• Evelyne Bermann, Schaan
    Evelyne Bermann konnte mit ihrem neuesten Projekt, Erdnüssen aus Gips, bei der vergangenen Triennale im Kunstraum Engländerbau ausstellen.  (Tatjana Schnalzger)

«Ich wünsche mir mehr öffentliche Wertschätzung»

Zehn Jahre lang führte Evelyne Bermann die Fachkommission des Kunstraums Engländerbau in Vaduz, begleitete dessen Weiterentwicklung und war Ansprechpartnerin für die Geschäftsleitung und die Kunstschaffenden sowie für die Kulturstiftung. Nun gibt sie diese Aufgabe weiter.

Von Mirjam Kaiser

Der Kunstraum Engländerbau wurde vor 16 Jahren gegründet. Welche Rolle spielten Sie dabei?
Evelyne Bermann: Durch meine damalige Mitgliedschaft im Kulturbeirat wusste ich, dass die Vergabe der Ausstellungsräume im Engländerbau anstand. Ich witterte die lang ersehnte Chance für die liechtensteinische Künstlerschaft und ergriff die Ini­tiative. 2008 wurde ich dann durch die Kulturstiftung Liechtenstein, der Nachfolgerin des Kulturbeirates, angefragt, ob ich den Vorsitz der Fachkommission des Kunstraums übernehmen möchte.

Wie war die Ausrichtung in den Anfängen?
Die Grundausrichtung, also das Leitbild, hat sich bis heute nicht wesentlich verändert. Die ersten fünf Jahre waren als Probebetrieb angelegt, eine Betriebskommission unter der Leitung von Josef Braun, Präsident des Kulturbeirates, wählte die Ausstellungsprojekte aus. Die Kommission war hauptsächlich mit Fachpersonen aus Liechtenstein besetzt, nur ein Mitglied kam aus der Schweiz. So konnten in den ersten Jahren viele Künstlerinnen und Künstler aus Liechtenstein ausstellen. Das breite Spektrum an professionellem künstlerischem Schaffen in Liechtenstein wurde sichtbar.

Hat sich der Kunstraum in den letzten zehn Jahren verändert?
Die wichtigste Veränderung meiner ersten Amtsperiode bestand in der Überführung des ungebundenen Projektes Kunstraum in eine verankerte Institution der Kulturstiftung. Geschäftsleitung und Team sind nun bei dieser angestellt. Strukturen, Zuständigkeiten und Abläufe wurden verändert, die Reglemente und Verträge für die Kunstschaffenden mussten überarbeitet werden. Das war sehr viel Hintergrundarbeit. Natürlich haben sich viele Details weiterentwickelt, wie zum Beispiel die Homepage. Durch kontinuierliche Werbung ist auch ein sehr guter Bekanntheitsgrad erreicht worden. 

Gab es auch Tiefpunkte?
Als ich den Vorsitz übernahm, wollte die Kulturstiftung einen stärkeren Einbezug von ausländischen Kommissionsmitgliedern. Ich hingegen wollte einen stärkeren Einbezug der lokalen Künstlerverbände BBKL und Schichtwechsel. Diese ersten vier Jahre waren wirklich sehr schwierig und nervenaufreibend für mich. Die ausländischen Mitglieder dominierten die Kommission und haben die meisten Eingaben aus Liechtenstein abgelehnt. Oft musste ich Entscheidungen nach aussen vertreten, hinter denen ich schlecht stehen konnte. In dieser Zeit habe ich stark gelitten und konnte vor und nach den Kommissionssitzungen jeweils kaum schlafen. Erschwerend kam dazu, dass die Kulturstiftung die Stelle der Geschäftsleitung zwei Mal neu ausschreiben musste. So hatte ich innerhalb von drei Jahren mit drei verschiedenen Personen zusammenzuarbeiten, und für eine kurze Zeit musste ich die Geschäftsleitung sogar selbst zu übernehmen.

Wie ging es weiter?
Man hatte sich von den ausländischen Kommissionsmitgliedern Chancen für liechtensteinische Kunstschaffende erhofft, überregional auszustellen. Trotz meiner intensiven Bemühungen hat dies jedoch nie geklappt. Nach vier Jahren habe ich die Übernahme einer zweiten Amtsperiode an die Bedingung geknüpft, dass sich die Kulturstiftung wieder stärker hinter die im Leitbild verankerte Ausrichtung auf das lokale und regionale Kunstschaffen stellt. Dazu musste die Kommission auch wieder mit regionalen Fachpersonen besetzt werden. Da konnte ich mich zum Glück durchsetzen. 

Sie haben trotzdem weiter­gemacht und nun legen Sie Ihre Aufgabe nieder. Warum? 
Ich hatte nie geplant, es so lange zu machen. Zehn Jahre sind eine gute Zeit. Gerade im Kunstbereich ist es gut, wenn man ein Amt auch wieder abgibt und Neues entstehen kann. Es ist mir wichtig, dass die nächste Generation die Verantwortung übernimmt und den Kunstraum weiterträgt. Mein persönliches Ziel war, die Leitung in einer gefes­tigten Situation übergeben zu können. Die Geschäftsleiterin Brigitte Raos hat nun langjährige Erfahrung, die anderen Kommissionsmitglieder bleiben, die nächsten Ausstellungen sind geplant und mein Nachfolger Stephan Sude wird diese Aufgabe bestens erfüllen. Die Kontinuität ist also gesichert und der Turn­around ist geschafft – es stellen wieder viele heimische Kunstschaffende aus.  

Was macht den Kunstraum Engländerbau für Sie aus?
Die Künstler können selbst Projekte bei der Fachkommission einreichen, dieses System ist leider inzwischen selten geworden. Im Vordergrund stehen Thema und Werk, besonders wichtig sind auch ein gutes Raumkonzept und das vertiefende Begleitprogramm. Eine Ausstellung im Engländerbau ist schon ein Schritt auf eine höhere Ebene, da muss man sich hinarbeiten. Die Grösse von 13 auf 26 Metern, weisse Wände, Boden und Decke, nichts gibt Halt, das ist doch schwierig. Hier sollte man Projekte verwirklichen, die man in kleinen Räumen nicht machen kann. 

Was waren die Highlights?
Es gab viele, viele tolle Ausstellungen. Es war schön, so nah am Geschehen dabei zu sein und mitzuwirken. Die Gespräche mit den Kunstschaffenden in der Vorbereitung, dass man durch sie Einblick in neue Welten erhält. Viele neue Bekanntschaften und Freundschaften waren sicher Höhepunkte in meiner Zeit als Vorsitzende der Fachkommission. Dazu das grosse Fest zum zehnjährigen Jubiläum. Die Freude an der Kunst, daran, was andere sich ausdenken, was sie zeigen. Ganz wichtig war auch die schöne Zusammenarbeit mit dem Team des Kunstraums und der Fachkommission. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Kunstraums?
Interessante Ausstellungen, ein kontinuierliches Weitergedeihen. Aber auch, dass das Land mehr Geld in die Hand nimmt und eine Akustik-Decke einbaut. Auch ein Personenlift wäre nötig. Ich wünsche mir, dass Budgetkürzungen rückgängig gemacht werden und dass liechtensteinisches Kunstschaffen mehr Wertschätzung erfährt. Ich wünsche mir weniger Eventismus, dafür etwas mehr nachhaltige Unterstützung für Projekte aus dem Land, auch, um diese im Ausland zu präsentieren.
 

30. Nov 2018 / 07:00
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