• Interview mit Andi Batliner, Schaan
    «Wir wussten, es wird harte Arbeit, den Dokumentarfilm zu drehen. Dass es aber schliesslich über drei Jahre und tausende von Stunden dauern wird, war dann doch überraschend», sagt Andi Batliner.  (Tatjana Schnalzger)

«In den entscheidendsten Momenten hatten wir Riesenglück»

Vom Radio-Volontär zum Film-Regisseur. Der 27-jährige Andi Batliner aus Eschen macht das, was sich viele wünschen, denn seine Arbeit ist gleichzeitig sein Hobby. Anfang März feiert Batliners erster Dokumentarfilm «Fearless Journey» Premiere im Takino.

Von nathalie Bagnoud 

Herr Batliner, am 2. März feiert Ihr erster Dokumentarfilm Premiere. Der 60-minütige Streifen zeigt das Leben der Liechtensteiner Stuntfrau Simone Bargetze. Wie geht es Ihnen kurz vor der Erstausstrahlung?
Andi Batliner: Das ganze Film-Team ist sehr aufgeregt und freut sich auf den Moment, den Dokumentarstreifen auf der Grossleinwand zu sehen. Das Projekt dauerte immerhin über drei Jahre. Es hat extrem Spass gemacht und hat viel Zeit in Anspruch genommen. Deswegen sind wir froh, dass wir bald  unser Werk präsentieren dürfen. Ich habe mein Umfeld jahrelang mit diesem Projekt genervt und niemand konnte sich genaue Vorstellungen von dem Film machen, aber der freudige Moment ist bald hier. 

Dann sind Sie gleichzeitig erleichtert, dass die Dreharbeiten beendet sind?
Es war für mich ein Mammutprojekt, da ich noch nicht so viele Erfahrungen im Dokumentarfilm-Bereich hatte. Es kann so viel schiefgehen und so viel Unerwartetes passieren. Das kann bei einem Projekt schnell zu Verzögerungen führen. Es hätte beispielsweise Probleme bei der Einreise in die USA geben können, Flugausfälle oder sonstige Zwischenfälle. Wir wurden zwar oft verschont, trotzdem muss man mit diesen Szenarien rechnen, flexibel bleiben und die Ruhe bewahren.

Gab es Schreckmomente während den Dreharbeiten?
In den entscheidendsten Momenten hatten wir immer ein Riesenglück (lacht). Natürlich gab es Höhen und Tiefen. Es war nicht so, dass ich in den letzten drei Jahren jeden Tag mit einem Lachen im Gesicht aus dem Bett gestiegen bin und alles ohne Aufwand funktioniert hat. Nein, es ist Arbeit, es geht um Erfahrungen sammeln und da darf man auch Fehler machen. Aber es hat uns viel Spass gemacht.

Gemeinsam mit Co-Produzent Sandro Schreiber haben Sie den Film produziert. Die Idee entstand im Herbst 2014, denn Sie trafen die Stuntfrau Simone Bargetze zu einem Interview. Hat es bei Ihnen und Sandro Schreiber zur gleichen Zeit Klick gemacht – diese Frau müssen wir vor die Kamera holen? 
Nein, es war meine Idee. Ich kannte Simone, da sie aus Liechtenstein stammt. Ich habe ein Filmkonzept entworfen und es ihr dann präsentiert. 

Wie hat Simone Bargetze auf die Anfrage reagiert? 
Sie war begeistert und hat sofort zugesagt. 

Wenn Sie die Stuntfrau mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären es?
Aussergewöhnlich, unberechenbar und herzlich. 

Unberechenbar? Wie ist das gemeint?
Bei ihr weiss man nie, was am kommenden Tag passieren wird. Und das weiss sie selbst auch nicht. Sie lässt die Dinge spontan auf sich zukommen. Das ist nicht negativ zu bewerten. Sie ist einfach eine extrem spannende und schillernde Person.

Sie haben einiges an Medienerfahrung. Beim Radio L hat Ihre Karriere gestartet. 
Genau, ich durfte ein zweijähriges Volontariat absolvieren. Währenddessen bin ich in die
Moderation und Redaktion eingestiegen und wurde schliesslich zum Programmleiter befördert. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Live-Sendung erinnern. Vor Nervosität haben meine Blätter mit den Moderationstexten in den Händen gezittert. Aber danach hat es mehr und mehr Spass gemacht, «On Air» zu sein.

Heute sind Sie Fernsehredakteur, arbeiten bei «Warner Brothers Schweiz» und wohnen in Zürich. Wie oft zieht es Sie nach Liechtenstein? 
Ich bin nicht mehr so oft in der Heimat. Aktuell bin ich wegen dem Dokumentarfilm in Liechtenstein unterwegs, aber ansonsten eher selten. 

Aber stehen Sie zu Ihren Wurzeln? 
Natürlich! In Zürich werde ich tagtäglich daran erinnert, dass ich keiner von «ihnen» bin. Meistens denken die Leute, dass ich aus Graubünden oder Österreich stamme (lacht).

Sie haben das grosse Glück, dass Sie Ihr Hobby zur Arbeit machen konnten. Was unternehmen Sie sonst noch in Ihrer Freizeit?
Ich bin ehrenamtlich Deutschlehrer für Flüchtlinge. Seit rund eineinhalb Jahren gebe ich wöchentlich in Zürich Deutschkurse. Ansonsten versuche ich viel zu reisen, um auch etwas von der Welt zu sehen. 
Das ist eine spannende Angelegenheit. Wie ist die Idee entstanden, Deutschkurse für Flüchtlinge zu geben?
Ich hatte diese Idee bereits seit Längerem, aber die Zeit fehlte.  Es macht mir grossen Spass, mit den Flüchtlingen zusammen zu arbeiten. Sie erzählen mir persönliche Lebensgeschichten und darunter hat es einige Schicksalsschläge. Eine Person aus Tibet erzählte mir, dass sie ihre Töchter seit drei Jahren nicht mehr gesehen hat. Andere schilderten ihre Flucht aus der Heimat in die Schweiz. Es sind Geschichten, die unter die Haut gehen und das Herz berühren. 

Wie wird es mit Ihrer Filmkarriere weitergehen? 
Im Moment konzentriere ich mit auf «Fearless Journey». Was die Zukunft bringt, weiss ich noch nicht. An Ideen mangelt es nicht. 
 

23. Feb 2018 / 06:00
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