• KuL Porträt Franz Bucher, Atelier Weite
    Franz Bucher.  (Tatjana Schnalzger)

Der Spätberufene

Ein altes Bauernhaus, eine Frau und eine grosse Familie. Franz Bucher wusste früh, was er wollte. Als Künstler startete er erst mit über 50 Jahren durch: mit eigenem Stil, raschen Erfolgen und grossen Zielen. Ein Gespräch über Lebensträume – und ein besonderes Bild.

Franz Bucher führt mich ins Ess­zimmer seines umgebauten Bauern­hauses. Es ist ein heller Raum mit grossen Fenstern und wunderbarem Ausblick auf den Pizol. Wir sitzen an einem grossen Tisch mit acht Stühlen. «Die Kinder sind mittlerweile erwachsen – nun haben wir das Haus für uns», sagt er. Über 100 Jahre ist das Bauernhaus alt, in dem er mit seiner Frau Theres in Weite wohnt. Der gebürtige Zürcher kaufte es, als er 24 Jahre alt war, und baute es nach und nach aus. Schliesslich brauchte die geplante Grossfamilie Platz. Er zeigt auf einen weiteren grossen Tisch im Esszimmer. «Das sind meine Aus­zeich­nungen», sagt er sichtlich stolz. «Und das hier sind Kunstbücher, in denen über meine Werke geschrieben wurde.» Seit Dezember letzten Jahres ist Franz Bucher ein gefragter Künstler. Wöchentlich kommen bis zu drei Anfragen von internationalen Museen und Galerien, in denen er ausstellen soll. In Spanien, Deutschland, Österreich, den Vereinigten Staaten. Noch vor zwei Jahren war das anders. Franz Bucher schrieb eine Bewerbung nach der anderen – an Galerien und Museen im In- und Ausland. Doch er erhielt nur Absagen.

Schon als Jugendlicher hat Franz Bucher gerne und viel gemalt. «In der Schule habe ich die Matrizen gezeichnet», erzählt er. Sogar für das Jugendmagazin «Bravo» hat er Porträts entworfen. «Eigentlich wollte ich Grafiker werden», sagt er. Aber seine Eltern rieten ihm ab, er sollte einen anständigen Beruf lernen. So entschied er sich für eine Ausbildung beim Notariat, Grundbuch- und Kon­kurs­amt in Bülach. Um später seinen Traum vom alten Bauernhaus und von einer Grossfamilie zu verwirklichen, zog er mit seiner Theres aufs Land – nach Weite. Nach und nach kamen die acht Kinder – zwei Mädchen und sechs Buben – auf die Welt. Jetzt musste er Geld verdienen, um seine Grossfamilie zu ernähren. «Ich hatte damals einen sehr stressigen Job als Personalleiter in der Software-Branche», erzählt er. Mit 40 Jahren war er gesundheitlich angeschlagen: Rückenschmerzen und Osteoporose plagten ihn. «Ich sagte mir: Wenn du so weitermachst, landest du im Rollstuhl.»

Vom Tiger zum Spiralenmann

Er hängte den Job an den Nagel, arbeitete fortan in Teilzeit als AHV-Leiter bei der Gemeinde Wartau und fing nach langer Zeit wieder an zu zeichnen und zu malen. «Kannst du denn zeichnen?», hatte ihn seine Frau gefragt. Sie wusste bis zu diesem Zeitpunkt nichts vom Talent ihres Mannes. «Klar kann ich zeichnen», entgegnete Franz Bucher. Er fragte seine Kinder, was er denn als Erstes malen sollte. «Einen Tiger», waren sie sich einig. Es war eine Bleistiftzeichnung. Er experimentierte damit, scannte sie ein, veränderte die Farben und druckte sie auf grossem Format aus. Art-Print nennt sich das. «Das ist ein Riesenhit geworden», sagt er. Galerien und Museen waren davon begeistert. Später malte er Spiralen in bunten Farben. «Man nannte mich deswegen Spiralenmann», erzählt er und schmunzelt. Seit rund zwei Jahren ist Franz Bucher als Künstler selbstständig. Sein Bauernhaus ist heute Wohnraum, Atelier, Büro und Galerie in einem.

Pixelbild vom Fürsten

Franz Bucher ist ständig auf der Suche nach Ideen. Deshalb tüftelt er immer wieder mit neuen Materialien, etwa Bitumen oder Lack, und verfeinert seine Technik. Zu den neusten Experimenten zählt ein Pixelbild, das er anhand eines Fotos von seinem ältesten Sohn Alexan­der gemalt hat. Das Bild wurde im letzten Jahr unter anderem in einem Museum im Lausanner Botschaftsviertel ausgestellt. Die Kuratoren hielten es zunächst für ein gedrucktes Bild und waren letztlich vom gemalten Pixelwerk begeistert. Franz Bucher wurde sogleich für die Porträt-Ausstellung 2015 verpflichtet. Einzige Bedingung: Ein neues Bild muss her.
Für Franz Bucher war klar, dass es dieses Mal eine bekannte Person sein musste. Er entschied sich für Seine Durch­laucht Hans-Adam, Fürst von und zu Liechtenstein. «Ich habe in der ‹Liewo› ein Foto von ihm gesehen und den Foto­grafen angefragt, ob ich es verwenden dürfe», erzählt er. Der Fotograf wollte es zur Verfügung stellen, liess Franz Bucher aber wissen, dass hier wohl der Fürst über das Bildrecht entscheiden müs­se. So schrieb er dem Fürsten eine E-Mail mit der Bitte, ihn malen zu dürfen. Zunächst wurde sein Anliegen abgelehnt, da sich Seine Durchlaucht grundsätzlich nicht porträtieren lässt. Doch Franz Bucher liess nicht locker und erklärte in einer weiteren Mail, dass er nur die Erlaubnis brauche, ein bestehendes Foto aus der Zeitung als Vorlage verwenden zu dürfen. Damit war der Fürst einverstanden. Pixel für Pixel oder anders ausgedrückt: in 48 000 kleinen Quadraten malte Franz Bucher das riesengrosse Porträt von Seiner Durch­laucht auf die weisse Leinwand. Wie viele Arbeitsstunden er dafür aufwendete, frage ich ihn. «Mehr als 300 Arbeits­stunden, genau weiss ich es nicht», sagt er. Anfang September konnte er das Bild dem Fürsten persönlich präsentieren. Im Schloss. Franz Bucher ist von diesem Moment noch immer begeistert. «Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Fürst tatsächlich empfangen würde», schreibt er mir in einer E-Mail. Das Pixelbild wurde der Öffentlichkeit zum ersten Mal an der Buchser Wirtschafts- und Gewer­be­messe präsentiert und dort auch gleich verkauft. Als Nächstes darf der Künstler ein Bild in der gleichen Technik von Fürstin Marie von und zu Liechten­stein malen.

Eigene Galerie in Weite

Franz Bucher ist kein Träumer, sondern ein Macher. «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg», lautet die Devise des zielorientierten Künstlers. Auch bei seiner geplanten Galerie in Weite. Schräg gegenüber von seinem Haus und Atelier konnte Franz Bucher ein Haus erwerben. Das war nicht so einfach, zumal ihm das Geld fehlte und er von der Bank keines bekam. Was macht man da? Die mittlerweile erwachsenen Kinder legten ihr Erspartes zusammen, um das Vorha­ben ihres Vaters zu unterstützen. Somit konnte das Haus gekauft und renoviert werden. Mit einer zusätzlichen privaten Spendenaktion wurde an­schlies­send Geld für die geplante Galerie gesammelt. Den oberen Stock des Hauses hat Franz Bucher an seinen Sohn vermietet. Die Räumlichkeiten im Erdge­schoss sollen für Veranstaltungen wie Workshops oder Lesungen genutzt werden. Im November will Franz Bucher seine Galerie eröffnen. «Sie soll eine Plattform für Kunstschaf­fende sowie für Leute sein, die selbst etwas herstellen», sagt er. Ein Platz für kreative Ideen entsteht und zeigt: Für Lebensträume ist es nie zu spät.

(Silke Knöbl)

28. Sep 2015 / 09:35
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