• Stefan Büsser erklärt in seinem Soloprogramm dem Publikum, warum die sogenannten sozialen Medien eigentlich total asozial sind.  (Pixxpower Photography Renato Ric)

«Wir alle sollten uns weniger ernst nehmen»

Ob auf der Bühne, im Radio oder am TV-Bildschirm: Stefan Büsser alias «Büssi» ist als Moderator und Comedian überall präsent. Je nach Anlass trifft der Zürcher von seriös bis frech den richtigen Ton. Für Liechtensteins 300-Jahr-Jubiläum hat er sogar eine Geburtstagsrede geschrieben.

Von Nathalie Matt

Herr Büsser, mit den Zusammen-schnitten der Schweizer Ausgaben des «Bachelors» und der «Bachelorette» erlangten Sie vor knapp vier Jahren durch das Internet Kultstatus. Welche Türen öffnete Ihnen diese Comedy-Serie? 
Stefan Büsser: Ganz viele, ich habe kürzlich sogar zu meinem Chef beim SRF gesagt: Ohne Bachelor wüsstet ihr vermutlich bis heute nicht, dass es mich gibt. Er hat mir Recht gegeben. Der Bachelor hat viele «Karrieren» beendet, aber meine hat er definitiv lanciert. 

Viele der Schweizer Unterhaltungsformate sind boulevardesker geworden. Würden Sie von sich selbst behaupten, dass Sie mitschuldig am Untergang der Schweizer
Fernsehunterhaltung sind?
 
Das ist der erste Satz in meinem Soloprogramm. Ich entschuldige mich beim Publikum, dass ich mehr hohle Menschen bekannt gemacht habe als die Gratiszeitungen und «die Arena». Was natürlich nicht ganz ernst gemeint ist, aber trotzdem einen wahren Kern hat. Mit meinen Best-Ofs habe ich Menschen eine Plattform geboten, deren primäres Ziel Bekanntheit um jeden Preis ist. Dafür sind sie bereit, ihre Scham abzulegen und uns zum Fremdschämen zu bringen. Darauf basiert diese Sendung und ihr Erfolg: Je dümmer die Kandidaten sich geben, desto grösser wird die Quote. Und mit den steigenden Einschaltquoten hat auch in den Redaktionen dieses Landes ein Umdenken stattgefunden: Die Protagonisten sind heute Promis und werden zu allen wichtigen und unwichtigen Themen befragt. Daran bin ich nicht unschuldig.

In Ihrem Comedy-Programm ist Social Media ein Thema. Würden Sie sich persönlich als «Social-Media-Komiker» bezeichnen?  
Social Media ist nur ein Teil meiner Kunst. Das andere ist die Bühne. Wer auf Instagram lustig ist, ist noch lange kein guter Komiker. Das wahre Können zeigt sich erst, wenn man live performt. Mir macht das auch viel mehr Spass als die Best-ofs.  

Welchen Platz haben die sozialen Medien in Ihrem Privatleben? 
Sie sind für meinen Beruf leider unverzichtbar. Leider, weil ich privat nicht viel mit Social Media anfangen kann. Im Sommer, wenn meine Tour pausiert und ich keine Videos poste, mache ich jeweils einen Monat Social-Media-Pause, in dem ich alle Apps lösche und einfach mein Leben geniesse. Ich freue mich schon jetzt wieder riesig darauf!

Und wie sieht ihr Social-Media-Konsum im Geschäftsbereich aus? Wie viele Stunden verbringen Sie im Netz und auf welchen Plattformen sind Sie aktiv? 
Ich messe es nicht, die Zahlen würden mich vermutlich scho-ckieren. Meine aktivste Plattform ist Instagram. Danach folgt Youtube und zu guter letzt Facebook. Auf Snapchat und TikTok
bin ich fast nicht aktiv, dafür bin ich schon fast zu alt (lacht).

Man bezeichnet Sie mit 125 000 Facebook-Fans, fast 90 000 Followern auf Instagram und
über 50 000 Youtube-Abonnenten als der beliebteste Radio- und TV-Moderator der Schweiz im Netz. Teilen Sie «alles» mit Ihren Fans und Followers? 

Nein. Meine Familie und meine Freunde sind zum Beispiel nie Teil von Social-Media-Posts. In meiner vergangenen Beziehung haben wir ab und an mal ein Video gemacht und auch etwas Einblick in unser Privatleben gewährt. Man hat aber unsere Wohnung nie gesehen, ich würde auch keine Homestorys machen. Private Rückzugsräume sind sehr wichtig.
 
Gab es Momente, in denen Sie im Nachhinein Reue zeigten, einen Post gemacht oder ein Bild hochgeladen zu haben?
Nein, ich überlege immer gut, bevor ich auf «Senden» klicke.

Vergangenes Jahr ernteten Sie Kritik vom Schweizer Bachelor Clive Bucher. Er meinte, dass Sie Personen in Ihrem Format fertigmachen würden. Haben Sie darauf reagiert?
Ich habe mit allen ehemaligen Bachelors und Bachelorettes ein prima Verhältnis, mit Ausnahme von Clive. Leider hat er meinen Humor als Einziger seiner Gattung nicht verstanden. Das ist schade, denn mein Ziel ist es eigentlich, dass wir es gemeinsam lustig haben. Die meisten Kandidaten teilen meine Videos ja, weil sie auch selbstironisch sind. Dies fehlt Clive leider. Ich beantworte seine Fragen und Kritikpunkte jetzt aber als Zusatznummer im Programm und es ist jedes Mal ein Fest fürs Publikum.

Hört sich so an, als müsste man als Komiker eine dicke Haut haben. Quasi nach dem Motto: «Wer austeilen kann, muss auch einstecken können.»
Absolut! Ich mache auch ganz viele Witze auf meine Kosten im Soloprogramm. Oder ich bin mir nicht zu schade, die Swiss Music Awards in Unterhosen zu eröffnen, wenn es der Comedy dient. Wir alle sollten uns weniger ernst nehmen, das würde unser Leben enorm erleichtern.

Kommen wir zu Ihrem bevorstehend Auftritt im TAK in Schaan ­– was kennen Sie als Zürcher vom Fürstentum Liechtenstein?
Sie meinen abgesehen von Tina Weirather und Büxi? Die beiden kenne ich und mag sie auch sehr! Ich war schon ein paarmal in Vaduz und hab auch schon beim Fürsten geklingelt. Aber ausser Spesen nichts gewesen. Und als GC-Fan bereite ich mich natürlich schon mal auf das eine oder andere Fussball-Duell nächstes Jahr gegen den FC Vaduz vor.

Gibt es Liechtensteiner-Klischees, die Sie in Ihr Solo-Programm miteinbinden? 
Dafür müsste ich sie ja erst mal verstehen, wenn man sie mir erzählt. Tatsächlich mag ich die Liechtensteiner sehr, was einen immer etwas hemmt beim Austeilen. Das billige Klischee mit
«ihr habt aber viel Geld» werde ich sicher nicht bedienen.

Apropos Geld: Haben Sie genügend Kleingeld dabei? In Liechtenstein sollen in Zukunft fünf Casinos stehen. Reichen fünf Casinos bei euch? Ihr habt ja viel Geld. So, jetzt ist das Klischee doch noch raus.
Liechtenstein feiert dieses Jahr sein 300-Jahr-Jubiläum. Wie würde eine kurze Büsser-Geburtstagsrede klingen?

Liebes Ländle, ihr seid für uns wie eine kleine Schwester! Wir beschützen euch mit unserer Armee, damit keine freizügigen Personen zu euch kommen. Oder wir sehen grosszügig darüber hinweg, wenn ihr auf euren Malbuner «Schweizer Fleisch» daraufschreibt. Wir lassen euch für Prinzen schwärmen, die A13 benutzen und wir sind auch nicht neidisch, wenn ihr viel mehr verdient als alle in Europa, inklusive uns. Auch mit 300 Jahren seht ihr noch immer fantastisch aus, unheimlich attraktiv sogar! Aber mehr als ein Küsschen auf die Wange gibt’s für die kleine Schwester nicht. Wir sind ja nicht in Österreich! Happy Birthday.
 

26. Apr 2019 / 14:00
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