• Katja Langenbahn
    Katja Langenbahn-Schremser  (Daniel Schwendener)

Honky Tonk Woman

Katja Langebanhn weiss: Schon im Mittelalter wäre sie eine Unterhalterin im Sinne von Geschichtenerzählerin gewesen. Vielleicht war sie es auch schon damals. Fest steht, dass sie heute eine Schauspielerin ist, die in den facettenreichsten Rollen zu begeistern weiss.

«Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.» Dieses Zitat von Oscar Wilde steht auf einer Holztafel geschrieben und ziert neben einem leuchtend gelben Sonnenblumen-Strauss den Esstisch im Hause Langenbahn in Planken. Eine «Ess-Tafel» gibt es auch für Jana, Mimi, Daisy und Peach – alles Vierbeiner. Die letzteren drei sind Katja Langebahns Katzen, Jana ist eine englische Pointer-Hündin. In der Küche, gleich neben der Speisekammer, finden die Tiere ihre Fressnäpfe. Kaum hat Katja das Futterpäckchen geöffnet, laufen die Tiere von überall im Haus zusammen – und hauen sich den Leckerbissen gemeinsam rein.
Während es sich die Vierbeiner schme-cken lassen, weiss Katja zu jedem ihrer Haustiere eine Anekdote zu erzählen. Zum Beispiel, dass Mimi schon mit einem Jahr eine Katzenmama geworden ist. Oder dass Hündin Jana so quietschfidel ist, dass man sie eher neun Monate jung, anstatt wie in Wirklichkeit neun Jahre alt schätzt. Scheint wohl in der Familie zu liegen – oder wer kann schon glauben, dass Katja nächstes Jahr einen runden Geburtstag feiert? Egal, welche Zahl nächstes Jahr vor dem Nuller stehen wird (es wird nicht die Vier sein, so viel sei verraten) – «es geht mir sehr gut», sagt Katja auf eine Art, die das Gegenüber ihre Zufriedenheit auf Anhieb spüren lässt. «Ich bin sehr mit meinen Projekten beschäftigt.» Und mit Sport: Seit drei Monaten geht die Frohnatur täglich laufen oder schwimmen, zu Hause gibt’s das Workout. Eigentlich wollte sie ihre Kondition für das aktuelle Projekt «Die Schule des Glücks» trainieren. Es wäre ein Marsch von Vaduz in die Sücka vorgesehen gewesen. Die Pläne haben sich dann aber geändert, geblieben ist aber Katjas Sportlergeist. «Mittlerweile brauche ich die tägliche Bewegung – und die Glücks­hormone, die dabei freigesetzt werden.» Mit all den regelmässig aufgenommenen Glückshormonen intus, lässt es sich auch Erfolg versprechend an der «Schule des Glücks» arbeiten. Gemein­sam mit Ron Rosenberg hat sich Katja auf die Suche nach Glücksgeschichten gemacht, welche sie von verschiedenen Menschen erzählt bekommen. Dies sind anrührende Geschichten, nachdenkliche, lustige und unterhaltsame. Die kürzeste «Glücks-Geschichte» hat Projektini­tian­tin Katja selbst auf Lager: «Ultrakurze und vor allem unverhoffte Momente, die einem komplett flashen – das bedeutet pures Glück.» So reines Glück, wie eine 24-Karat-Gold-Halskette. Nur ist das Glück im Vergleich zum Gold unbezahlbar. Katja ist überzeugt: «Das Glück findet dich – es ist nicht der Mensch, der es suchen muss.» Dies setze eine Offenheit voraus – und die Gabe, das Glück teilen zu können. «Denn Glück muss fliessen und darf nie ins Gerinnen kommen.»

Ins Gerinnen kommt auch nicht Katjas Energie – Eifer und Betriebsamkeit durchströmen die Adern der quirligen Schauspielerin, selbstbewussten Ehefrau und herzlichen Mutter zweier Söhne geradezu. Diese braucht sie auch für all ihre anstehenden Projekte: So beginnt im Oktober wieder die Kinderfilmwerk­statt, bei welcher Katja die Regie führt. Weiter geht es mit der «Grimm & Co»-Reihe – die mit zwölf Jahren Spieldauer älteste TAK- Eigenproduktion. Im Januar 2016 wird Katja in der Hauptrolle eines Tanztheaters von Daburu (T), «Das fliegende Klassenzimmer», zu sehen und hören sein und auf das Wahrsager-Duell mit Marco Schädler im Schlösslekellter freut sich die Künstlerin besonders. Auch sind die Pläne bereits fürs nächste Jahr geschmiedet. Mit ihrem aktuellen Projekt «Die Schule des Glücks» geht es am 10. September auf die Schlössle­keller-Bühne, wandert dann durchs Land, um danach auch in der Schweiz, Österreich und Deutschland gezeigt zu werden.
Wenn Katja Langenbahn von ihren Projekten spricht, strahlen ihre Augen auf eine Weise, die fasziniert. Fesselt. Beeindruckt. Beinahe jedes Wort, das über ihre Lippen kommt, untermalt sie mit ehrlicher Mimik. Auch dann, wenn sie über Tage spricht, in denen Katja auch ganz ruhig sein kann. Kleinere «Verstimmungen», wie sie die gewisse Niedergeschlagenheit nennt, verspürt sie meist dann, wenn es ums Loslassen geht. «Zum Beispiel, wenn man sich nach einem Engagement von Menschen, mit denen man intensiv gearbeitet hat, verabschieden muss», sagt sie. «Natürlich muss man sich von den Menschen nicht für immer verabschieden, aber von der Formation. Und von der gemeinsam Zeit.»

Sie habe allerdings gelernt, dass es auf der Welt nichts gibt, das nicht vergänglich ist. Deshalb: «Lebe alles wie du willst – ohne dabei andere Menschen zu verletzen.» Sie sei ein «Gegenwarts-Mensch» und lebe im Heute: «Gestern ist vorbei, damit kann ich nur noch versöhnlich sein. Und was morgen ist, kann ich nicht wissen, weil ich kein Prophet bin.» Umso mehr kann Katja die besonderen Momente geniessen – ohne sich an ihnen festzukrallen, um sie später zurückholen zu wollen. «Besondere Momente sind einmalig – und sie haben mein Leben zu dem gemacht, was es heute ist und mich dahin gebracht, wo ich heute stehe.» Zwar ist Katja, wie sie selbst sagt, keine Prophetin – dafür steckt eine tiefsinnige Philosophin in ihr, die ihr Leben bewusst mit all seinen Facetten lebt.

Die Philosophin schliesst aber die «Festnudel» nicht aus – wie das Leben ist auch Katja facettenreich. Am liebsten haut sie unter Freunden bei Privatpartys auf die Pauke. «Entweder ganz oder gar nicht» – der Kater am nächsten Tag müsse sich schliesslich lohnen! Katja lacht herzhaft, schlägt dabei mit der Hand auf den Tisch. «Oder? Isch doch woohr!» Vorurteile mag Katja keine – entsprechend heisst auch eines ihrer Lieblings­bücher «Achtung Vorurteile» von Peter Ustinov. «Ich sag es meinen Mitmen­schen gleich vorweg: Ich habe einen Knall – aber hoffentlich einen unterhaltsamen!»

Unterhaltsam ist Katja auf alle Fälle – ob auf der Bühne, unter Freunden oder bei einem Interview. Angenehm unterhaltsam, denn Katja bleibt stets sich selbst. «Schönheit nützt dir nicht viel in deinem Leben», sagte meine Mutter früher immer. «Es ist die Natürlichkeit, die dich weiterbringt.» Und die Gabe, auch ein bisschen Kindsein im Erwachsenenalter zu behalten. Auch dies lernten die Eltern ihr sehr früh: «Steck deine Kindheit in die Hosentasche und renn weg!», haben sie oft gesagt. Fröhlichkeit, Natürlichkeit und die Leichtigkeit eines Kindes sind nur einige Eigenschaften, die Katja zu diesem Menschen machen, der sie ist. «Die Eigenschaften im Rahmen eines Schauspiels auf der Bühne einzusetzen und dabei stets im richtigen Moment die richtige Schublade zu öffnen, braucht Ausdauer und Energie.» Auf der Suche nach dieser Meta-Ebene hat sie der österreichische Theater-, Film-, Fern­seh­schauspieler und Regisseur Fritz Hammel ausgebildet. Zwar wusste Katja schon mit fünf, sechs Jahren, dass sie auf die Bühne gehört. Allerdings mit Umwegen: Katja lernte Zahntechnikerin und arbeitete als Radiojournalistin bei Radio L, als dieses gegründet wurde. Und was viele nicht wissen: Katja war die Allererste, die den ersten Song auswählen durfte, der im frischgebackenen Liechtensteiner Hörfunk gespielt wurde. «Honky Tonk Woman» von den Stones hat sie sich damals, vor 20 Jahren, ausgewählt.

Es verwundert kaum, weshalb sich Katja für diesen Songtitel entschieden hat. Übersetzt heisst «honky tonk»: schräg. Denn manchmal ist Katja gerne so richtig schräg. Zum Beispiel auch dann, wenn sie vor Fotografen posiert. Das macht sie neben der Schauspielerei noch nicht sehr lange, findet es aber «witzig». Die Fotografen – unter anderen Anna Linse aus Nordrhein-Westfahlen und Wieglas aus Hamburg – sind auf die quirlige Frau aufmerksam geworden. Denn Katja hat nicht nur live eine besondere Ausstrahlung. Entdeckerin in dieser Sparte war allerdings Choreografin und Fotografin Jacqueline Beck.
Die Künstlerin möchte ihr Können künftig vermehrt auch auf Bühnen in der Schweiz, Österreich und Deutschland zeigen. Pläne sind bereits vorhanden – «aber es kommt, wies kommt», sagt Katja. Sie lasse sich überraschen. Denn sie weiss genau, wie Oscar Wilde: «Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.»

(Bettina Stahl-Frick)

03. Sep 2015 / 13:20
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