• Eröffnung neue Galerie, Schaan
    Eva-Maria Bechter und ihr Mann Robert Kastowsky in ihrer neuen Galerie «bechter kastowsky» an der Poststrasse in Schaan.  (Tatjana Schnalzger)

«Liebenswert und zielstrebig»

Eva-Maria Bechter und Robert Kastowsky teilen nicht nur ihre Liebe – darüber hinaus haben sie ein und dieselbe grosse Leidenschaft: Kunst & Galerie. Zwischen der Oper und der Albertina führt das Paar bereits seit Jahren erfolgreich seine Galerie «bechter kastowsky», vor drei Wochen durften die beiden zusätzlich ihre neue Galerie an der Poststrasse in Schaan eröffnen.

Im Wohnzimmer ihrer Attikawohnung in Triesen geniessen Eva-Maria Bechter und Robert Kastowsky die Abendsonne – mit idyllischem Ausblick auf den Falk­nis. Der westlichste Gipfel der Rätikonkette fasziniert das Paar ebenso wie der Berg unmittelbar daneben, dessen Form zum Verwechseln ähnlich aussieht. Tatsächlich handelt es sich ebenfalls um den Falknis, allerdings ist es ein Bild des österreichischen Künstlers Herbert Brandl, der für Bergmalerei bekannt ist. «Das Bild habe ich zu meinem Studienabschluss geschenkt bekommen», erzählt Eva-Maria Bechter. Es war im 2004, als sie ihr Studium in Kunstgeschichte in Wien beendet hatte. Das Bild sollte die Liechtensteinerin an ihre Heimat in Triesen erinnern. Entsprechend bekam es in ihrer Wohnung in Wien einen Ehrenplatz. Zwar nicht mehr in Wien, aber durchaus einen besonderen Platz hat es nun auch wieder in der neuen Wohnung in Triesen bekommen – optisch just neben dem naturechten Falknis.
Im Juli haben Eva-Maria Bechter und ihr Mann Robert Kastowsky die österreichische Haupt­stadt Wien verlassen und leben nun gemeinsam mit Eva-Marias Sohn Maximilian wieder in Liechtenstein. Es sind die Landschaft, die Familie und Freunde, die Eva-Maria Bechter während all den Jahren im Ausland nicht losgelassen haben. Mit ihrer neuen Galerie an der Poststrasse in Schaan, die sie gemeinsam mit ihrem Mann führt, war es dann glasklar: Das gemeinsame Leben geht in Liechtenstein weiter. Nicht neu ist es für Eva-Maria Bechter, weder in Liechtenstein zu leben, noch eine Galerie zu führen. Zum einen ist die 43-Jährige in Triesen aufgewachsen, zum anderen durfte sie bereits in Wien und Triesen ihre Leidenschaft der Galerietätigkeit ausleben. Was hat die Triesnerin aber schliesslich nach Wien geführt?
Die Antwort ist klassisch und fast schon langweilig: Das Studium der Kunstgeschichte. Klassisch verliefen auf eine Art auch die ersten paar Jahre nach ihrem Studienabschluss: Eva-Maria Bechter blieb in der pulsierenden, österreichischen Metropole «hängen», wie sie erzählt. Sie fand Arbeit in der Kunstvermittlung, lernte dort ihren ersten Mann kennen, es folgte vor zwölf Jahren Sohnemann Maximilian. Wie aber dann ihr Leben verlief und mit welchem Erfolg sie um ihren Traum kämpfte, nennt sich alles andere als eine langweilige Geschichte. Die 43-Jährige nimmt sich Zeit, diese zu erzählen – und zwar in ihrem neuen «zweiten Zuhause», in der Galerie an der Poststrasse, die vor drei Wochen gerade Eröffnung feierte. An jenem regnerischen Freitagvormittag steht sie an der Tür der Galerie. Schwungvoll öffnet sie diese, untermalt mit dem einladenden Wort «Hereinspaziert!». Ihr Mann Robert eilt herbei und wie aus einem Munde erklingt es: «Herzlich willkommen in unserer neuen Galerie!» Umringt werden die beiden Galeristen von Werken von Jakob Gasteiger, Aurelia Gratzer, Hermann Nitsch, Ahmet Oran, Drago Persic, Hubert Scheibl, Christoph Schirmer, Thomas Thyrion und Liliane Tomasko. Zum einen sind es bunte, schrille Werke, zum anderen hängen Bilder in düsteren Farben, allerdings mit klaren Linien, Formen und Figuren. 
Eva-Maria Bechter strahlt über das ganze Gesicht, was die Frage erübrigt, ob mit der Galerie auch ein grosser Traum in Erfüllung gegangen ist. Doch dann legt sich eine kleine Falte über ihre Stirn und die Galeristin deutet mit dem Kopf auf den Schreibtisch rechts hinten, der zur Hälfte von einer Wand verdeckt wird und somit zur Hälfte aber auch freisteht. «Es glaubt uns kaum ein Mensch, an wie vielen Orten wir diesen Schreibtisch hier drinnen schon platziert haben», erzählt Eva-Maria Bechter kopfschüttelnd. Vorne rechts, dann hinten links, dann komplett in der Mitte der Galerie, wieder eher seitlich … und noch immer hätten sie den richtigen Platz nicht gefunden. Dann lächelt die Galeristin wieder deutlich entspannter – «es braucht einfach Zeit, bis alles richtig steht und hängt, letztendlich muss auch der Lichteinfall dazu noch passen.» Ohne die 43-Jährige genauer zu kennen, lassen ihre Worte bereits auf eine Charaktereigenschaft schliessen: Eva-Maria Bechter arbeitet stets mit Bedacht und dies äusserst exakt. 
Woher ihre Leidenschaft zur Kunst kommt, kann die Galeristin gar nicht so genau erklären. Denn eigentlich stamme sie nicht aus einer Familie, in der sich alles um Kunst und Kultur drehte. Sie habe jedoch schon als Jugendliche gewusst, dass sie beruflich einmal irgendetwas mit Kunst machen möchte. «Mein Vater unterstützte mich in dieser Idee, während meine Mutter Bedenken anmeldete», erinnert sich Eva-Maria Bechter. Sie habe gemeint, ihre Tochter solle einen soliden Beruf erlernen. «Aber ich habe mich schon immer durchgesetzt», fügt sie augenzwinkernd an.  
Durchsetzen musste sich die junge Frau aus Liechtenstein auch in Wien. «Anfangs war es gar nicht so einfach, ich habe überhaupt niemanden gekannt.» Auch kamen während ihres Studiums Zweifel auf. «Denn eine klassische Kunsthistorikerin bin ich nicht», sagt sie von sich selbst. Sie führe gerne durch Ausstellungen, schreibe Texte über die Werke und die Künstler selbst. Weniger begeistert ist sie allerdings, wenn es beispielsweise um Quellenrecherchen über Künstler geht – «nur im stillen Kämmerchen sitzen und nach Quellen suchen, das ist nicht meins.» Sie sei viel lieber dort, wo die Kunst passiert – beispielsweise im Austausch mit jungen Künstlerinnen und Künstlern auf Akademien. Oder eben in der Kunstvermittlung, in welcher Eva-Maria Bechter jahrelang tätig war. «Ich habe durch diverse Ausstellungen geführt, unter anderem die über Picasso, Miro, Cézanne, Herbert Brandl oder Frida Kahlo.» Bei der letzteren seien besonders viele Liechtensteiner unter den Besuchern gewesen. «Durch eine Ausstellung zu führen, macht immer Spass – sind dann auch noch bekannte Gesichter dabei, ist es natürlich eine besondere Ehre.» 
Es steht ausser Frage: In Wien gibt es unzählige Menschen, die sich auf irgendeine Art für Kultur interessieren. Sei es beruflich oder privat. Auch er, Robert Kastowsky, fand seine berufliche Erfüllung in der Kunst. Dort fand er schliesslich auch privat seine Erfüllung. Schliesslich kreuz­ten sich die Wege des waschechten Wieners und der Auslandsliechtensteinerin. Ihr gemeinsamer Nenner war nicht die Herkunft – sondern ihre Leidenschaft, die Kunst. Vor über 20 Jahren hat Robert Kastowsky einen Job in einer grossen Wiener Galerie bekommen, wie er erzählt. Schnell habe er sich zu einem wertvollen Mitarbeiter gemausert und er durfte schon bald an der grossen Kunstmesse «Art Basel» mitarbeiten. Schliess­lich kam es so, wie es kommen musste, wenn das Leben eine Geschichte schreibt: Eva-Maria Bechter kuratierte eine Ausstellung, die Werke zeigte, die wiederum von jener Galerie stammten, in welcher Robert Kastowsky tätig war. Zwar kannten sich die beiden bereits von früher, schliesslich gilt die Kunstszene in Wien als sehr vernetzt. Gefunkt hatte es aber damals noch nicht, auch nicht, als sich die Wege der beiden durch die eben besagte Ausstellung erneut kreuzten. 
Zwar lebte Eva-Maria Bechter damals in Wien. Sie schaffte es aber, 2004 eine Galerie in Liechtenstein zu eröffnen. EMB, bezeichnend für Eva-Maria Bechter, hiess diese von ihr eigens geführte Galerie und lockte schon damals in Triesen Besucher, Kunstliebhaber wie auch Kunstsammler an. Eva-Maria Bechter pendelte – «ich lud jährlich etwa zu fünf Ausstellungen, bei denen ich zumindest bei der Vernissage vor Ort war.» 2007 kam dann Sohn Maximilian auf die Welt und bald war für die Mutter klar, dass das Pendeln mit Kind auf die Dauer keinen Sinn mehr ergab. Die leidenschaftliche Galeristin liebäugelte mit einer neuen Idee: Eine Galerie in Wien zu eröffnen. «Von vornherein war mir aber klar, dass ich sie nicht alleine führen möchte», erzählt sie. Planlos war die 43-Jährige aber noch nie – und so rief sie Robert Kastowsky an. 
«Zwar freute ich mich über ihren Anruf, war von der Idee zunächst dann aber überrascht», erzählt Robert Kastowsky weiter. Lange überlegen musste er aber nicht – «der Gedanke gefiel mir und ich wusste, dass ich mit Eva-Maria eine starke Partnerin an der Seite habe.» Die beiden besprachen ihr grosses Projekt, planten, organisierten und setzten alle Hebel in Bewegung. Mit Erfolg: Bereits ein Jahr später eröffneten die beiden ihre Galerie «bechter kastowsky»im ersten Bezirk von Wien, zwischen der Oper und dem Albertina-Museum. «Garantie hatten wir natürlich keine», sagt Eva-Maria Bechter. Und so beschlossen sie gemeinsam, der Galerie und ihrem Aufbau zwei Jahre Zeit zu geben. Nach zwei Jahren war klar: «Es gibt keinen Grund, das Kapitel wieder zu beenden.» Im Gegenteil: Den beiden gelang es, gut besuchte Ausstellungen auf die Beine zu stellen und sich einen Kundenstamm aufzubauen. Der Erfolg ist den beiden Galeristen nicht einfach in den Schoss gefallen – in all den Jahren steckte viel Mühe und Arbeit. Mit erhobenem Zeigefinger deutet Eva-Maria Bechter an, gleich etwas ganz wichtiges loswerden zu wollen: «Galeristen zu sein bedeutet nicht, den ganzen Tag auf dem Stuhl zu sitzen und auf Besucher zu warten.» Es stecke weitaus mehr hinter der Galeris­ten­tä­tigkeit. Und zwar jede Menge kreative und administrative Arbeit, Ausstellungsorga­nisation, Katalogproduktion, Messeplanung und Organisation, Kommunikation mit Kunden und Künstlern, die genauestens erledigt werden müssen. Die Frage «Wann kommen welche Bilder woher und wie und wann werden diese angeliefert?» ist nur ein kleines Beispiel. Jede Menge Fragen, die nicht auf die Schnelle geklärt werden können. Dazu gehören ebenso marketingtechnische Aufgaben. Und, ganz wich­tig: Kunstmessen. «Wir waren unter anderem schon zwei Mal in Paris, jeweils ein Mal in Madrid und Basel», sagt Eva-Maria Bechter stolz. Stolz darf sie auch sein – auf eine Kunstmesse zu gelangen, ist gar nicht so einfach – es führt kein Weg daran vorbei, mit dem Programm eine mehrköpfige Jury zu überzeugen. Ganz offensichtlich ist es den beiden Galeristen schon mehrmals gelungen, eine solche Jury zu überzeugen. Und Eva-Maria Bechter überzeugte ihren Galeristen-Partner nicht nur mit Kompetenz: «Eva-Maria ist liebenswert, zielstrebig und sehr genau, während ich eher der Frei­denker bin.» 
Robert Kastowsky präsentiert die Werke der Künstler mit tiefer Leidenschaft, während seine Frau es bestens versteht, in der Administration die Fäden zu ziehen. «Kurzum, wir bilden eine Symbiose», sagt Robert Kastowsky, der mit Eva-Maria Bechter nun seit genau einer Woche auch verheiratet ist. Eine Symbiose, die Erfolg verspricht. Denn alles haben sie aus eigener Kraft mit viel Fleiss geschafft. Ganz ohne Financier, also einem stillen Teilhaber im Hintergrund. Obwohl die beiden auch andere gemeinsame Hobbys haben wie beispielsweise Tennis spielen, tritt die Liebe zur Kunst auch im Alltag der beiden nie in den Hintergrund. Auch die Wände ihrer neuen Attikawohnung in Triesen zieren Werke, die dem Paar viel bedeuten. Wie das Bild vom Falk­nis, das eine Geschichte erzählt, auf welche die beiden gerne zurückblicken. Gemütlich in ihrem Wohnzimmer. Immer mit Blick auch auf den naturechten Falknis. Ein Ausblick, bei denen das Paar Kraft tankt. Geprägt von Anmut und Stärke, wie sie ein Berg nicht besser symbolisieren könnte. (bfs)
 

27. Sep 2019 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
25. August 2017 / 06:00
22. Februar 2019 / 07:00
Aktuell
26. April 2019 / 07:30
28. November 2019 / 15:39
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
the gospelt
Zu gewinnen 3 x 2 Tickets für das Konzert - The Gospel People (USA) am Sonntag, 22. Dezember , 17 Uhr im Vaduzersaal.
11.11.2019
Facebook
Top