• Charismatische Frohnatur: Peterson Da Cruz Hora, choreografischer Leiter von «Zurcaroh».

Eine Frohnatur mit Tiefgang

Sein Name klingt wie eine Melodie: Peterson da Cruz Hora. Ebenso klingend ist der Name seiner Tanz- und Akrobatik-Gruppe, die er 2007 im vorarlbergischen Götzis gegründet hat: Zurcaroh – eine Mischung der Buchstaben aus seinem Namen. Und eine Mischung, die für Erfolg steht. In «Americas got Talent» – die amerikanische Version von «Supertalent» – turnte und tanzte sich «Zurcaroh» unter der choreografischen Leitung von Peterson da Cruz Hora auf den zweiten Platz. Im Rahmen von «Vaduz Classic» wird die spektakuläre Erfolgstruppe am 23. August in Vaduz beeindrucken. Das KuL hat sich mit ihm getroffen.

Wer dem 37-jährigen gebürtigen Brasilianer gegenüber sitzt, kann kaum glauben, dass es der Mann ist, der in diesen Breitengraden gleichermassen bekannt ist wie in den USA. Einmal habe  ein Mann auf einem Flughafen in Amerika lauthals «Zurcaroh» gerufen, als er Peterson da Cruz Hora entdeckt habe, erzählte er einst in einem Fernsehinterview. «Pethy», wie er von seinen Freunden genannt wird, habe sich aber ziemlich schnell aus dem Staub gemacht. Weil er die Hose zuvor vermutlich zu heiss gewaschen habe und diese deshalb eingegangen ist, sei sie an einer etwas unangenehmen Stelle gerissen – «das war mir so unglaublich peinlich», sagt er und lacht herzhaft. Keine Spur von Starallüren – stattdessen eine offene Art, die ihn irgendwie besonders macht. Ebenso seine Ehrlichkeit, frisch von der Leber weg: «Ich bin so müde», sagt er gähnend und entschuldigt sich dafür. Er sei soeben aus seiner Heimat Brasilien zurückgekehrt, erklärt er. Den Pressetermin mit dem KuL in einem gemütlichen Café in Götzis dennoch wahrzunehmen, war für ihn aber keine Frage. «Ich nehme mir gerne Zeit», sagt er bescheiden. 


Fast täglich – ausser dienstags – trainiert Peterson da Cruz Hora 48 Akrobaten zwischen sieben und vierzig Jahren. Der Lohn für all den Fleiss und die Mühe des Choreografen und seiner Crew ist ungebrochener Erfolg: Auf YouTube hat «Zurcaroh» bisweilen Millionen von Klicks bekommen, in den Medien wird die Tanz- und Akrobatikgruppe in den höchsten Tönen gelobt. In den höchsten Tönen gelobt wurde «Zurcaroh» auch schon von Heidi Klum, Jurorin von «Americas got Talent», die amerikanische Version von «Supertalent». Im September 2018 tanzte und turnte sich «Zurcaroh» bis ins Finale auf den zweiten Platz. «Wir waren alle überwältigt», sagt Peterson da Cruz Hora. Nichtsdestotrotz ging es dann aber schnell auch wieder nach Hause, die Schule und die Arbeit zwangen die Akrobaten schliesslich zur Heimkehr. Trainiert wird nämlich in der Freizeit, Profis sind keine unter ihnen, auch wenn man dies in Anbetracht der Leistung kaum glauben kann. 
«Pethy!!!», ruft eine Cafébesucherin und steht auch schon neben der charismatischen Berühmtheit. Eine Interview-Crasherin? «Zusammen mit rund 70 anderen Frauen besucht sie eine meiner beiden wöchentlichen Tanzstunden», erklärt «Pethy» grinsend. Nicht auf «Zurcaroh»-Niveau, jeder, der Spass am Tanzen hat, ist willkommen. «Mal tanzen wir Salsa, mal Samba, dann wieder Hip Hop», sagt der Choreograf. «Er kann manchmal ganz schön streng sein», erzählt die Frau, geschätzt 50 Jahre alt. Aber das sei auch gut so, der Spass fehle dennoch nie. Leicht zu glauben, könnte auch «Frohnatur» da Cruz Horas passender Vorname sein. «Bis heute Abend», verabschieden sich die beiden, noch unter der Türe des Cafés winkt die Hobby-Tänzerin noch einmal zurück – «Ich freue mich!», sagt sie, bevor sie sich eine Mütze überzieht, um der klirrenden Kälte an diesem Mittwoch Morgen zu trotzen. «Ich mag diese Kälte», sagt Peterson da Cruz Hora. In Brasilien sei es manchmal so heiss, dass man nichts anderes tun könne, als im Schatten herumzuliegen. Geschweige denn zu trainieren. Und dies, obwohl der 
37-Jährige die warmen Temperaturen gewöhnt sein sollte.

Aufgewachsen ist er in Guaruja, auf einer kleinen Insel zirka eineinhalb Stunden von São Paolo entfernt. Das Leben auf einer Insel klingt idyllisch – «ist es aber nicht», sagt der Brasilianer. Seine Eltern hätten früher einen Kiosk geführt, in dem er ab und an aushalf. So verbinde er den Strand nicht mit faulenzen, sondern mit Arbeit. Gelebt habe er mit seinen Eltern, Brüdern und Schwestern in einfachen Verhältnissen – sechs Kilometer musste er täglich zu Fuss zur Turnhalle gehen. Sein Trainer versprach ihm ein Fahrrad, wenn er ein Tanzturnier gewinnen würde. Mit 16 Jahren radelte er schliesslich zur Turnhalle. Neun Stunden Training waren an der Tagesordnung. Die Belohnung dafür gab es 1999 und 2000, als er sich zwei Jahre hintereinander den brasilianischen Meistertitel in Akrobatik sicherte. Mit einer Gruppe von anderen Tänzern und Akrobaten begeisterte er in Shows und trainierte für Wettkämpfe. 2007 holte ihn schliesslich die Liebe nach Österreich – in Götzis gründete er dann auch «Zurcaroh». So fühlte sich der Brasilianer schnell wohl, wenn auch Tausende von Kilometern von seiner Heimat, seiner Familie und Freunden entfernt. Seine Leidenschaft, den Tanz, hat er immer in seinem Gepäck, weil er sie im Herzen trägt. Wenn er darüber spricht, funkeln seine Augen. 


Apropos sprechen: Die deutsche Sprache bereitete ihm anfangs etwas Probleme. Und sorgte für köstliche Verwirrung: «In einem Laden zeigte ich auf ein Sandwich und fragte die Verkäuferin, ob das Fleisch vom Hund ist», erzählt er mit einem breiten Grinsen. Die Dame habe ihn schockiert angeschaut und mit harschen Worten gefragt: «Wie bitte?» Ein Mann neben ihm habe das Missverständnis erkannt und meinte: «Sie meinen sicher Rind.» 


Peterson da Cruz Hora entwickelt die aufwendigen Choreografien selbst, die auch stets eine Geschichte erzählen. Von ägyptischen Pharaonen oder von der biblischen Geschichte rund um Adam und Eva. Oder von einem kleinen Mädchen, das beim Tanzen Hoffnung und Kraft schöpft, die sie brauchen kann, wenn sich ihre Eltern wieder mal so fürchterlich streiten. Über diese Geschichte hat Peterson da Cruz Hora sogar einen zehnminütigen Videoclip realisiert. Mit grossem Aufwand: Rund 70 Tänzerinnen und Tänzer waren involviert, verschiedene Drehorte wurden besucht und insgesamt investierte da Cruz Hora rund 20 000 Euro. «Es war schon immer mein Traum, einen Film zu drehen.» Auf YouTube ging er durch die Decke und es folgten Anfragen von überall aus der Welt. «Leider muss ich sehr vielen absagen, das ist manchmal ganz schön frustrierend.» Gebucht werden kann «Zurcaroh» nur zur Ferienzeit, ansonsten drücken die Akrobaten die Schulbank oder gehen ihrer Arbeit nach. Gerade eben habe er den Auftritt auf einem Louis-Vuitton-Event in Paris absagen müssen, ebenso Auftritte in Dubai und Indien. Dennoch ist der Aufführungsplan durchaus international: Nach dem Gala-Abend am 17. März in Bregenz geht es im April nach Las Vegas, im Mai nach Tokio und im Juli nach São Paolo und Tunesien. Kurzum: «Zurcaroh» ist weltweit bekannt und berührt die Menschen auf allen Kontinenten. «Einst hat sich ein Kriegsveteran nach einer Show bedankt – er habe gar nicht gewusst, dass es überhaupt noch etwas gebe, was sein Herz berührt.» Oder eine Frau habe sich ihren grössten Wunsch erfüllt, nachdem sie wusste, dass sie aufgrund ihrer Krebsdiagnose nur noch wenige Monate zu leben hat, indem auch sie eine «Zurcaroh»-Show besucht hat.  «Es gibt tatsächlich nichts, das mehr berührt als der Tanz», sagt der 37-Jährige. Er sei unglaublich dankbar, das Talent von seinen Eltern und die Inspiration für seine Choreografien von Gott bekommen zu haben. 


Dankbar war auch Sängerin Helene Fischer, dass «Zurcaroh» im Dezember in ihrer grossen Weihnachtsshow auftrat. Eine Woche lang habe die Künstlerin mit den Tänzern und Akrobaten dafür trainiert. Das Resultat war ein Auftritt, an den sich die Fernsehzuschauer hierzulande bestimmt heute noch erinnern können. Peterson da Cruz Hora denkt auch gerne an den Besuch des österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen zurück. Mit der Politik habe er es sonst nicht so – «der Besuch in unserem Training war aber richtig angenehm, er ist ein netter Kerl.» 


Ein netter Kerl – das ist auch Peterson da Cruz Hora, ohne Zweifel. Und zwar mit einem grossen Herz. Neben all seinen Trainings investierte der Brasilianer Zeit, ein Sozialprojekt auf die Beine zu stellen. Er möchte eine Tanz- und Akrobatikgruppe mit Menschen aufbauen, die in eine düstere Zukunft blicken, weil sie beispielsweise keine Arbeit finden oder zu einer gesellschaftlichen Randgruppe gehören. Der 37-Jährige hat grosse Pläne: Mit der Truppe soll es dann auf Tournee gehen – nicht nur während der Ferienzeit. Mit «Zurcaroh» wolle er deswegen nicht weniger intensiv arbeiten, sagt er. Pläne, die zu einem Kämpfer passen. Ein Kämpfer, der durchaus auch mal müde sein und sich Ruhe gönnen darf. Dies tut er sich am liebsten auf dem Sofa mit einem Film – egal worum es gehe, der Streifen müsse einfach gut sein. Nach einer herzlichen Umarmung verlässt der Brasilianer das Café und ein Weltstar verschwindet auf der Strasse zum Garnmarkt. Zurück bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der mit Lebensfreude ansteckt. Der seine Träume lebt. Und der sich trotz Erfolg stets selbst treu bleibt. (bfs)   
 

22. Feb 2019 / 07:00
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