• Florian Heeb, Vaduz
    Musik ist seine grosse Leidenschaft: Florian Heeb, Gründer der Schlossfestspiele und der Musicalproduktionen Werdenberg.  (Tatjana Schnalzger)

Ein Macher, der lieber in der zweiten Reihe sitzt

Zur Pressekonferenz der aktuellen Musicalproduktion «Orient Express» in der Lokremise Buchs war er Anfang März als Ehrengast geladen. Jahrzehntelang war der 68-jährige Florian Heeb an vorderster Front, wenn es darum ging, Konzertreihen zu organisieren, neue Musikprojekte auf die Beine zu stellen oder Musicalproduktionen zu realisieren.

Er hat sich ihr verschrieben: Der Musik. Und zwar schon in jungen Jahren – als Teenager spielte er als Gitarrist in seiner BluesBand «FEP Experience» in seinem Heimatdorf, im sankt-gallischen Lienz. Seine Mundwinkel verziehen sich zu einem Lachen, wenn diese Erinnerungen an jene Zeit sich wie ein Film vor seinem inneren Auge abspielen – «ein Schwarz-Weiss-Film», lacht er, «so lange ist es schon her!» Sie hätten vor allem auf Festivals gespielt – unvergessen bleibt der Applaus nach den vielen, erfolgreichen Auftritten. Höhenflüge hatte Florian Heeb deswegen keine und auch beruflich ist er am Boden geblieben, er absolvierte eine Lehre als Flugzeugmechaniker. «Irgendwann stand ich dann schon vor der Frage: Mache ich weiter mit der Fliegerei oder mache ich meine grosse Leidenschaft zum Beruf?» Der Weg ergab sich dann allerdings von ganz allein, als ihm sein Gitarrenlehrer zur Aufnahmeprüfung für die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst riet. Unbedarft trat er in Winterthur zu dieser Prüfung an – und überzeugte auf Anhieb. Mit 20 Jahren führte seine berufliche Reise schliesslich nach Wien an die Hochschule, wo er sechs Jahre später sein Musiklehrerdiplom erhielt und das Konzertfachstudium mit Auszeichnung absolvierte. Schon während dieser Zeit unterrichtete Florian Heeb am Goethe-Gymnasium in Wien, war Substitut als Bühnenmusiker an den Bundestheatern in Wien, kehrte aber nach dem Musikstudium für einen befristeten Lehrauftrag von einem Jahr am Konservatorium Luzern und nach einem kurzen Intermezzo als Schulmusiker an der Mädchensekundarschule in Gossau an das Konservatorium Bern wieder in die Schweiz zurück. 

In Bern gab er Gitarrenunterricht, bis ihm eines Tages ein Zeitungsinserat ins Auge stach: Schulleiter für die Musikschule Werdenberg gesucht. Einmal mehr unbedarft bewarb sich Florian Heeb – und einmal mehr überzeugte er. Im April 1982 trat er schliesslich seine neue Stelle an – die Schule zählte damals 
850 Schüler und rund 40 Lehrer. «So sehr ich mich gefreut habe, so bewusst war mir auch die Herausforderung», sagt der Lienzer. Mit der Liechtensteinischen Musikschule, insbesondere zu Pepi Frommelt und später zu Klaus Beck, habe er immer einen guten Kontakt gepflegt. «Freundschaftlich sind sie mir stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden.» 

Schon während Florian Heeb die Musikschule Werdenberg leitete, verband ihn die Musik mit dem Städtchen Werdenberg. Er organisierte vier bis sechs Konzerte pro Jahr, eine Konzertreihe, die einst Visionär Hanspeter Gmür 1972 gegründet hatte, wobei einige auf Schloss Werdenberg stattfanden. Namhafte Musikerinnen und Musiker lockten Besucher in die historischen Gemäuer zu einer Zeit, in welcher die klassische Musik bei Weitem noch nicht so populär war wie heute. 

Einen Visionär kann man Florian Heeb zweifelsohne nennen. «Ich träumte immer davon, das Theater, die Musik und das Schauspiel quasi zu vereinen.» Entsprechend gross war seine Affinität zum Musiktheater. Nicht nur Visionär, Florian Heeb ist auch ein Macher. So folgte 1983 bereits die erste Produktion «Bastien und Bastienne», ein Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart, das schliesslich im «Fabriggli» in Buchs aufgeführt wurde. Der Erfolg bestätigte sein neues Projekt, das er neben der Konzertreihe auf die Beine stellte. Die «Dreigroschenoper» war die zweite Produktion, die ebenfalls im Fabriggli begeisterte. 
Visionär, Macher und ein Garant für neue Ideen – auch das ist Florian Heeb. Neben all seinen Projekten spielte er schon seit Längerem mit dem Gedanken, den Schlosshof besser in Szene zu setzen. Als Testphase organisierte er 1984 Instrumentalkonzerte im Hof von Schloss Werdenberg, ein Jahr später begeisterte die Oper von Albert Lortzing «Der Wildschütz». Dafür wurde eigens ein Festspielchor gegründet, der lange Jahre durch Florian Heeb geleitet wurde und der auch heute noch besteht.«Wenn es regnete, verlegten wir die ganze Chose in die Turnhalle nach Grabs», erzählt Florian Heeb. «Ja, das war eine sehr abenteuerliche Zeit.» 

Auf diese abenteuerliche Zeit folgte dann unglücklicherweise eine Saure-Gurken-Zeit: 1987 fehlte das Geld, um den Schlosshof im damals gewohnten Rahmen zu bespielen. Entsprechend folgte mit «Meine Schwester und ich» eine kleinere Produktion, das Orchester wurde auf eine Band reduziert, in welcher Florian Heeb schliesslich selbst mitwirkte. Dann wurden die Schlossfestspiele für die Musikschule als Träger zu gross und es gründete sich die Genossenschaft Werdenberger Festspiele, wo er die künstlerische Leitung bis 2008 innehatte. Zur Erinnerung: «Zauberflöte», «Carmen», «Fidelio» und die «Verkaufte Braut» waren nur einige der Opern, die erfolgreich in Werdenberg aufgeführt wurden. «Dieser Erfolg ist auch Günther Simonott, einem äusserst kompetenten Dirigenten und profundem Kenner der Oper, zu verdanken, der jeweils die musikalische Leitung innehatte», so Florian Heeb. 

Hat Florian Heeb einen Weg eingeschlagen, geht er ihn zu Ende. Was allerdings nicht heisst, dass er jemals zu müde war, dabei auch Seitenstrassen zu betreten. Geschweige denn, auch völlig neue Wege einzuschlagen. Wie 1996, als er mit «On Broadway» ein Chorkonzert auf die Beine stellte und es im BZB und auch auf Schloss Werdenberg aufführte. «Ich hatte neben der Klassik schon immer ein grosses Faible für den Jazz», sagt Florian Heeb. Und wie könnte es für einen Macher auch anders sein – natürlich haben ihm seine Vorstellungen so lange keine Ruhe gelassen, bis er sie schliesslich realisierte. Ebenso wie seine Ideen für ein Musical: «Take off» hiess das erste Musical, das Florian Heeb in Zusammenarbeit mit Egon Rietmann arrangierte, geschrieben wurde es vom liechtensteinischen Autor Mathias Ospelt. Aufgeführt wurde es in der Turnhalle in Grabs – «mit einem riesigen Aufwand!» Damit die Turnhalle während der Woche wieder für die Schüler und Vereine zugänglich war, musste die Bühne inklusive Technik jedes Mal von Neuem auf- und abgebaut werden. Ein Segen war es dann, als die zweite Musicalproduktion «Animal Pharm», komponiert von Egon Rietmann, durch das Entgegenkommen des Geschäftsführers Johann Wanger in den Räumlichkeiten der Amag-Garage in Buchs aufgeführt werden konnte. Es folgte 2004 «Bluesbrothers 1», zwei Jahre später «Bluesbrothers 2». Sämtliche Arrangements schrieb Florian Heeb jeweils selbst, ebenso für «Heartbreak Hotel» im 2009. Allerdings standen er und seine Crew damals wieder vor der Frage, wo die Produktion aufgeführt werden kann. Zu jenem Zeitpunkt glich die Lokremise beim Bahnhof in Buchs eher einer Rumpelkammer. Davon liessen sich Florian Heeb und seine Mitstreiter aber nicht abhalten – schliesslich war «Heartbreak Hotel» die erste Produktion in der Lokremise. Zwei Jahre später hiess es «Elvis meets the Bluesbrothers» und 2013 kam Florian Heebs letztes Musical auf die Bühne der Lokremise: «Soulman.» «Ein unvergesslicher Abschluss», sagt Florian Heeb. Denn «Soulman» zählt zu seinen absoluten Highlights. Eine Geschichte, die sich um einen Mann dreht, den es in den 60er-Jahren aus einem kleinen Schweizer Nest in die grosse USA verschlagen hat, weil er vom Wunsch beseelt war, seinem grossen Vorbild Ray Charles nachzureisen. Diesen originalen «Soulman» trifft der Junge zwar nie, dafür gerät er mitten hinein in die hitzigen und bewegten Zeiten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die damals unter der politischen Führerschaft des charismatischen Pastors Luther King für die Rechte der schwarzen Bevölkerung kämpfte. 

Ganz grundsätzlich setzt sich Florian Heeb gerne mit sozialkritischen und gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Sauglattismus und Schenkelklopferei gibt es bei dem 68-Jährigen nicht. Was nicht heisst, dass er keinen Humor besitzt. Denn auch davon hat der Lienzer genug, womit er seine Enkel bestens unterhalten kann, wenn er seine Tochter Sarah in Winterthur besucht. Seine beiden anderen Kinder, Sunna und Joel, leben und arbeiten in Zürich. Mit seiner Frau wohnt Florian Heeb in Buchs am idyllischen Waldrand. Die Natur ist ihm sehr wichtig, entsprechend nah verfolgt er die aktuelle Klimadebatte. Er diskutiert aber nicht nur gerne über die Natur, er geniesst sie auch selbst sehr gerne in den Bergen. 2010 hat er den Kilimanjaro bestiegen und 2017 bezwang Florian Heeb zwei 6000er im Everest-Gebiet. «Einen 8000er würde ich mir nicht mehr zutrauen», sagt er. «Aber einen 7000er, wer weiss?» Nächste Projekte sind schon im Köcher. Zeit hat er – seit drei Jahren ist er in Pension. «Es ist mir alles andere als leicht gefallen, in die Rente zu gehen», sagt Florian Heeb. «All die Kontakte, die zwar nicht gänzlich wegfallen, aber nicht mehr zum Alltag gehören, habe ich anfangs doch ganz schön vermisst.» Es liegt auf der Hand, dass sich ein Macher nicht auf Anhieb wohlfühlt, wenn er gleich drei, vier Gänge herunterschaltet. Mittlerweile hat Florian Heeb aber wieder seinen Kurs gefunden. Und wer ihn kennt, weiss, dass es durchaus möglich ist, dass noch das eine oder andere Projekt von ihm folgen könnte. Wie auch immer, der Gründer der Schlossfestspiele und der Musicalproduktionen darf auf seine geleistete Arbeit stolz sein. «Das bin ich ein Stück weit auch», sagt er. Dass dies alles möglich war, sei auch massgebend einem starken und hilfsbereiten Umfeld und einer verständnisvollen Familie zu verdanken, die sich ebenfalls in «grossartiger Weise» eingebracht habe. Denn in den Vordergrund drängen wolle er sich nicht – «ich bin ein Macher, sitze aber lieber in der zweiten Reihe.» (bfs) 
 

26. Apr 2019 / 09:00
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