• Giovanna Gould
    Künstlerin, Malerin, Gerichtszeichnrin und «Urban Sketcherin»: Giovanna Gould.  (Daniel Schwendener)

Eine Handwerkerin, die die Kunst lebt – und liebt

Man kennt sie in dreifacher Hinsicht hierzulande wie auch über die Landesgrenzen hinaus, nämlich als malende Künstlerin, als Gerichtszeichnerin sowie als «Urban Sketcherin». Ihr ist es gelungen, auch im Ausland das Interesse für ihre Werke zu wecken. Zuletzt war sie im andalusischen Cadiz – einige ihrer Werke wurden in der Ausstellung «Caminando por Cadiz», zu Deutsch «Spazierend durch Cadiz», ausgestellt.

Ihr Blick ist aufmerksam und fokussiert. Insbesondere fokussiert auf alles, was neu ist. Denn Giovanna Gould liebt es, Fremdes zu entdecken. Ihre Neugier vermag gar Grenzen zu durchbrechen und so gibt es auch in der Malerei nichts, woran sie sich nicht versuchen möchte. Angefangen bei Aquarell über Öl oder Acryl bis hin zu Bleistiftzeichnungen weckt jede Art von malerischer Kunst das Interesse der Künstlerin. Vor rund zehn Jahren ist sie abermals auf etwas Neues gestossen, was ihre Arbeiten in den vergangenen Jahre stark beeinflusst hat: Urban Sketchers. Das ist eine weltweite Gemeinschaft von Künstlern, die vor Ort Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder zu denen sie reisen. Und Urban Sketchers zeichnen auch Momentaufnahmen von Menschen – wie sie sich beispielsweise auf einer Parkbank sonnen. Oder wie sie ihren Hund loben, weil er das Stöckchen apportiert hat. Wie sie lesen, miteinander sprechen oder sich eben auch anschweigen. Innerhalb weniger Minuten erfasst Giovanna Gould Menschen im Alltag. Ihre Zeichnungen stellen eine Art visuellen Journalismus dar, der das Leben so zeigt, wie die Künstlerin es vor ihren Augen gesehen hat. Das Urban-Sketcher-Motto lautet: «Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung!» Und die Liechtensteinerin zeigt insbesondere Menschen und ihr Leben – Strich für Strich. Jede dieser Zeichnungen zeugt von einem bestimmten Charakter. Es ist, als ob die Künstlerin ein weisses Blatt Papier zum Leben erweckt. Denn was die «Urban Sketcherin» macht, ist mehr als eine blosse Zeichnung. Es ist das Abbild eines Menschen, samt Haltung, Mimik und Persönlichkeit. Dafür braucht Giovanna Gould einen besonders aufmerksamen wie auch einfühlsamen Blick für den Menschen, womit bereits die Kunst beginnt: Die Merkmale des Gegenübers schnell und gründlich zu erfassen. «Ich beobachte gerne», sagt Giovanna Gould. Und genauso geniesst sie die Begegnungen und Gespräche, die durch ihre Zeichnungen entstehen. «Wenn ich die Bilder anschaue, kann ich mich noch an jeden einzelnen Mensch erinnern», sagt die Künstlerin. Und man bedenke: In den vergangenen zehn Jahren hat Giovanna Gould ein paar Hundert Menschen porträtiert und skizziert. 

In einer Zeit, in der die Kunst vorwiegend den Männern vorbehalten war, zog Giovanna Gould als junges Mädchen, mit zirka 18 Jahren, von Amerika in die italienische Grossstadt Florenz, um dort eine der besten Kunstakademien weltweit zu besuchen. Schon als kleines Mädchen zeichnete und malte sie gerne und so ging mit der Kunstakademie ein grosser Wunsch in Erfüllung. Sie studierte Malerei, Bühnenbildnerei und Kunstgeschichte. 
Danach machte sie 1976 den «Laurea di Dottore», also den Doktortitel, in Sprachen an der Universität von Florenz. Natürlich wäre Giovanna Gould anstelle des Sprachstudiums lieber gleich als Künstlerin durchgestartet – «die finanzielle Situation hinderte mich jedoch daran.» Vor allem als Frau sei es in den frühen 70er-Jahren schwierig gewesen, in der Kunst Fuss zu fassen. «So habe ich meinen grossen Traum, von der Kunst zu leben, einfach vertagt.» Zwar habe sie sich auf ihr Sprachstudium konzentriert – «dennoch habe ich jeden Zentimeter Kunst in dieser Stadt ausgekostet», erinnert sie sich gerne an diese Zeit zurück. 
Nach ihrem Studium ist Giovanna Gould bald nach Mailand gezogen. Später hat sie in New York als Künstlerin und Sprachlehrerin gearbeitet, dann auf den Seychellen, in Simbabwe und schliesslich in der Karibik, bevor sie im Jahr 1990 nach Liechtenstein kam. Entsprechend spricht die Künstlerin sechs Sprachen: deutsch, italienisch, englisch, spanisch, portugiesisch und französisch. Giovanna Gould liebt es, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen. «Jeder fremde Ort stellte mich vor neue Herausforderungen, die ich immer gerne angepackt und auch gemeistert habe», erzählt die Malerin. Apropos meistern: Darin ist Giovanna Gould gut. Wer sie kennt, bezeichnet sie zweifelsohne als stark – willensstark, aktiv und beharrlich. Alles Eigenschaften, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute ist: Eine sehr interessante Künstlerin, die nie ihre Neugierde verloren hat. Die nie den Kopf in den Sand gesteckt hat und die nie aufgehört hat, an ihren grossen Traum zu glauben. Obwohl Giovanna Gould immer wieder betont: «Ich bin keine Künstlerin – malen und zeichnen, das bedeutet Handwerk!» Wenn man so will, dann ist sie eben eine Handwerkerin, die die Kunst von ganzem Herzen lebt – und liebt. 

In ihrem Handwerk, also beim Malen, experimentiert Giovanna Gould gerne. So hat sie auch schon Kunstwerke geschaffen, bei denen sie klebte und schnitt, spritzte und verwischte. «Alles erlaubt», so das Motto von Giovanna Gould. Das Drei-Buchstaben-Wörtchen «nie» gibt es für sie nicht und das treibt sie immer wieder zu Neuem an – mit Erfolg: Im Sommer waren einige ihrer Werke in einer Ausstellung im südspanischen Cadiz zu sehen. Sie stellte ihre Bilder in einer Galerie mitten im historischen Kern gleich neben einer Kathedrale aus. «Die Location passte perfekt», freut sich Giovanna Gould noch heute und strahlt bei den blossen Erinnerungen über das ganze Gesicht. 

Wenn Giovanna Gould mit ihrer Staffelei nicht im Freien sitzt und nicht gerade mitten in einer Stadt Menschen beobachtet und skizziert, dann sitzt Giovanna Gould im Gerichtssaal – als Gerichtszeichnerin. Ähnlich wie als «Urban Sketcherin» erfasst sie die äusseren Merkmale eines Menschen und bringt diese in Windeseile auf Papier. Den Gesichtsausdruck darf sie dabei nicht interpretieren – bei Gerichtszeichnungen ist Objektivität gefragt. Und auch dies beherrscht Giovanna Gould, wie sie in der Vergangenheit mit ihren Gerichtszeichnungen unter Beweis stellen konnte. 

Freunde hat Giovanna Gould weltweit. Sie liebt es, sich zu vernetzen und Kontakte zu pflegen. Wirklich wahre Freunde, von denen sie eine Handvoll habe, seien ein wahrer Schatz. «Solche Menschen um mich zu haben, dafür bin ich sehr dankbar», so die Künstlerin. Dankbar ist Giovanna Gould auch, dass ihr grosser Traum Wirklichkeit geworden ist: Eine Künstlerin zu sein, die für sich selbst malt und zeichnet – und dass diese Bilder von Liebhabern geschätzt werden. Mit ihrem Leben sei sie sehr zufrieden. «Jeden Tag Neues zu entdecken, das ist ein wahres Privileg», sagt Giovanna Gould. Und: «Solange ich lebe, höre ich nicht auf, neugierig zu sein.» (bfs)

28. Sep 2017 / 15:08
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