• Rene Wanger, Eschen
    René Wanger vor den Pfrundbauten in Eschen, die er die vergangenen 18 Jahre leitete.  (Tatjana Schnalzger)

«Meine Stärke ist wohl die Ausdauer»

Seit 18 Jahren leitet René Wanger als Teil seiner Anstellung bei der Gemeinde die Pfrundbauten in Eschen. Diesen Monat verabschiedet er sich in die wohlverdiente Pension. Doch zur Ruhe setzen will sich Wanger nicht. Schon im Juli eröffnet er mit 16 Mitaktionären das St. Martins Pub am Platz (PAP) im Eschner Dorfzentrum. Mit dem Lokal haben sie grosse Pläne: Es soll der neue Treffpunkt des Dorfes werden, in dem auch oft Musik gespielt werden soll.

René Wanger ist bei vielen Unterländern als langjähriger Eschner Gemeindeangestellter bekannt. Im Jahr 2002 übernahm er bei der Gemeinde Eschen als Leiter Dienste einen ganzen Strauss an Aufgaben mit mehreren Abteilungen und Mitarbeitenden. Nach einer Reorganisation der Gemeindestruktur durfte er in den letzten 10 Jahren mehrere Projekte begleiten und daneben im Bereich Kultur auch die Organisation von Veranstaltungen und den Ausstellungsbetrieb in den Pfrundbauten betreuen, den er von seinem Vorgänger Erich Allgäuer übernommen hatte.

«Die sinnvolle Nutzung der gemeindeeigenen denkmalgeschützten Gebäude liegt mir sehr am Herzen», erzählt René Wanger. So freut es ihn sehr, dass das lang geplante und viel diskutierte Mühlemuseum im Obergeschoss der Mühle in den letzten Jahren Schritt für Schritt realisiert werden konnte. In einer Dauerausstellung, die sich auf das Thema Ernährung fokussiert, wurden geeignete Objekte aus der Kulturgütersammlung eingebracht, wie dies bereits vor 20 Jahren von der Kommission «Eschner Kolpa» angedacht war.

Aus der Schenkung eines Nachlasses an die Gemeinde entstand in den Pfrundbauten eine zweite Dauerausstellung über den Eschner Heimatforscher Eugen Schafhauser (1901–1983). Diese beinhaltet unter anderem sämtliche Originalzeichnungen aus Schafhausers Buch «Eschner Baukultur». «Diese Schenkung war eine sehr glückliche Fügung, befand sich darin doch auch eine ganze Schachtel Vorsteherakten von Rochus Schafhauser, dem Vater von Eugen Schafhauser», so Wanger.

In den vergangenen 18 Jahren war René Wanger Mitglied der Kulturkommission und hat viel daran gesetzt, deren Beschlüsse umzusetzen. Darunter fiel auch die Organisation des jährlichen Kulturtages, der jedes Jahr ein anderes Thema ins Zentrum stellt. Beim Pfrundbauten-Programm sind ihm die Ausstellung und Hommage an den Eschner Maler Anton Ender, die Ausstellung Eschner Baukultur oder Ahnenforschung – aus der in der Folge der Verein «Dorfgeschichte Eschen-Nendeln» hervorging – in guter Erinnerung. «Im Rahmen des Eschner Kulturtages 2018 gab es ein kurzes musikalisches Revival, indem wir mit den The Light Stones eine Band auf die Bühne holten, die in den 60er-Jahren weit über die Landesgrenzen bekannt war und musikalisch, aber auch was ihr Auftreten anbelangte für einigen Spektakel sorgte.»

Nebst der Organisation von gemeindeinternen wie auch landesübergreifenden Anlässen war er in den letzten 18 Jahren auch für die Verwaltung des Friedhofs, das Vereinswesen und die Erwachsenenbildung zuständig. Dabei hat er immer wieder versucht, möglichst vielen verschiedenen Personengruppen die Pfrundbauten zu zeigen, indem er dort während den Ausstellungen auch musikalische Anlässe oder Vorträge der Erwachsenenbildung organisierte. Nebenbei engagiert sich René Wanger als Vorstandsmitglied beim Liechtensteiner Unterland Tourismus (LUT). In dessen Rahmen hat er die Beizaplattform ins Leben gerufen, bei der sich drei bis vier Mal jährlich Musikanten in verschiedenen Unterländer Restaurants treffen und gemeinsam musizieren.

Musik ist für René Wanger sowieso die wichtigste Kunstform. Schon in jungen Jahren war er Mitglied in der Eschner Harmoniemusik: «Wir waren sehr motiviert. Jeden Sonntag trafen wir uns im Probelokal und spielten die Stücke aus dem Notenschrank Stück für Stück der Reihe nach durch.» Aus diesem Engagement heraus entwickelte sich die Jugendharmonie Eschen, bei der Wanger Mitbegründer war. Als Jungmusiker durfte er bei einem «Jeunesse Musical» in Kroatien mitwirken. «Das war für mich damals ein Erlebnis. Bei der ersten Probe war ich vom Klang des grossen Orchesters so verblüfft, dass ich meinen Einsatz verpasst habe», sagt Wanger grinsend.

Nach seiner Lehre als Elektromonteur begann Wanger am Musikkonservatorium in Feldkirch, Musik zu studieren. In dieser Zeit spielte er in mehreren Ensembles wie auch im Orchester des Konservatoriums mit. Des Öfteren war er auch gemeinsam mit dem Chor im Feldkircher Dom bei der Umrahmung von Messen im Einsatz, vor allem an Festtagen.

1978 begann er in Werdenberg und im Sarganserland Musikstunden zu geben. Später wechselte er an die Musikschule Liechtenstein, wo ihm bereits damals das Talent vom heutigen Schauspieler Thomas Beck oder dem «EniVier»-Trompeter Thomas Lorenz auffiel. Während dieser Zeit spielte er auch einige Jahre im Orchester Liechtenstein-Werdenberg. Daneben leitete er fünf Jahre lang die Musikgesellschaft Sargans, mit der er unter anderem am Wertungsspiel des eidgenössischen Musikfests in Winterthur teilnahm. «Dies war sicher ein Highlight in meiner musikalischen Karriere», so Wanger.

1988 wurde René Wanger Geschäftsführer der Tyrolis Musik AG, wo er seine musikalischen Kenntnisse gut gebrauchen konnte. Allerdings liess ihm diese Tätigkeit keine Zeit mehr, aktiv Musik zu machen. Tyrolis hatte eine grössere Zahl von sehr erfolgreichen Gruppen und Interpreten unter Vertrag wie zum Beispiel die Klostertaler oder die Schürzenjäger. «Die Alpenrocker – wie sie genannt wurden – füllten damals bei ihren Konzerten grosse Stadien.» Weiters galt es, die Künstler auf ihren Promotouren zu den Radiostationen oder Fernsehsendungen zu begleiten. «So habe ich viele Stars kennengelernt und lustige Erinnerungen an Roberto Blanco, Heino oder Monika Kaelin.» Spannend waren für den Geschäftsführer auch die Teilnahmen beim alljährlichen «Grand Prix der Volksmusik» der abwechselnd in Österreich, Deutschland oder der Schweiz stattfand. Da durften sie einige gute Platzierungen und Siege ­ihrer Künstler feiern. «Das war schon eine spannende Zeit, aber auch sehr anstrengend», so ­Wanger.

Erst mit 50 Jahren wurde René Wanger wieder selbst musikalisch aktiv. «Ich begann, Cello zu spielen, später Kontrabass und mit 60 kaufte ich mir eine Gitarre», erzählt der leidenschaftliche Musiker. Seit zwei Jahren nun spielt er bei Heike Klöpping in der Gruppe Saitentöne. Dabei gehe es vor allem ums gemeinsame Musizieren. Melodie und Rhythmus unter einen Hut zu bringen, sei für ihn eine Herausforderung. «Sowieso ist Musikmachen das beste Mittel, um der geistigen Verblödung entgegenzuwirken», scherzt der 64-Jäh­rige.

Mit der Pensionierung Ende Mai nimmt René Wanger als Mitaktionär mit dem «Pub am Platz» (PAP) ein neues Projekt in Angriff. Zu diesem «Jöblein» sei er eher zufällig gekommen. Einmal habe er zum damaligen Vorsteher Günther Kranz gesagt: «Ich bin überzeugt, dass es in Eschen Leute gibt, die sogar bereit wären, sich finanziell zu engagieren, damit wir im Zentrum von Eschen wieder eine Dorfbeiz bekommen.» Diese Aussage machte die Runde, bis ihn Architekt Hanno Konrad jun. anrief und nach dem konkreten Projekt fragte. Innert kürzester Zeit fand René Wanger 20 Mitstreiter, mit denen er den Verein St. Martins Treff wie auch eine Aktiengesellschaft gründete. Während die Aktiengesellschaft das Pub betreiben soll, ist der Verein für die Veranstaltungen zuständig. Am 20. Mai begann die bunt gemischte Truppe mit dem Einrichten des Lokals, wobei sie vieles selbst machen. Die Eröffnung ist auf Mitte Juli geplant, worauf weitere Veranstaltungen folgen sollen. «Ich hoffe sehr, dass wir nach der Corona-Bremse endlich wieder zusammenkommen dürfen», so Wanger.

Rückblickend auf sein abwechslungsreiches Arbeitsleben meint Wanger lakonisch: «Ich weiss, ich bin ein Hansdampf in allen Gassen.» Da er – wie er sagt – keine Naturtalente hat, musste er sich immer anstrengen und stark engagieren, um ans Ziel zu kommen. So nahm er auch immer gleich das nächste Projekt in Angriff, wenn er mal nichts zu tun hatte. «Meine Stärke ist wohl die Ausdauer. Mein Slogan dabei ist, ich kann es nicht perfekt, aber mach alles.» Das Miteinander und die Geselligkeit ist ihm wichtig und möchte er auch künftig leben. Auf dem Spielplatz mit seinem Enkel oder den Kollegen beim Boule oder eben im «PAP». (mk)

 

28. Mai 2020 / 22:46
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
24. April 2020 / 12:51
22. Februar 2019 / 07:00
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Loco
Gutschein im Wert von 3 x 100 Franken und 3 x 50 Franken
22.06.2020
Facebook
Top