• Vaduz Kunstmuseum Hilti Art Foundation PK Ausstellung Epidermis Condito humana Kosmos
    Kurator Uwe Wieczorek bei der Eröffnung der aktuellen Ausstellung «Epidermis – Conditio humana – Kosmos» in der Hilti Art Foundation, hier vor Joan Mirós Werk «Homme et femme» aus dem Jahr 1935.  (Eddy Risch)

Täglicher Motor für die Erreichung von Zielen

Im Mai dieses Jahres hätte die Hilti Art Foundation in Vaduz das fünfjährige Jubiläum gefeiert. Neben einer grossen Feier wäre der zweibändige Sammlungskatalog präsentiert worden, der nach mehrjähriger Arbeit im März 2020 fertiggestellt wurde. Im Interview blickt Kurator Uwe Wieczorek zurück auf die Höhepunkte der letzten fünf Jahre und erzählt, was seinen Beruf so spannend macht.

Vor fünf Jahren eröffnete die Hilti Art Foundation in Vaduz ihr Museumsgebäude, das im Volksmund auch «Weisser Würfel» genannt wird. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Erfolg?
Uwe Wieczorek: Es ist ja durch das neue Gebäude erst möglich geworden, eine hervorragende private Kunstsammlung in Liechtenstein der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen. Diese Möglichkeit dürfen wir allein schon als grossen Erfolg betrachten. Nicht weniger aber freut uns die Resonanz, das starke Interesse der Besucher an den Ausstellungen und den darin gezeigten Kunstwerken der Hilti Art Foundation.

Zunächst ging es vor fünf Jahren einmal darum, die Hilti Art Foundation bekannter zu machen. Mit welchen Mitteln ist Ihnen das gelungen?
Durch die wachsende Quantität und Qualität der Sammlung, durch die Kontinuität der Ausstellungen in eigenen Räumen, durch Kataloge und unsere Website als Informationsmultiplikatoren. Aber auch durch Pressearbeit sowie durch persönliche Kontakte in alle Richtungen. So ist ein feines regionales und internationales Netzwerk entstanden. Wir merken es unter anderem auch daran, dass die Zahl der Leihanfragen von bedeutenden Museen aus aller Welt deutlich zugenommen hat.

Das Museumsgebäude der Hilti Art Foundation ist ja ans Kunstmuseum angegliedert. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Gut! Das Kunstmuseum und die Hilti Art Foundation praktizieren eine enge und kollegiale Zusammenarbeit nicht nur in infrastruktureller Hinsicht, sondern auch bezüglich der Kommunikation nach innen und aussen. Es verbindet uns ausserdem ein gemeinsames und wichtiges Verständnis der Verantwortung für die Kunst, die durch die Kooperation der beiden Häuser die gesamte Epoche der Moderne von ihren Anfängen im späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart umfasst. So dürfen wir durchaus von einer Win-win-Situation sprechen.

Hat sich die Hilti Art Foundation in den letzten Jahren verändert?
Die Ziele der Hilti Art Foundation haben sich nicht geändert, also die Bildung und Pflege einer Kunstsammlung und die Förderung des öffentlichen Kunstverständnisses mit Hilfe dieser Sammlung. Durch das Museum ist aber die Notwendigkeit gezielter Öffentlichkeitsarbeit entstanden, die die Kommunikation des Kunstmuseums zu den Ausstellungen ergänzt. Und so gibt es nun innerhalb der Art Foundation eine Abteilung für Marketing, die kreative Initiativen entwickelt und unsere Ziele und Inhalte kommunikativ vertritt, unter anderem durch das Kunstmagazin Arteria. 

Was würden Sie als Ihre Höhepunkte in den vergangenen fünf Jahren in der Hilti Art Foundation bezeichnen?
Gute Neuerwerbungen sind immer das Salz, das die Arbeit würzt, und sie sind, oft nach langen, aufwendigen Recherchen und Verhandlungen, immer gemeinsame Höhepunkte aller für die Sammlung verantwortlichen Personen. Meine ganz persönlichen Höhepunkte ergeben sich aus der direkten Arbeit mit den Kunstwerken, aus den Konzepten und Realisierungen von Ausstellungen, bei denen ich ja ganz freie Hand habe, und natürlich aus der Vermittlung, also aus den vielen Begegnungen mit dem Publikum, mit den Gästen im Museum bei Führungen und aus dem Sprechen über Kunst.

Gab es in den vergangenen fünf Jahren auch Tiefpunkte?
Nein! Keinen einzigen.

Seit Eröffnung des «Weissen Würfels» sind Sie Kurator der Hilti Art Foundation. Mit welchen Herausforderungen hat ein Kurator einer solchen Sammlung zu kämpfen?
Kurator der Hilti Art Foundation bin ich ja nun schon seit 17 Jahren und nicht erst seit Eröffnung unseres Ausstellungsgebäudes. Die Rechtfertigung und Errichtung eines Museums setzt bereits kuratorische Arbeit voraus, vor allem eine enge und glückliche Kooperation mit den Sammlern, das heisst mit der Familie Hilti. Die Herausforderungen des Kurators «einer solchen Sammlung» bestehen darin, täglich Motor zu sein, das heisst, sich qualifiziert, gut informiert und mit Leidenschaft den inhaltlichen und ästhetischen Zielen dieser Sammlung zu widmen. Da reichen kunsthistorische Kenntnisse und Erfahrung allein nicht aus. Aber hier die tägliche Arbeit eines Kurators in all ihren Ansprüchen und Facetten vorzustellen, dafür würde der Platz nicht ausreichen.

Im Mai dieses Jahres hätte die Hilti Art Foundation das fünfjährige Jubiläum gefeiert. Was wäre geplant gewesen?
Eine heiter-fröhliche Feier mit kunstbegeisterten Menschen in den Räumen des Museums, über das wir uns ja alle freuen dürfen, die nun aber wegen des Coronavirus vorläufig ausfällt. Nicht zuletzt hätten wir bei diesem Anlass mit einer kleinen Prise Stolz auch unseren zweibändigen Sammlungskatalog präsentiert, der nach mehrjähriger Arbeit im März 2020 fertiggestellt werden konnte. 

Werden die Aktivitäten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben?
Ja, aber wir können jetzt noch nicht voraussagen, auf welchen.

Sind weitere Programmpunkte im Jubiläumsjahr geplant?
Lassen wir uns überraschen!

 

Ein doppeltes Jubiläum: 20 plus 5 Jahre
2020 feiert die Hilti Art Foundation das 5-jährige Bestehen ihres Ausstellungsgebäudes in Vaduz: Als Erweiterung des Kunstmuseums Liechtenstein wurde es im Mai 2015 eröffnet. Damit wurde eine langjährige Zusammenarbeit fortgesetzt und intensiviert und die hochrangige private Kunstsammlung der Hilti Art Foundation dauerhaft öffentlich zugänglich gemacht.
Das Kunstmuseum feiert in diesem Jahr sein 20-Jahr-Jubiläum. Eine Gruppe privater Stifter realisierte zusammen mit der Regierung des Fürstentums Liechtenstein und der Gemeinde Vaduz den Museumsbau. Im August des Jahres 2000 wurde er dem Land Liechtenstein übergeben, welches für den Betrieb und die Führung des Museums die öffentlichrechtliche «Stiftung Kunstmuseum Liechtenstein» gründete. Am 12. November 2000 nahm das Kunstmuseum Liechtenstein seinen Betrieb auf.
Zum doppelten Jubiläum «20 plus 5 Jahre» ist für Samstag, 27. Juni, ein Sommerfest geplant, gestaltet von der Kunstschule Liechtenstein in Kooperation mit dem Kunstmuseum und der Hilti Art Foundation, zu dem alle Interessierten eingeladen sind – sofern die Situation es dann zulässt. Am 11. November wird ein offizieller Festakt für geladene Gäste stattfinden. 

24. Apr 2020 / 12:30
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