit. Ich werde ein selbst choreografiertes Duett kreieren. Der Duett- partner wird ein weiterer Student aus meinem Studiengang sein. Dieses Duett wird nach mehreren Aufführungen einer Bewertung von Experten unterzogen. 

Wie hart ist denn Ihre Ausbildung? Spüren Sie einen gewissen Druck?
Ein Leistungsdruck ist spürbar. Dies aber besonders, weil ich sehr ehrgeizig bin und meine
Anforderungen an mich selbst sehr hoch sind. Aber natürlich wird auch von unseren Dozenten an der Hochschule eine gewisse Haltung erwartet.

Gab es Momente, in denen Sie keine Lust oder Energie mehr hatten, die Schule weiterzuführen?
Für mich ist diese Ausbildung psychisch wie auch physisch auf dem gleichen Level. Ich trainiere in der Woche 30 Stunden meinen Körper und lerne so auch meine Grenzen kennen. Regelmässig schreiben wir Prüfungen und da muss man einen kühlen Kopf bewahren. Am Wochenende gebe ich Tanzunterricht in Chur und wenn keine Regenerationszeit besteht, merke ich, dass es sehr streng werden kann. Viel Zeit für ein Privatleben bleibt nicht. 

Haben Sie sich schon einmal beim Tanzen verletzt?
Ich bin sehr dankbar, dass ich bisher nur kleinere Verletzungen hatte. Nichts Schwerwiegendes oder Ernsthaftes. Wegen Überbelastungen hatte ich Sehnenscheidenentzündungen, weil ich nicht genügend Regenerationszeit hatte. Wenn der Körper nicht mehr richtig funktioniert, hat man ein Problem. Der Körper ist das Kapital eines Tänzers. 

Was ist Ihr persönliches Karriereziel? 
Wie nach jedem Studium, ist es das Ziel, das Erlernte beruflich umzusetzen, dies ist hier nicht anders. Ich möchte einem Engagement beitreten, weiterhin unterrichten und mir so die Freiheit aneignen, selbstständig zu sein. Gleichzeitig will ich meine Freude am Tanzen nicht verlieren, gut auf meinen Körper achten und mir selbst immer treu bleiben. 

Welche Ratschläge würden Sie Nachwuchstänzern geben, die den Weg einer professionellen Tanzlaufbahn anstreben?  
Als Tänzerin habe ich gelernt, nicht allzu viel zu hinterfragen. Kritik sollte man dankend annehmen und davon profitieren. Wichtig ist nur, sich nicht verunsichern zu lassen. Das Tanzen ist ein künstlerischer Beruf und wenn man in eine Negativspirale hineingerät, kann es schwierig sein, sich wieder rauszuwinden. Jungtänzer sollten auch auf ihren Körper und ihre Gesundheit achten. Nicht zu allem «Ja» sagen, sondern sich Gedanken darüber machen, ob genügend Kapazität vorhanden ist, einen Auftrag auszuführen. Behält man seine Ziele diszipliniert im Blick, so kann nichts mehr schief gehen.
 

22. Feb 2019 / 07:00
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