• Thomas Hasler
    In seinem Beruf als Gerichtsreporter wie auch in der Musik ist Thomas Hasler eine Punktlandung geglückt.  (Daniel Schwendener)

Eine Melodie des Erfolgs

Thomas Hasler lebt eine Profession, die ihm die Tiefe menschlicher Abgründe so gut wie täglich vor Augen führt. Als Gerichtsreporter hat sich der Liechtensteiner in den vergangenen 30 Jahren einen Namen gemacht. Ebenso mit der Musik – gemeinsam mit seinem Bruder Bruno macht Thomas Hasler Entspannungsmusik, sozusagen auch Meditationsmusik oder auch genannt «Emotional Music». Kurzum: Töne, entfacht nur von Instrumenten.

Ich glaube, ich hatte das Glück, bei jeder Verästelung meines Lebens die richtigen Wege gewählt zu haben», sagt Thomas Hasler. Was allerding nicht heisst, dass er nicht an die eine oder andere mögliche Abzweigung zurückdenkt. Und sich fragt: Was wäre gewesen, wenn? Eine Frage, die es bei ihm in seinem Beruf als Gerichtsreporter jedoch nicht gibt. Vor dem Richter zählen Fakten.  

Auf seinen letzten Prozess angesprochen, sagt er: «Ein wirklich schlimmer Fall.» Doppelmord, zwei Menschen brutal erstickt. Dar Fall ist mittlerweile nicht nur für das Gericht in Zürich abgeschlossen, auch für Thomas Hasler. Ein neuer wartet schon auf ihn, ebenfalls im Kanton Zürich, ebenfalls Mord. Zwei Fälle, die nicht zu vergleichen seien – «emotional auf einer komplett anderen Ebene», sagt er. Oft schon sei er gefragt worden, was diese Eindrücke mit ihm machen. Er habe gelernt, damit umzugehen. Bilder dieser Grausamkeiten verbannt er vor seinem inneren Auge – er sieht sie lediglich in Schwarz-Weiss, nie dreidimensional, wie er sagt. Als Journalist des «Tages-Anzeigers» schreibt er darüber, überlegt sich bei jedem Wort, jedem Satz, welche Details dieser Grausamkeiten er der Öffentlichkeit zumuten kann, zumuten darf. Ob es ihm tatsächlich gelingt, sich komplett von dieser von Verbrechen geprägten Welt abzugrenzen, kann Thomas Hasler dann doch nicht ohne Wenn und Aber bejahen. «Ich glaube, ich habe, wenn auch unbewusst, viele dieser schrecklichen Bilder auch mit Nikotin vernebelt oder mit Schokolade versüsst.» Seit elf Jahren sei er nun aber rauchfrei, sagt Thomas Hasler, nicht ohne Stolz. 

Als renommierter Journalist, der sein Wissen und Können auch an der Schweizer Journalistenschule (MAZ) weitergibt, könnten seine Worte nicht treffender sein – ohrenbetäubend. Umso stiller ist Thomas Hasler aber, wenn er nicht mitten in seiner Profession steckt. Einfach Thomas ist. Still will aber nicht heissen, dass er nicht spricht. Es sind allerdings nicht nur blosse Worte – Thomas Hasler spricht seine Worte gewählt. Er untermalt sie, indem er seine Hände auf den Tisch legt. Und ab und an einen Finger hebt. Abwechslungsweise. Mit der linken wie auch mit seiner rechten Hand. Als würde er seine Worte mit einer Klaviertaste erklingen lassen. 

Klavierstunden durfte Thomas Hasler als Kind tatsächlich nehmen. «Ich weiss nicht mehr so genau weshalb», sagt er. Er habe schon immer gerne auf einem Klavier herumgeklimpert. Überhaupt habe Musik ihm als Kind gut gefallen. Vielleicht wurde es ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater war ein begeisterter Musiker. Unter anderem wirkte er im Kirchenchor mit. «Es kam nicht selten vor, dass er während einer wahrscheinlich langweiligen Predigt in der Sonntagsmesse eine Melodie vor sich her summte und in Gedanken komponierte», sagt Thomas Hasler. So habe es ihm seine Mutter oft erzählt. Vielleicht war es tatsächlich eine Melodie, die er seinem Sohn weitergab. Eine Melodie des Lebens – und eine Melodie des Erfolges. Davon wusste Thomas Hasler aber noch nichts, als er mit seinem Bruder Bruno begann, Musik zu machen. Zwei Brüder, aufgewachsen in den 60er-, 70er-Jahren. Wer denkt, sie hätten Songs von den Rolling Stones, den Beatles oder etwa Bob Dylan nachgespielt, der liegt falsch. 

Die beiden Brüder machen Musik, für welche die unterschiedlichsten Begriffe existieren: Entspannungsmusik, Meditationsmusik, New Age Musik, Emotional Musik, Adult contemporary music. Die Musik – Töne, entfacht nur von Instrumenten. Keine lauthalsen Gesangs-Parolen. Keine liebtrunkenen gesäuselten Erklärungen an das Leben. Dafür Klänge, die die Seele berühren. Entspannungsmusik, die Körper und Geist in Einklang bringen. 
Und natürlich hat diese Musik nicht sehr viel mit dem oftmals gewaltsamen Alltag des Gerichsreporters zu tun. Oder vielleicht doch? Am Telefon habe ihn einmal eine Frau gefragt, wann und wo er denn diese sanften und dennoch ausdrucksstarken Melodien komponiere. «Ich stehe morgens auf, gehe ans Gericht, dort wird ein Mann verurteilt, der seine Familie umgebracht hat», habe er geantwortet. «Danach schreibe ich in der Redaktion meinen Artikel darüber. Abends gehe ich nach Hause, setze mich ans Klavier und spiele, was mir in den Sinn kommt – auch so kann die Musik entstehen.» Was durch den Telefonhörer folgte, war ein «Tut, tut, tut ...». Die Frau habe doch tatsächlich den Telefonhörer aufgehängt. «Wahrscheinlich erwartete sie eine Geschichte wie etwa, dass ich stundenlang durch den Wald spaziere, dort bei meinen Lieblingsbäumen meditiere und irgendein Wesen mir dabei summend eine Melodie ins Ohr setzt, die ich dann zuhause, umringt von Kerzen und Räucherstäbchen, einspiele.» Thomas Hasler lacht – er versteht aber, dass es nicht so alltäglich klingt, wenn sensitive Entspannungsmusik auch quasi aus dem Ventil gesellschaftlicher Abgründe strömt.

Angefangen hat das gemeinsame Musikschaffen mit seinem Bruder, als dieser Mitte der 80er-Jahre einen Synthesizer aus Asien mitgebracht hatte. «Er wollte Melodien von Songs, die er liebte, nachspielen», erzählt Thomas Hasler. Es hätte allerdings keinen Sinn gehabt, ihm die Akkorde aufzuschreiben. Denn damit habe sein Bruder in den Anfängen nicht sehr viel anfangen können. So hat Thomas Hasler ihm ganz simpel zu Papier gebracht, welche Tasten er von links nach rechts drücken muss. Dabei hat auch Thomas Hasler an Musikgeräten Gefallen gefunden. «Und wir begannen, gemeinsam zu musizieren.» Nach und nach entstanden auch eigene Songs – «bis wir schliesslich ein Repertoire von 80 instrumentalen Songs aus unserer Feder hatten.» Es folgte die erste CD: «Back to Earth», wie sie sich auch als Duo noch heute nennen. Das war im Jahr 1990 – seither haben die Brüder 15 Instrumental-CDs veröffentlicht, wovon fünf mit Gold und zwei mit Platin ausgezeichnet wurden. Die musikalischen Botschafter Liechtensteins, die laut dem Schweizer Fernsehen «populärste Entspannungsmusik der Schweiz», machten mit ihrer zwölften CD «From other Spheres» das Dutzend voll, noch weitere CDs folgten. Ihre aktuelle, vor wenigen Wochen erschienen, heisst: «Piece of Mind.»

Wer hat welchen Anteil an der Musik? «Es ist ganz einfach. Ohne Bruno würde die Musik nicht so klingen, wie sie klingt. Ohne mich ebenso», sagt Thomas Hasler. Mit welchem Geheimrezept ihm und seinem Bruder dieser Erfolg mit ihrer Entspannungsmusik gelungen ist, kann Thomas Hasler nicht sagen. «Aber etwa nicht, weil ich es nicht verraten möchte», sagt er. «Vielmehr, weil ich es einfach nicht weiss.» Darüber sei er auch sehr froh – «ansonsten würden wir wahrscheinlich beide versuchen, unsere Kompositionen entsprechend zu beeinflussen.» Ebenso froh ist Thomas Hasler, dass die Musik für beide eine Leidenschaft geblieben ist, die nie nur im geringsten einen beruflichen Charakter hatte. «Zweifelsohne hätten wir in den 90er-Jahren mit unserer Musik eine fixe und schöne Einkommensquelle gehabt.» Die Musik zum Beruf zu machen, sei aber weder für ihn noch für seinen Bruder jemals infrage gekommen. «Bruno war bis zu seiner Pensionierung mit Leib und Seele Flugbegleiter, so wie ich Gerichtsreporter bin.» Ausserdem sei es doch schön, auch in der Freizeit Erfolg zu haben. Und für diesen Erfolg sprechen nicht nur Zahlen, sondern auch die Tatsache, dass sogar Manager zur ganzheitlichen Entspannung zur Musik von Thomas und Bruno Hasler greifen. Ebenso wie verzweifelte Hundebesitzer: «Eine Frau erzählte uns, dass ihr Hund jeweils die Vorhänge von den Fenstern riss, wenn sie ihn allein zuhause liess.» Einzige Methode, mit der das Tier stundenlang mit gespitzten Ohren vor den Musikboxen liegt und keinerlei Gedanken an die Vorhänge oder an sonst eine tierische Untat verschwendet: Entspannungsmusik von Thomas und Bruno Hasler. Mit Klängen von Flöten, Saxofon, Gitarre, Klavier und weiteren Instrumenten vermag das Duo ganz offensichtlich die Gemüter von Mensch und Tier zu beruhigen.

Ruhe strahlt auch Thomas Hasler aus, wenn er spricht, von seinem hektischen Alltag erzählt oder auf seinen beruflichen Werdegang zurückblickt, wenn auch dieser nicht immer geradlinig verlaufen ist. Denn in der zweiten Klasse hat er seine Ausbildung am Liechtensteinischen Gymnasium abgebrochen. Nach seinem Realschulabschluss verliess er mit 17 Jahren Liechtenstein und besuchte das damalige Lehrerseminar in Rickenbach, um sich zum Pädagogen ausbilden zu lassen. Durch die Mitarbeit an einer Schülerzeitung entdeckte er dort die Freude am Schreiben – seine Karriere als Journalist war damit zwar noch nicht geebnet, zumindest aber die ersten Schritte auf diesem Weg ist er damit gegangen. Als Korrespondent bei der «Schwyzer Zeitung» und später beim» Tages-Anzeiger» sammelte Thomas Hasler Erfahrungen, fachliche Grundlagen eignete er sich dann an der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern an. Per Zufall sei er auf ein Inserat gestossen, mit dem der allererste MAZ-Lehrgang beworben wurde. «Das ist es, dachte ich mir», erinnert er sich. So zufällig scheint es aber dann doch nicht gewesen zu sein, aus 300 Bewerbern und Prüflingen hat sich Thomas Hasler schliesslich durchgesetzt und durfte sich unter 26 Studenten zu den ersten «MAZlern» zählen.

Offenbar hat Thomas Hasler, in seinem Leben jeweils vor einer Abzweigung stehend, den richtigen Weg gewählt. Als Gerichtsreporter hat er sich in den vergangenen 30 Jahren schweiz-
weit einen Namen gemacht. Neben dem MAZ ist er auch Lehrbeauftragter an der schweizerischen Richterakademie, wo er angehenden und bereits tätigen Richterinnen und Richtern versucht, die Bedeutung der Medien im Justizbereich näherzubringen. Auch musikalisch hat er gemeinsam mit seinem Bruder den richtige Weg eingeschlagen, der den beiden Erfolg einbrachte. Und dennoch fragt sich Thomas Hasler ab und an: «Was wäre gewesen, wenn ...?» Wenn er beispielsweise nicht das Lehrerseminar in Rickenbach besucht hätte, sondern die gleiche Ausbildung an der Kantonsschule in Sargans gemacht hätte. Auch dort hatte er die Aufnahmeprüfung bestanden – die Ausbildung hätte er in einer reinen Mädchenklasse geniessen dürfen, quasi als Dauer-Hahn-im-Korb. Thomas Hasler aber wählte einen anderen Weg.

Wieder liegen seine Hände auf dem Tisch vor ihm, den einen oder anderen Finger hebt er abwechslungsweise in die Luft, während er spricht. Nicht nervös – Thomas Hasler wirkt grundsätzlich entspannt. Seine Worte wählt er mit Bedacht. Mit seiner einnehmenden Art zieht er sein Gegenüber gewissermassen in den Bann. Eine Art, die nach einer ganz besonderen Melodie klingt. Nach einer unverkennbaren. Einmal in C-Dur, einmal in Moll – aber immer in Tonalität à la Thomas Hasler. (bfs)

30. Jan 2020 / 14:22
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