• Ospelt, Ospelt, Schädler
    Bissig wie eh und je: Ingo Ospelt, Mathias Ospelt und und Marco Schädler im Stück Monte LiGa 2002.  (Uve Harder)

«Wir haben in jeder Hinsicht viel erreicht»

Sie fingen im Dachboden des Frohsinns in Gamprin an, tourten schon durch das ganze Land, führten im Takino ein Glanztheater auf und verwirklichten mit dem Schlösslekeller ihre eigene Bühne. Sie haben nicht nur den Rheinberger- sondern auch den IBK-Preis gewonnen und feiern dieses Jahr mit «Heimatabend 2.0» ihr 25. Bühnenjubiläum: «Das Liechtensteiner Gabarett» (LiGa) oder seit 2009 Ospelt, Ospelt und Schädler (OOS).

Interview: Mirjam Kaiser

Am 20. November feiert ihr euer 25-jähriges Bühnenjubiläum. Seid ihr vom Showbusiness nicht langsam müde?
Ingo Ospelt: (Alle lachen laut.) Das ist unser täglich Brot. Hallo? 

Marco Schädler: Definitiv nicht. 

Mathias Ospelt: Wir treten ja zu dritt nicht mehr regelmässig auf, daher haben wir auch immer noch eine Riesengaudi, wenn wir es dann wieder mal tun.

Eure Dauerbrenner Fürstenhaus, Bischof und Treuhand werden gemäss Ankündigung im neuen Programm nicht vorkommen. Warum?
M. Ospelt: Wir hatten schon 2009 keine Lust mehr, immer die gleichen Themen aufzugreifen und die dahingehenden Erwartungshaltungen zu erfüllen. Deshalb haben wir auch 2009 unseren Namen von «Das LiGa» auf Ospelt, Ospelt, Schädler (kurz OOS) geändert. Seither machen wir weniger Tagespolitik. Das neue Stück Heimatabend 2.0 steckt aufgrund des Jubiläums voll mit Reminiszenzen an frühere Produktionen. Es versucht, OOS und das LiGa zusammenzubringen; das heisst, es hat Akteure aus beiden Programmen dabei. Es kommen Figuren aus den Anfängen vor, wie zum Beispiel Ivan Bürzle, aber gleichzeitig auch die drei Figuren aus OOS: Hubsi, Nobbi und Albi. Durch das gibt es einen Bezug zum LiGa, wo Tagespolitik noch wichtiger war. So kommt die Verfassung vor, aber der Bischof ist zum Beispiel überhaupt kein Thema mehr, er taucht ja auch kaum mehr öffentlich auf. Und Treuhänder haben wir ja auch fast keine mehr. Wir haben sie wohl alle überdauert. (lacht)

I. Ospelt: Da du von Situationen im Land, von der Stimmung und Atmosphäre erzählst, schliesst sich der Kreis vom ersten Heimatabend vor 25 Jahren. Dieser thematisierte, wie die Menschen miteinander umgehen und miteinander reden.

Dafür lässt ihr alte Stücke wieder aufleben. Was war bisher euer bestes Stück und warum?
I. Ospelt: Das ist schwierig zu sagen. Gestern habe ich ein bisschen im LiGa-Buch nachgelesen und war fast erschlagen von der Menge, die Mathias für uns geschrieben hat. Es ist unglaublich, wie er Themen immer wieder genau auf den Punkt brachte, was passierte und auch, was passieren wird. Mein persönliches Highlight ist unter anderem die Tibeter-Nummer, die mit Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auch heute noch eine allgemeine Gültigkeit hat. 

M. Ospelt: Jedes Programm hatte seine speziellen Punkte. ­«S Benkli voräm Huus» war für unseren Anfang sehr wichtig. Damals herrschte ein richtiges Kabarett-Vakuum im Land. Ausser bei den Büttenreden am Presseball gab es eigentlich niemand, der auf die Bühne stand und das Land satirisch beleuchtete. Das zweite Programm war wichtig, um zu zeigen, dass wir das Niveau halten können oder sogar noch einen daraufsetzen konnten. Auch sind wir nie stehen geblieben. So haben wir uns von den anfänglichen Figuren schnell wieder verabschiedet und neue geschaffen. Dies hatte auch damit zu tun, dass mich die Leute auf der Strasse mit Ivan angesprochen haben.

Und was ist Ihr liebstes Stück?
Schädler: «Auf Wache», ein Stück über die Einsetzung des Erzbischofs, habe ich eine ganz grosse Nummer gefunden. Und natürlich hat mir auch die Nummer mit dem Nazi Zeck sehr gefallen.

Ingo Ospelt, nach längerer Abstinenz sind auch Sie wieder dabei. Wie kam es dazu?
I. Ospelt: Schon beim dritten Programm haben bei mir die Terminprobleme begonnen. Wir haben schon länger geplant, zum 25. Jubiläum nochmals etwas zu machen. Ursprünglich hatten wir nochmals so etwas wie das «Weisse Schlössl» im Sinn, sind jedoch wieder davon weggekommen, da wir keine passende Operette fanden. 

Mathias Ospelt, Sie schreiben die Texte und die anderen dürfen anschliessend mitreden. Was bot dieses Jahr am meisten Diskussionspotenzial?
M. Ospelt: Dies war sicher ein Text über einen unfassbar monströsen Menschen, einen landbekannten Polteri. Nach einigen Diskussionen einigten wir uns, dass wir diesem Kerl keine Bühne geben wollen und haben ihn wieder rausgestrichen. Er soll sein eigenes Kabarett schreiben.

Auch die Tagespolitik wird wieder Thema sein. Was beschäftigt euch dabei am meisten?
M. Ospelt: Mich beschäftigt, wie die Leute komplett das Gefühl dafür verloren haben, wie man miteinander kommuniziert. Eine offene, breite Kommunikation ist heute fast nicht mehr möglich. Das war früher sicher anders, auch wenn es nicht immer angenehm war. Doch gerade unsere heutige Politik finde ich diesbezüglich grottenschlecht. Da passieren Dinge, die es vor 20 Jahren im Landtag oder in der Regierung schlicht nicht gegeben hätte. Es ist sicher auch eine Konsequenz von 2003, dass sich manche qualifizierte Leute nicht mehr für politische Ämter zur Verfügung stellen. Dafür gibt es eine Menge Einzelkämpfer, die denken, sie hätten die Politik erfunden. Solche Sachen finde ich extrem störend. Wenn das so weiter geht, sehe ich weder schwarz noch rot für das Land, sondern eine unangenehme Mischfarbe.

I. Ospelt: Was auch hier funktioniert, ist Populismus. Populismus ist die grosse Gefahr. Heute reicht es, seine persönliche Meinung als Fakt zu verkaufen. Einfache Inhalte, klare «Botschaften» – ob die durchführbar sind, ist egal. Hätten noch vor nicht allzu langer Zeit Politiker Statements von der Qualität eines «Trump Twitters» beispielsweise von sich gegeben – so ein Politiker hätte sich disqualifiziert.

M. Ospelt: Das Blödeste, was du in der Politik tun kannst, sind Inhalte zu transportieren. Es geht nur noch darum, aufzufallen. Es gilt, Gegenpositionen einzunehmen, nur dass man eine Gegenposition hat. 

Wird es sonstige Besonder­hei­ten anlässlich des Jubiläums geben?
M. Ospelt: Es gibt wieder viel Musik. Es gibt Songs, die wir noch nie gemacht haben, es gibt aber auch Lieder, die man kennt. Leute, die uns von Anfang an begleitet haben, werden bestimmt auch einige Text-Sequenzen wiedererkennen. Eine Nummer von 1994 spielen wir sogar eins zu eins, nur mit ein paar leichten Anpassungen. Man muss aber kein LiGa-Spezialwissen haben, um sich bei uns zu amüsieren. 

I. Ospelt: Zu Beginn der Probezeit habe ich mir überlegt, wie bringen wir diesen Anfängergeist wieder her? Marco kannten wir selbst noch nicht, wir haben ihn einfach mal angefragt. Wir wussten damals bei den Proben zum Teil nicht, wie er das alles findet, weil er so ruhig war. Mittlerweile haben wir ihn jedoch kennen und schätzen gelernt und haben dank ihm in jeder Hinsicht auch sehr viel erreicht. Es ist natürlich toll, wenn man auf 25 Jahre Erfahrung zurückgreifen kann. 

Welche Nummer wird dieses Jahr für am meisten Gesprächs­stoff sorgen?
M. Ospelt: Vermutlich die Ivan und Kuno-Nummer. Ivan, eine Figur aus unseren ersten beiden Programmen, wollte in den Landtag und Kuno war sein Berater. Nachdem die beiden mit ihren Plänen damals grandios gescheitert sind, treffen sie sich nach langer Zeit wieder. Kuno versucht ihn wieder für die Politik zu gewinnen. Dabei kommen Fragen vor wie «Wieso geht man in die Politik?» oder «Wieso wählt man gewisse Leute aus?». Der «Heimatabend 2.0» wird aber kein rein politischer Weiterbildungsabend, es gibt auch sehr viele unglaublich hirnrissige, alberne, saulustige Sachen.
 

25 Jahre sind eine lange Zeit. Was ist der Grund, dass ihr mit OOS immer drangeblieben seid?
M. Ospelt: Für mich als Autor ist unser Kabarett ein Ventil. Ich will keiner dieser traurigen Leserbriefschreiber werden. Politisches Kabarett tut auch dem Land gut. Ein Land braucht Leute, die Dinge hinterfragen und dies auf eine Weise tun, dass man am Ende über sich selbst lachen kann. Falls man das noch kann.

I. Ospelt: Im besten Fall hat ein Besuch einer solchen Veranstaltung einen reinigenden Effekt. Wenn man denn damit umgehen kann.

Schädler: Im Normalfall kommen auch nur die Leute, die damit umgehen können.

M. Ospelt: Auch war die gemeinsame Arbeit bei den Proben für uns seit je her durchs Band immer angenehm. Wir hatten nie Streit, keine Konflikte. Das ist ein Privileg, so arbeiten zu können. Da bleibt man gerne dran.

Was motivierte immer wieder? 
Schädler: Die guten, aber auch die schlechten Rückmeldungen motivieren uns, weiterzumachen. 

M. Ospelt: Die schlechten fast noch mehr. (lacht laut)

Wie geht es nach dem Jubiläumsjahr weiter?
M. Ospelt: Dies ist noch völlig offen. Es hängt auch damit zusammen, wie es im Land weitergeht.
 
I. Ospelt:
Für mich ist das noch überhaupt kein Thema. Zuerst müssen wir dieses Stück auf die Bühne bringen. 

25. Okt 2019 / 07:00
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