• 20171110 Werdenberger Schloss-Festspiele, Buchs
    Kuno Bont ist überzeugt: «Man wird über die Oper am Werdenbergersee reden, weit über die Region hinaus.»  (Nils Vollmar)

«Wir bespielen einen der schönsten Opernspielorte der Schweiz»

Nach einem mehrjährigen Unterbruch hat Kuno Bont zusammen mit William Maxfield die künstlerische Leitung der Werdenberger Schloss-Festspiele übernommen und will mit dem neuen Standort am Werdenbergersee und erneuertem Konzept überzeugen.

Von Mirjam Kaiser

Herr Bont, neben der Freilichtbühne Rüthi haben Sie mit den Schlossfestspielen ein neues Grossprojekt übernommen. Wie kam es dazu?
Kuno Bont: Als die Werdenberger Schloss-Festspiele sterben sollten, da habe ich das im ersten Moment nicht für möglich gehalten und in einem Leserbrief auf den drohenden Verlust hingewiesen. Danach ist etwas ins Rollen geraten, das bis zum Neustart der Werdenberger Schloss-Festspiele geführt hat. Ich habe an der Zusammenarbeit und den vielen anderen motivierten Leuten Gefallen gefunden und habe ihnen dann geholfen, das Schiff wieder in Fahrt zu bringen. 


Das Konzept der Festspiele soll sich unter Ihrer Leitung etwas verändern. Was ist genau geplant? 
Im Zuge der ganzen Reorganisation der Werdenberger Schloss-Festspiele ist der Wunsch nach Veränderung und Erneuerung permanent spürbar gewesen. Was auf keinen Fall heissen will, dass das Vergangene nicht gut genug war. Im Gegenteil. Ausschlaggebend für die Veränderungen war die Tatsache, dass unsere Tribüne im Schlosshof aus Sicherheitsgründen abgesprochen wurde und die Nutzung des Schlosses heute eine andere, viel intensivere ist als früher. Neu finden die Werdenberger Schloss-Festspiele auf einer herrlichen Bühne am Werdenbergersee statt. Wir haben die Zuschauerkapazität erhöht und Infrastrukturen geschaffen, die uns wirtschaftlicher produzieren lassen. Gleichzeitig haben wir uns finanziell breiter abgestützt – ebenso wie personell. Hier findet unter anderem auch eine enge und intensivierte Zusammenarbeit mit Werdenberger Vereinen, dem Zivilschutz und der Freilichtbühne Rüthi, die grosse Erfahrung in Open-Air-Veranstaltungen hat, statt. 

Mit Sarah Längle ist auch eine Liechtensteiner Solistin mit dabei. Wie sind Sie auf sie gestossen? Was sind ihre stimmlichen und darstellerischen Besonderheiten?
Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Sarah Längle. Ich habe sie beim Vorsingen, an welchem sie sich bestätigt hat, erstmals kennengelernt. Ihre tolle Stimme hat mich sofort fasziniert, aber auch ihre Art, wie sie auftritt und auf Menschen zugeht. Ich bin überzeugt, dass sie die anspruchsvolle Rolle der Violetta ausgezeichnet spielen und die Herzen des Publikums im Flug erobern wird. Das Gleiche gilt auch für ihre Rollenpartnerin Brigitta Simon, auf die ich ebenfalls gespannt bin. Was die darstellerischen Besonderheiten anbelangt, so kann ich im Moment noch nichts sagen. Ich freue mich aber, mit den beiden Frauen in die Proben zu gehen und ihr darstellerisches Potenzial kennenzulernen. 

Neu finden die Festspiele am Werdenbergersee und nicht mehr auf dem Schloss statt. Was erwarten Sie sich davon? 
Ein unvergessliches und einzigartiges Opernerlebnis, das vielen Menschen, die heute noch nicht eingefleischte Opernfans sind, den Zugang zur Oper erleichtert. Man wird über die Oper am Werdenbergersee reden, weit über die Region hinaus. Ich meine, dass wir an einem der schönsten Opernspielorte der Schweiz spielen werden. Es ist für das Publikum vieles einfacher geworden und der Gewinner ist die Kunst. Ich fände es schade, wenn man die Vorteile, die dieser neue Standort mit sich bringt, nicht so gut wie möglich ausnutzen würde. Und somit werden wir das tun. 
Denken Sie nicht, dass die Schloss-Festspiele durch den Weggang von der Burg an Atmosphäre verlieren?
Die Werdenberger Schloss-Festspiel werden verlieren und gewinnen – die behütete Ambience im Schlosshof verlieren und ein völlig neues, bisher nicht gekanntes Ambiente am Werdenbergersee gewinnen. Nein, wir werden nicht an Atmosphäre verlieren, sondern ein neues Operngefühl schaffen. 

50 Musikerinnen und Musiker sollen die Solisten begleiten. Welche Herausforderungen 
stellen sich da?

Ich als Regisseur habe mit dem Orchester wenig zu tun. Höchstens als Organisator der Werdenberger Schloss-Festspiele. Im Gegensatz zu unserem musikalischen Leiter William Maxfield, der das Sinfonieorchester Liechtenstein bestens kennt. Er hat einmal gesagt, dass er eine Oper will, die italienisch klingt. Das finde ich super und weiss, dass unter William Maxfield hohe Ansprüche zu erfüllen sind. Ich werde ihm dazu sanfte und unvergessliche Bilder und hohen Ausdruck in der Darstellung liefern. 

Auch die Umleitung des Verkehrs wird nicht ohne Probleme vonstatten gehen. Wie weit sind Sie dort in den Verhandlungen?
Diesbezüglich muss man zuerst sagen, warum eine temporäre Umleitung des nahen Strassenverkehrs während der Spielzeiten ein Thema ist: Wir wollen die Oper nicht gross elektronisch verstärken müssen und dem Publikum den vollen Musikgenuss ermöglichen. Deshalb haben wir mit Unterstützung der Stadt Buchs bei der Kantonspolizei um die Bewilligung für eine vorübergehende Umleitung angesucht. Ausgenommen sind der Anwohnerverkehr, der öffentliche Verkehr und die Ambulanz. Was kaum jemand für möglich gehalten hat – unsere Argumente haben überzeugt und wir haben die Bewilligung für eine kurzfristige Umleitung des Durchgangsverkehrs erhalten. Das rechne ich den zuständigen Beamten gross an und hoffe, dass dies auch die Musikfreunde tun werden. Nun appellieren wir an das Verständis der betroffenen  Automobilisten und danken ihnen, wenn sie mit ihrem Verständnis eine reibungslose Abwicklung ermöglichen. 

«La Traviata» soll für einen erfolgreichen Neuanfang sorgen. Warum haben Sie genau diese Oper ausgewählt?
Ich bin ja nicht durch alle Böden ein Opernfreak. Aber an «La Traviata» kann man einfach nicht vorbeigehen. Es waren noch drei andere Opern in der engeren Auswahl. Wir haben uns gut überlegt, ob wir das schaffen können oder ob wir zu hochtrabende Pläne haben. Es zeigte sich dann, dass wir das schaffen. Nicht zuletzt dank des neuen Geistes, den der Beinahe-Absturz der Werdenberger Schloss-Festspiele mit sich gebracht hat, und auch wegen der guten Stimmung im Team. Und: Wenn wir schon so einen einzigartigen Aufführungsort gefunden haben, dann sollte es auch eine Oper sein, mit der man viele neue Opernfreunde gewinnen kann. Das ist «La Traviata» von Giuseppe Verdi. Zweifelsohne. 
 

29. Jun 2018 / 07:00
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