• Emil Laternser, Vaduz
    Seine grosse Leidenschaft gehört der Musik: Emil Laternser möchte es auf die ganz grossen Bühnen schaffen. Der 14-Jährige arbeitet fleissig an seinen Zielen.  (Tatjana Schnalzger)

«Die Freude an der Musik darf nie fehlen»

Sitzt er an seinem Flügel, versetzt sich Emil Laternser in das Musikstück. Er fühlt es, interpretiert es und beschert damit dem Publikum Musik mit seiner ganz eigenen Note. In wenigen Tagen beginnt für das Nachwuchstalent ein neues Kapitel: Nach der dritten Klasse hat er die Realschule Vaduz im Sommer verlassen und wechselt im Herbst ans Musikgymnasium Feldkirch. Zeitgleich beginnt er mit seinem Studium am Landeskonservatorium Vorarlberg. Die Ferien hat der 14-Jährige fleissig genutzt, um zu üben. Denn Emil Laternser hat klare Ziele – «und ich werde mein bestes geben, diese auch zu erreichen.»

Musik ist mittlerweile mehr als ein Hobby für mich», sagt Emil Laternser auf dem Sofa in der zum Musikzimmer mutierten Stube, zu Hause an der Fürst-Franz-Josef-Strasse in Vaduz. «Aber», sagt er mit grossen Augen und zieht das «A» in erwartungsvolle Länge: «Die Freude dabei darf nie fehlen.» Oder frei nach dem weltbekannten Pianisten Krystian Zimerman: «Das Publikum will einem Musiker nicht bei der Arbeit zuschauen.» Es gehe vielmehr darum, jedes Stück zu seinem eigenen zu machen, ohne dabei die Gedanken des Komponisten zu vergessen. «Wo harte Arbeit, unzählige Übungsstunden und purer Fleiss dahinterstecken, soll bei den Besuchern Hörgenuss ankommen», sagt Emil. Dieses hohe Ziel möchte er erreichen – aber niemals mit Zwang. 
Zwang hat in der musikalischen Karriere des 14-Jährigen ohnehin keinen Platz. Schon mit vier, fünf Jahren entdeckte er das Klavier, das damals im Zimmer gleich neben dem Hauseingang stand. Kaum konnte der kleine Knopf den Klavierstuhl erklimmen, klimperte er auf den Tasten so lange, bis es sich so anhörte, wie er es gerade im Radio oder sonst wo gehört hatte. «Oder zumindest bis es so ähnlich klang», fügt Mama Marion lachend an. Tatsächlich klang es wirklich immer ähnlicher und den Eltern wie auch seinen drei älteren Brüdern wurde schnell klar, dass in Emil ein musikalisches Talent steckt. Mit sieben Jahren erhielt er schliesslich seine erste Klavierstunde bei Alesh Puhar an der Liechtensteinischen Musikschule. Er unterrichtete Emil nicht nur sieben Jahre lang, sondern förderte ihn in dieser Zeit gezielt und aufopfernd. «Ich habe sehr oft geübt», sagt Emil. «Ganz bestimmt mehr als der Durchschnitt.» Aber etwa nicht, weil Frau Mama oder Herr Papa mahnend hinter ihrem Sohn standen – «es hat mir auf Anhieb grossen Spass gemacht.» 
Für andere Kinder und Eltern mochte es vielleicht befremdlich klingen, wenn das Klavierüben mehr Spass macht als Fussball spielen oder Ski fahren. «Deshalb hatte meine Mutter manchmal ein schlechtes Gewissen», worauf diese zustimmend nickt. «Ich habe mich ab und an gefragt, ob andere Eltern denken, ich oder mein Mann würden Emil zu diesen intensiven Übungsstunden zwingen», fügt sie an. «Nein», bekräftigt der 14-Jährige noch einmal – «ich wollte es selbst.» 
Offensichtlich in die Wiege gelegt war ihm das musikalische Talent nicht. In der Familie gibt es zwar etliche Hobbymusiker. «Mit ähnlicher Begeisterung musiziert vielleicht noch sein Bruder Noah, der sich als Heavy-Metal-Gitarrist jedoch in einem anderen Genre tummelt. Aber niemand widmet sich der Musik dermassen intensiv», sagt die Mutter des Nachwuchstalentes. In die Musik legt er sein ganzes Herzblut. Sogar während Emil spricht, lauscht er der klassischen Musik, die aus dem Radiolautsprecher das Zimmer mit stimmungsvoller Atmosphäre füllt. Wie von selbst tanzen seine Finger auf dem Tisch, auf der Stuhllehne, auf seinen Knien. Schliesslich steht er auf, dreht das Radio aus und setzt sich an den hundertjährigen Flügel. Und wieder beginnen seine Finger zu tanzen. Sie berühren die Tasten geschwind, geschmeidig, gekonnt. Sie fegen über die insgesamt 88 Tasten, welche die Saiten schliesslich zu einer Melodie aus einer Beethoven-Sonate erklingen lassen. 
Am liebsten spielt Emil zwar Klavier. «Aber auch auf der Orgel zu spielen, macht grossen Spass, und auch Klarinette.» Er mag einfach alles, was Klappen oder Tasten hat und Töne macht – «ja, auch Computer», verrät er. «Ich game unheimlich gerne – hauptsächlich Geschicklichkeits- und Baller-Spiele. Ist gut für die Feinmotorik», feixt Emil. Manchmal stelle er bei den Spielen sogar die französische Sprache ein, um wenigstens einen Hauch von Lerneffekt in seiner Freizeit zu haben. 
Noch hat Emil Schulferien – «Ferien vom Klavier gibt es allerdings nicht wirklich», sagt er. Im Gegenteil: In den Ferien legt er noch zusätzliche Übungseinheiten drauf. Nicht nur zu Hause – im Juli durfte er in Wien einen Meisterkurs bei der deutsch-ukrainischen Pianistin Milana Chernyavska besuchen. Und im August reiste er für ein verlängertes Wochenende nach Seefeld für weitere vier Übungsstunden bei der Meisterin. Eigentlich war der Kurs ja ausgebucht, Emil rückte aber kurzfristig an die Stelle einer erkrankten Musikstudentin. «Kontakte zu solchen Grössen sind für mich unglaublich wertvoll.» Jenen zu Milana Chernyavska hat er Drazen Domjanic von der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein zu verdanken. Die Musikakademie fördert seit Jahren junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt. Einen dritten Meisterkurs absolvierte Emil schliesslich Mitte August im italienischen Brescia bei Tobias Schabenberger, der an der Hochschule für Musik in Basel unterrichtet.  
Die Meisterkurse waren für Emil willkommene Inspiration für seinen grossen Auftritt Ende Oktober im TAK: Ein Rezital, das er sich im Rahmen der diesjährigen Podiumkonzerte mit seinem Talent erspielt hatte. Mit seinem Programm und seiner Musikalität überzeugte er die Jury, Maestro Graziano Mandozzi sowie Dr. Hossein Samieian. Neben dem Rezital wird Emil im Rahmen der Reihe «Podium zu Gast» im Oktober und November zudem Konzerte in Schulen, Altersheimen und dem Clinicum Alpinum geben. Ein Preisgeld gab es oben drauf. «So ein Batzen Geld tut schon gut, viel hilfreicher und die bedeutendere Anerkennung ist für mich jedoch die Möglichkeit, alle diese Konzerte zu spielen», sagt der 14-Jährige. Zwar wurde er bereits an nationalen und internationalen Wettbewerben in Liechtenstein, Österreich, Italien und der Schweiz ausgezeichnet. Beim internationalen Musikwettbewerb Concorso Internazionale Giovani Musicisti Premio «Antonio Salieri» in Legnago (Italien) gewann das Musiktalent sogar den 1. Preis. «Dass ich aber bei den Podiumkonzerten überzeugen konnte, ist für mich bislang der grösste Erfolg». Er strahlt dabei über das ganze Gesicht und die Erinnerung an den vergangenen April, als er im Tak in den bis auf den letzten Platz besetzten Saal blickte, läuft wie ein Film vor seinem inneren Auge ab. «Einen ersten Moment lang war ich schon nervös», gibt er zu. «Ich konnte es kaum fassen, dass all diese Menschen wegen mir gekommen sind.» Kaum habe er seine Hände dann aber auf die Tasten des Klaviers gelegt, sei er voll konzentriert gewesen. Die Nervosität wich der Freude, vor so grossem Publikum spielen zu dürfen. «Ich war komplett bei mir und spürte gleichzeitig die positive Energie des Publikums.»  
Das Stück zu spüren, die Komposition zu begreifen und diese Gefühle im Konzert zu transportieren – das ist wohl die Kunst, die einen erfolgreichen Musiker ausmacht. Diese Kunst möchte Emil ab September beim Schweizer Pianisten Benjamin Engeli weiter vertiefen. Nach der dritten Klasse hat er im Sommer die Realschule Vaduz verlassen und wechselt im Herbst ans Musikgymnasium Feldkirch. Zeitgleich beginnt er mit seinem Studium am Landeskonservatorium Vorarlberg. Sich dort einen Platz zu ergattern, ist nicht einfach. Aber auch bei der Zulassungsprüfung ist es ihm gelungen, die vier Professoren zu überzeugen. Zwei Wochen nach dem Vorspiel kam die Nachricht: «Aufgenommen!» Die Freude war riesengross. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er mit Benjamin Engeli seinen favorisierten Professor bekommen hat. «Ich denke, die Chemie zwischen uns stimmt.» Ein weiterer Schritt auf dem Weg vom Schüler zum Musiker. Der grossen Herausforderung, die nun mit dem Musikgymnasium und dem Konservatorium auf ihn wartet, ist sich Emil bewusst. Dennoch: «Ich freue mich riesig auf diese Zeit und werde mein Bestes geben.» 
«Klar träume ich von grossen, internationalen Bühnen. Dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Er ist sicher zu schaffen, aber darauf wetten möchte ich nun nicht.» Seine Eltern sind durchaus zuversichtlich und unterstützen ihren Sohn, wo immer möglich: «Ich kann mir Emil sehr gut als Musiker vorstellen», sagt seine Mutter. Denn Ausdauer gehöre definitiv zu einer seiner Eigenschaften – ebenso wie Charisma und Humor. «Trotz seiner Gewissenhaftigkeit legt er tagaus, tagein eine erfrischende Fröhlichkeit an den Tag.» Emil grinst: «Ich sag ja, die Freude darf dabei nie fehlen!» (bfs)

30. Aug 2019 / 07:00
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