• Zeno Langenbahn, Vaduz
    Zeno Langenbahn möchte nun endlich seine Leidenschaft leben und versucht, sich seinen Weg in die Schauspielerei zu bahnen.  (Tatjana Schnalzger)

Auf Umwegen zum Traumberuf

Eigentlich müsste die Schauspielerei Zeno Langenbahn in die Wiege gelegt sein. Als Sohn von Katja Langenbahn ist er zwar schon als Kind in die bunte Welt des Theaters eingetaucht – dass er einmal selbst auf der Bühne stehen wird, daran hat er nie gedacht. Per Zufall ist er zu seiner ersten Theaterrolle gekommen. Nein – vielmehr muss es Schicksal gewesen sein. Denn auf diesem Umweg hat Zeno Langenbahn gemerkt: Ich möchte Schauspieler werden.

Für eine Männer-WG riecht es im Haus an der Lettstrasse in Vaduz richtig einladend. Es liegt weder ein latenter Biergeruch in der Luft, noch liegen Kleidungsstü­cke kreuz und quer verstreut in den Zimmern. Nicht einmal die Jacke von Zeno Langenbahn. Er grinst: «Ich habe aufgeräumt.» Es komme aber ab und zu vor, dass seine Mitbewohner ihm die ­Jacke auf sein Zimmer legen. Der Beweis, dass auch Männer ordentlich sein können, nun aber genug an Vorurteilen. Denn mit vorgefertigten, verstaubten Bildern ist man bei Zeno Langenbahn an der falschen Adresse. Der 27-Jährige lässt sich vielmehr mit einem Freidenker vergleichen. Ein Freidenker, der sich beruflich lange Zeit in keine Schublade hat stecken lassen. Nun aber glaubt Zeno Langenbahn, seine grosse Leidenschaft gefunden zu haben: Als Schauspieler auf der Bühne. Ganz verwunderlich ist dies als Sohn von Schauspielerin Katja Langenbahn nicht. Dennoch hat es aber 26 Jahre lang gedauert, bis Zeno Langenbahn den Weg auf die Bühne gefunden und lieben gelernt hat. Ein Jahr ist es nun her, als er in diese bunte Welt der Schauspielerei quasi reingestolpert ist. Es lief die TAK-Produktion «Misery» seiner Mutter, gemeinsam mit Andy Konrad und einem weiteren Schauspieler, unter der Regie von Jacqueline Beck und Fritz Hammel. Als der dritte im Bunde erkrankte, kam Zeno Langenbahn zum Handkuss, für eine klitzekleine Szene auf der Bühne zu stehen. «Natürlich habe ich ausgeholfen – wusste aber nicht, dass dies so viel Spass macht.» Der 27-Jährige wusste damals auch nicht, dass dieser Zufall sein berufliches Schicksal prägen wird. Schliesslich folgte auf seinen kurzen Auftritt eine Anfrage von Andy Konrad für eine Rolle im Kumeedischmaus. Und nochmals eine Anfrage für das Märchen Räuber Hotzenplotz im K-Bum in Malbun. Anfang Jahr spielte er den bösen Prinzen im Märchen «Das tapfere Schneiderlein». Beim Triesenberger Sagenfest war er im Sommer «der Geiger von Vaduz». Kurze Zeit stand er im Rahmen einer weiteren TAK-Produktion erneut auf der Bühne, nochmals mit dem Märchen «Das tapfere Schneiderlein», dieses Mal allerdings als Schneiderlein. «Es war besonders, in einer grösseren Rolle zusammen mit meiner Mutter auf der Bühne zu stehen», so der 27-Jährige. Den Stempel «der Sohn von Schauspielerin Katja Langenbahn» habe er aber nicht aufgesetzt bekommen. «Durch die drei Produktionen davor ist es mir gelungen, auf mich als Zeno Langenbahn aufmerksam zu machen.» Er hoffe, dass er die Chance bekomme, noch unzählige Male auf sich als Schauspieler aufmerksam zu machen. 

Zeno Langenbahn bekommt gerne Aufmerksamkeit – am liebsten, wenn er dabei im Mittelpunkt steht. Das aber war nicht immer so. «Als Kind und in der Schulzeit lebte ich sehr zurückgezogen.» Lange habe er sich in seinem Schneckenhaus am wohlsten gefühlt. Vor allem während seiner Gymnasiumzeit. «Sagen wir es mal so: Mit unserem Bildungssystem stand ich ein bisschen auf Kriegsfuss.» Und mit dem einen oder anderen Lehrer. Zeno Langenbahn brach schliesslich seine Schulzeit am Gymnasium ab, suchte sich Arbeit. Einen zweiten Versuch wollte er dem Gymnasium aber dann doch noch geben – allerdings vergebens. Noch vor der Matura brach er die Ausbildung endgültig ab. «Im Nachhinein muss ich sagen, dass dieser Entscheid vorprogrammiert war. Ich und Schule konnte und wollte einfach nicht funktionieren.» 

Nach Absprache mit seinen Eltern entschied sich Zeno Langenbahn schliesslich für einen halbjährigen Aufenthalt über den Liechtensteinischen Entwicklungsdienst in Bolivien. «Andere Menschen, andere Kulturen, andere Mentalitäten – das war Bolivien.» Und zwar Menschen, Kulturen und Mentalitäten, die den jungen Liechtensteiner förmlich aus seinem Schne­ckenhaus zerrten. «Ob du willst oder nicht, die Fröhlichkeit dieser Menschen ist so ansteckend, dass man bei x-beliebigen Aktivitäten einfach mitmachen muss.» Die Zeit und schliesslich die Menschen in dem zentralen Südamerika liessen Zeno Langenbahn den Schulärger vergessen und schenkten dem jungen Mann neue Perspektiven. Wieder zu Hause in Liechtenstein schlug Zeno Langenbahn ein neues Kapitel auf: Er begann den einjährigen Vorkurs an der Kunstschule in Nendeln. «Und ich nahm die Challenge auf, mich von meinem Schneckenhaus fernzuhalten.» Bewusst und aktiv: «Als der Klassenlehrer fragte, wer das Amt des Klassensprechers übernehmen möchte, schnellte sogleich meine Hand in die Höhe.» Zwar vermeide er es normalerweise, Verantwortung zu übernehmen – «genau deshalb stelle ich mich jetzt aber dieser Aufgabe», habe er gesagt. Ganz nach dem Motto: «New year, new me!» Die Erinnerung scheint den 27-Jährigen zu amüsieren, schliesslich lacht er laut heraus. Ein Lachen, das ansteckt und auf einen aufgestellten, humorvollen jungen Mann schliessen lässt. Ein Mann, der den Weg aus dem Schneckenhaus gefunden, den Weg zurück allerdings nicht vergessen hat. «Manchmal brauche ich diese Stille für mich», sagt er. Vor allem sonntags nehme er sich gerne Zeit für sich, nachdem er freitags und samstags mit Freunden unterwegs war. «Dann koche ich mir beispielsweise etwas Leckeres.» Dabei sei er immer wieder aufs Neue fasziniert, welche Feinschmecker-Gerichte sich aus Reis, Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln zaubern lassen, so der Vegetarier. Auch Kochkünste scheinen in der Langenbahn-Familie zu liegen: Zenos jüngerer Bruder hat Koch gelernt, nachdem er seine Schauspiel-Karriere an den Nagel hängte. Für Zeno soll diese nun starten. «Ich möchte eine Schauspielschule besuchen, am liebsten in Wien.» Seine zweite Wahl würde auf eine Ausbildung in München fallen. Obwohl, sehr viel Auswahl habe er gar nicht. Die meisten Schulen hätten eine Altersbegrenzung von 25 Jahren. So schnell lässt sich Zeno Langenbahn sein Ziel aber nicht zunichte machen – «als nächstes suche ich das Gespräch mit den Schulen wie auch mit Schauspiel-Mentoren.» Denn: «Alter hin oder her: Ich möchte meine Leidenschaft leben. Zum ersten Mal fühlt es sich für mich so wirklich richtig an.»    

Zeno Langenbahn streift mit seinen Füssen, eingehüllt in pinke Socken, entlang der Kante des schwarzen Wohnzimmertisches. «Garantie habe ich keine, aber ich glaube an mich», sagt er ruhig und bedächtig. Ebenso wie seine Familie und Freunde es auch tun – «ihre Unterstützung ist für mich Gold wert und ich schätze sie alle sehr.» Geschätzt wird Zeno Langenbahn nicht zuletzt auch von seinen drei WG-Mitbewohnern. «Weil ich auch im echten Leben gerne mal eine Rolle spiele, unterhalte ich sie gerne.» Es komme aber schon vor, dass sie mich dann auch mal ein bisschen bremsen müssen – und da ist es wieder, dieses herzhafte Zeno-Langenbahn-Lachen. Zum Lachen bringt ihn auch der modellierte orange Dachs-Schädel, der ein Zimmer nebenan auf einer Musikbox liegt. «Ein Werk aus meiner Kunstschulzeit.» Eigentlich wär er im Alltag gerne kreativer, sagt er. Ohne konkreten Auftrag fehle ihm aber irgendwie die Muse dazu. Als Grafiker, zu dem er sich nach der Kunstschule ausbilden liess, kann Zeno Langenbahn aber immer wieder kreativ sein. Auf Auftrag entwirft er Flyer, Plakate, Karten und Ähnliches. Wie einer seiner Mitbewohner hat der 27-Jährige seinen Grafiker-Arbeitsplatz zu Hause. Seit gut einem Jahr wohnt er in dieser Wohngemeinschaft. Zuvor hat Zeno Langenbahn nur ein Haus weiter gewohnt, zusammen mit seiner Grossmutter. Neben seiner Ausbildung an der Kunstschule hatte er sie gepflegt. Er hat ihr zugehört, hat ihr Geschichten erzählt, mit ihr ferngeschaut, gegessen, gelacht und ist mit ihr spazieren gegangen. Heute lebt seine pflegebedürftige Grossmutter in Planken bei seinen Eltern, insbesondere seine Mutter umsorgt die an Demenz erkrankte Frau tagaus, tagein. Für andere da zu sein, wird in der Familie Langenbahn grossgeschrieben. 

Nun ist es für Zeno Langenbahn aber erstmal wichtig, sich auf seine Karriere zu konzentrieren. Und zuallererst auf seine drei Rollen im aktuellen Kumeedischmaus. Darin agiert der 27-Jährige zum einen als russischer Millionär, zum anderen ebenso als Death-Metal-Sänger, der auch mal seine weiche Seite zeigt. Und als Ehemann in einer Paartherapie – «in dieser Rolle darf ich so ein richtiger A...-Typ sein!», freut sich Zeno Langenbahn. Er spiele gerne Bösewichte, aber er schlüpfe auch gerne in den Charakter einer Diva. Sein Wunsch: Einmal eine ernste Rolle spielen zu dürfen. Ist sein Weg zur Schauspielschule frei, dürfte dem wohl nichts mehr im Wege stehen. 

Privat hat Zeno Langenbahn einen grosser Wunsch: Einmal seine eigene Familie zu haben – «da bin ich sehr altmodisch.» Weniger altmodisch sei er allerdings, wenn es um die Vaterrolle gehe. «Ich kann mir gut vorstellen, zwei, drei Tage zu Hause zu sein, um noch mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können.» Der 27-Jährige lacht, während er voller Energie strotzt, den Weg in die Zukunft in Angriff zu nehmen. Stets als Freidenker. Der keine Vorurteile duldet. Schon gar nicht, wenn es um seine Männer-WG geht. (bfs)

25. Okt 2019 / 06:00
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