• Liechtenstein Schaan Literaturhaus Literaturcafe Roman Banzer
    Roman Banzer, Präsident des Literaturhauses Liechtenstein, freut sich, endlich eigene Räumlichkeiten zu haben.  (Eddy Risch)

«Ein Buch zu lesen, ist eine Form von Leben»

Nach 18 Jahren Heimatlosigkeit zieht das Literaturhaus Liechtenstein in eigene Räumlichkeiten im Schaaner Zentrum. Am 15. Juni werden die Räume, die sich das Literaturhaus mit dem Filmclub Frohsinn, einer Buchhandlung und einem Antiquariat teilt, mit einem Lesefest eröffnet.
Schaan. 

Nach 18 Jahren bekommt das Literaturhaus ein eigenes Zuhause. Wie kam es dazu?
Roman Banzer: Wir hatten schon immer das Ziel, ein eigenes Haus zu betreiben. Bis jetzt ergab sich jedoch nie eine gute Möglichkeit, bis uns letztes Jahr Markus Wille vom Filmclub für eine Kooperation im geplanten Neubau anfragte.

Mit welchen Herausforderungen hattet ihr bei der Umsetzung zu kämpfen? 
Für uns war von Anfang an klar, dass wir ein Literaturhaus nur realisieren können, wenn wir finanziell stärker unterstützt werden. Als ich dem damals neuen Kulturstiftungspräsidenten Roland Marxer die Idee von einem eigenen Literaturhaus vorgebracht habe, hat er positiv darauf reagiert und so hat nun die Kulturstiftung wie auch die Gemeinde Schaan den Unterstützungsbeitrag erhöht. 

Ein eigenes Haus ist jedoch sicher auch mit Mehrkosten verbunden. 
Ein solcher Betrieb ist für uns nur leistbar, weil wir als Vereinsmitglieder lediglich auf Basis von Spesenentschädigungen arbeiten. Zusammen mit Hansjörg Quaderer und Verena Bühler kümmere ich mich um das Programm, in der Redaktion des Jahrbuchs arbeiten neben Hansjörg und mir auch Joe Hürlimann und Sabine Bockmühl, die auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Buchhaltung besorgt schon seit Jahren Helen Konzett und Barbara Redmann kümmert sich um die Mitglieder.

Ihr habt euch für den Standort Schaan entschieden. Warum nicht Vaduz, oder eine andere Gemeinde?
In Vaduz hat sich bisher nie eine Chance ergeben. In Schaan jedoch sind wir auf offene Ohren gestossen. Diese Offenheit, mit der wir in Schaan begrüsst wurden, ist einmalig. 

Wir leben in einer Zeit, in der immer weniger Bücher gekauft werden. Braucht es da noch ein Literaturhaus?
Umso mehr. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Mensch ohne Kunst nicht existieren kann und dass das Buch ewig leben wird. Auch in der heutigen Zeit gibt es viele Initiativen zum Buch. Ein Buch zu lesen, ist eine Form von Leben. Es gibt kein Schreiben ohne Lesen und auch kein Lesen ohne Schreiben. Zum Beispiel kommen immer wieder Studenten auf mich zu, die sagen, dass sie nicht schreiben können. Schreiben heisst, sich selbst lesen. Meine Meinung dazu ist: Wenn du denken kannst, kannst du auch schreiben. Ich bin überzeugt, dass eine gebildete Gesellschaft eine bessere ist, wie auch eine gebildete Gemeinde eine offenere ist. 

Was erwartet ihr euch von einem eigenen Literaturhaus?
Wir sind froh, dass wir nun nicht mehr von Ort zu Ort tingeln müssen und freuen uns, mit dem neuen Ort hoffentlich auch Stammgäste an uns binden zu können, was vorher schwierig war.

Das Literaturhaus ist an das Kino, einen Buchladen und ein Antiquariat angegliedert. Wie wird das Literaturhaus aussehen?
Der Hauptteil des Literaturhauses besteht aus einem Lese- und Veranstaltungsraum, der einerseits dazu dient, sich Lesungen anzuhören, und andererseits, um sich fürs Lesen zurückziehen zu können. Getränke können an der Kino-Bar geholt und Bücher von der Buchhandlung wie auch vom Bücherantiquariat, das von Hansjörg Quaderer betrieben wird, gekauft oder ausgeliehen werden. Wenn das Kino geschlossen ist, wird die Bar vom Verkaufspersonal der Buchhandlung bedient. 

Welche Veranstaltungen stehen demnächst an?
Im Herbst sind bereits 13 Veranstaltungen geplant, vorwiegend Autorenlesungen. Es kommen aber noch weitere Projekte dazu, wie zum Beispiel das Jahrbuch des Literaturhauses. Das nächste trägt den Titel «Der aufrechte Gang» und ist Peter Sprenger gewidmet, der letztes Jahr in den Bergen tödlich verunglückt ist. Er war von Anfang an ein bedingungsloser Förderer des Literaturhauses.

Dann sind ja noch Kooperationen geplant.
Wir gehen immer wieder Kooperationen mit lokalen oder internationalen Partnern ein. Wie bisher möchten wir auch in Zukunft mit dem TAK in Schaan zusammenarbeiten. Mit Schreibworkshops und einer Zusammenarbeit mit den Liechtensteiner Schulen versuchen wir, dass die Jugendlichen ihre Freude am Schreiben nicht verlieren. 

Welche internationalen Kooperationen gibt es?
Eine solche Kooperation ist die Zusammenarbeit mit der Internationalen Bodensee-Hochschule (IBH). Dabei ist das Ziel, über das Schreiben Menschen in prekären Situationen wieder eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. 

Sind auch programmatische Kooperationen mit dem Kino geplant?
Unter der Rubrik «Literatur und Film» soll es eine gemeinsame Programmschiene mit dem Takino geben. Dies können Literaturverfilmungen sein oder auch Thementage, wie zum Beispiel, dass an dem Tag der Buchpräsentation «Aufbrüche» mehrere Woodstock-Verfilmungen gezeigt werden. Für das Sommerprogramm 2020 ist auch angedacht, Filmserien zu einem bestimmten Thema zu zeigen.

Am 15. Juni wird das neue Literaturhaus mit einem grossen Lesefest eröffnet. Was wird dort geboten? 
Neben Speis und Trank bieten 19 Autorinnen und Autoren von 11 bis 20 Uhr mit Kurzlesungen Einblick in das breite literarische Schaffen des Landes. 

30. Mai 2019 / 20:21
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