• Die Glasmenagerie | Tennessee Williams | R. David Bösch | Akademietheater
    Sarah Viktoria Frick in einer tragenden Rolle im Stück «Glasmenagerie», einer aktuellen Produktion am Burgtheater in Wien, wo sie im Ensemble spielt.  (Reinhard Maximilian Werner)

Ein bisschen Glück – und ganz viel Talent

Sarah Viktoria Frick hat in der Schauspielerei Fuss gefasst: Sie spielt im Ensemble am Burgtheater in Wien, ist im Februar in einer sechsteiligen Fernsehserie auf ORF zu sehen und ab Dezember kommt sie mit dem Film «100 Dinge» in die Kinos. Zwar besetzt sie in dem Kinofilm nur eine Nebenrolle – aber immerhin neben den beiden grossen, deutschen Schauspielern Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz.


Sarah Viktoria Frick telefonisch zu erreichen, ist wie ein Date mit Schauspieler Matthias Schweighöfer zu bekommen: schier unmöglich. Einfacher ist es allerdings, die beiden gleichzeitig zu sehen. Denn am 6. Dezember läuft der Film «100 Dinge» in den Kinos an. Es ist nicht der erste Kinofilm, in dem sie zu sehen ist – aber der erste, in dem sie gemeinsam mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz spielt. Zu sehen ist die Schauspielerin aus Liechtenstein in der Nebenrolle als Betty, einer Mitarbeiterin der beiden Protagonisten Schweighöfer und Fitz. Die Dreharbeiten fanden in Berlin statt und liegen inzwischen schon eine Weile zurück. «Der Dreh war eine Herausforderung für mich, da ich gleichzeitig noch ein Stück in Wien geprobt habe», erzählt die 36-Jährige. «Trotzdem hatte ich bei den Dreh­arbeiten viel Freude mit meinen Kollegen.» Schweighöfer und Fitz habe sie «sehr professionell» erlebt. «Sie machen ihre Arbeit leidenschaftlich und mit einem sicheren Riecher für den Erfolg.»
Erfolgreich ist auch Sarah Frick. Auf die Frage, wie sie denn zu dieser Filmrolle in «100 Dinge» gekommen ist, sagt sie: «Manchmal hat man Glück.» Die Casterin habe bei ihrer Agentur angefragt und sie habe ein Casting bekommen. Ein Casting, bei dem sie Regisseur Florian David Fitz überzeugen konnte. 
Überzeugt hat sie in ihrer Schauspielkarriere aber nicht nur den deutschen Schauspieler und Regisseur: 2003 erhielt Sarah Frick den Darstellerpreis beim Schauspielschultreffen in Graz («Leonce und Lena – a better day»), im gleichen Jahr durfte sie den Zürcher Oprecht-Preis für Jungschauspieler entgegennehmen. 2006 wurde die Liechtensteinerin zur besten Nachwuchsschauspielerin Nord­hrein-Westfalens gekürt. Gleich zwei Mal erhielt sie den Nestroy-Theaterpreis: 2010 als beste Nachwuchsschauspielerin («Adam Geist») und ein Jahr später als beste Schauspielerin («Stallerhof»). Dieses Jahr war sie unter den zehn Nominierten für den Publikumspreis.
Sarah Frick lebt in Wien, das macht ein Treffen eher schwierig. Nicht aber mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in Balzers. Sie sei schon stolz auf ihre Tochter, sagt Katrin Frick. Allerdings sei sie dies auf jedes ihrer vier Kinder, fügt Sarahs Mutter schnell an. Dass Sarah aber derart im Rampenlicht stehe, sei schon speziell. Im Rampenlicht ist sie schon als Kind gerne gestanden, wie sich ihre Mutter erinnert. «In der zweiten Klasse spielte sie in einem Schultheater das Traumfresserchen in der Hauptrolle», erzählt Katrin Frick. Schon damals sei sie aufgefallen, woran sich auch Sarah Viktorias Schwester noch gut erinnern kann: «Man spürte deutlich, dass da mehr dahinter ist», sagt Viola Kofler-Frick. Die Theaterbühne ist der Schwester nicht unbekannt – in Theatern des FC Balzers spielte sie mehrere Jahre mit. «Ich weiss noch genau, wie Sarah zu den Aufführungen kam und anschliessend auf Mama regelrecht einredete, dass sie das auch mal machen will, wenn sie gross ist.» Bei Viola Kofler-Frick ist es bei der Laienschauspielerei geblieben. 
Aber Sarah Frick hatte ursprünglich einen anderen Berufswunsch: «Sie wollte Hebamme werden», erzählt ihre Mutter. An einem Info-Tag habe sie dieser Beruf dann doch nicht wirklich überzeugt und sie liebäugelte mit der Fotografie. «Klar war: Einen Bürojob wird meine Tochter nie machen.» Schliesslich bewarb sich Sarah Frick bei den umliegenden Schauspielschulen in Bern, Zürich und München. Mit 17 Jahren gelangte sie beim Vorsprechen der Münchner Otto-Falckenberg-Schule bis in die Endrunde. «Das war ein riesiger Erfolg», sagt die Mutter. Ihre Tochter habe sich gegen rund 800 Mitbewerber durchgesetzt – wurde kurz vor ihrem Ziel dann aber abgelehnt, sie sei noch zu jung. 
Sarah Frick liess sich aber nicht entmutigen und wurde schliesslich an der Hochschule für Musik und Theater Zürich angenommen. Es war der richtige Weg: Die Liechtensteinerin lernte während ihrer Ausbildung in Zürich David Bösch kennen, der an derselben Hochschule sein Regiestudium absolvierte. Er besetzte Sarah Frick als Lena in «Leonce und Lena – a better day», für die sie sogleich ausgezeichnet wurde. Durch ihre mehrjährige Zusammenarbeit mit dem deutschen Theaterregisseur machte sich die Liechtensteinerin einen Namen in der grossen Welt des Theaters. Seit 2009 ist die 36-Jährige Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. 
«Ich habe meine Tochter unterstützt, wo ich nur konnte», sagt Katrin Frick. «Weil ich spürte, dass der Weg in die Schauspielerei der richtige sein könnte.» Sofern es die Zeit zulässt, sitzt die Mama gerne im Publikum, wenn ihre Tochter auf der Bühne steht. Ebenso die Schwes­ter Viola Kofler-Frick: «Gerade neulich habe ich in Winterthur das Gastspiel des Burgtheaters besucht, bei dem Sarah im Stück ‹Glasmenagerie› eine tragende Rolle spielt.» Es sei immer wieder aufs Neue faszinierend, ihr auf der Bühne zuzusehen. «Sie holt die Zuschauer ab und wirkt stets authentisch – egal ob in einer lustigen, traurigen oder komischen Rolle», sagt die Schwester. 
Zu sehen ist die 36-jährige Liechtensteinerin aber nicht nur auf Theaterbühnen oder in Kinofilmen – auch im Fernsehen hat sie Fuss gefasst. In der sechsteiligen österreichischen Fernsehserie «M – Eine Stadt sucht einen Mörder» ist die Liechtensteinerin in der Hauptrolle als Kommissarin zu sehen. Regie führte David Schalko, ein besonderer österreichischer Regisseur, wie Sarah Frick sagt. «Auf das Resultat dieser Zusammenarbeit bin ich schon sehr gespannt», sagt die Schauspielerin. Voraussichtlich im Februar wird die Serie im ORF ausgestrahlt. 
Ob Kinofilm, Fernsehserie oder die Theaterbühne – bei Sarah Frick ist ständig etwas los. «Das Spezielle an meinem Beruf ist, dass es keinen Alltag gibt», sagt die Liechtensteinerin. Ihren üblichen Tagesablauf zeichnet sie deshalb nur grob: «Früh aufstehen, mit meinen Söhnen frühstücken, dann kurz Kaffee trinken und ab zur Probe. Abends steht meist eine Vorstellung auf dem Programm und dazwischen findet man mich auf dem Spielplatz», sagt die Mutter zweier Jungs. Mit viel Fleiss und Mühe gelingt ihr dieser energieraubende Spagat zwischen Beruf und Familie. Zwar gibt es in ihrem Alltag nur selten Freizeit. Diese verbringt sie dann aber am liebsten mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen. Im Sommer reist sie jeweils zu ihrer Familie nach Liechtenstein. «Das tut immer gut», sagt sie. Und gut tut dies natürlich auch ihrer Mutter und ihren Geschwistern, die sich auf die Zeit mit Sarah Frick freuen. «Obwohl Sarah als Schauspielerin schon vieles erreicht hat, ist sie stets auf dem Boden geblieben», sagt ihre Mutter. Tatsächlich hat sie vieles erreicht: «In Österreich ist sie der Shootingstar, der nicht selten nach Autogrammen gefragt wird», erzählt ihre Schwester Viola Kofler-Frick. Auch sie bestätigt: «Deswegen überheblich zu werden, das wäre nicht Sarah.» Im Gegenteil: Sie stelle ihr Licht eher unter den Scheffel, als dass sie Stolz zeigt. Auch in unserem Gespräch – denn dass sie eine Rolle im Kinofilm «100 Dinge» mit Schweighöfer und Fitz bekommen hat, ist sicherlich mehr als nur «ein bisschen Glück», wie die Schauspielerin bescheiden sagt. Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer sagte einst: «Bescheidenheit bei mittelmässigen Fähigkeiten ist blosse Ehrlichkeit – bei grossen Talenten ist sie Heuchelei.» Demnach wäre Sarah Frick eine Heuchlerin. Aber auch Philosophen können sich irren. Fest steht: Sarah Viktoria Frick ist ein Ausnahmetalent, das die Schauspielwelt auf alle Fälle bereichert. (bfs)
 

30. Nov 2018 / 07:00
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