• Videodreh Liechtenstein-Song in Steg
    Rahel Oehri-Malin während ihres Video-Drehs zu ihrem Liechtenstein-Song «Do khör i hi».  (Daniel Schwendener)

«Der Gänglesee, Tuass und das Ruggeller Riet mussten rein»

Sie habe versucht, inhaltlich viele Bilder zu zeichnen, die wiederum Emotionen hervorrufen, sagt Rahel Oehri-Malin. Das ist ihr auch gelungen mit ihrem Lied «Do khör i hi», das mittels Voting zum 300-Jahr-Liechtenstein-Song gekürt wurde.

Interview: Bettina Stahl-Frick

Frau Oehri-Malin, mit «Do khör i hi» haben sie gewonnen – was ist das für ein Gefühl, den 
300-Jahr-Liechtenstein-Song geschrieben zu haben?

Rahel Oehri-Malin: Erst einmal ist es natürlich eine wahnsinnige Ehre. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass der Song in den Köpfen sein wird. Und zwar bei Gross und Klein. Denn derzeit studieren verschiedene Primarschulklassen Liechtensteins das Lied für ihre Projektwoche zu 300 Jahre Liechtenstein ein. Ab und an bekomme ich beispielsweise von Lehrern eine kurze Video-Sequenz zugespielt, worüber ich mich unglaublich freue. So richtig bewusst, dass wirklich ich es bin, die den Liechtenstein-Song geschrieben hat, wird es mir aber sicherlich erst am 15. August, wenn ich im Vaduzer Städtle auf der Bühne stehe und das Lied singen werde. 

Mit «Rääs» und «Nevertheless» standen Sie ja mit bekannten musikalischen Grössen aus Liechtenstein im Finale. Was glauben Sie, womit konnte Ihr Song punkten?
Ich glaube, dass der Text dafür ausschlaggebend war. Ich habe versucht, inhaltlich viele Bilder zu zeichnen, die wiederum Emotionen hervorrufen. Bilder, die jeder kennt. Wie beispielsweise einen erfrischenden Sonnenaufgang oder einen romantischen Sonnenuntergang. Ein Grillfest am Gänglesee oder eine Wanderung durch unsere idyllischen heimischen Wälder. Die Melodie ist simpel gehalten und ist aufgebaut wie ein Kinderlied. Sodass es auch wirklich jeder mitsingen kann. Darauf habe ich grossen Wert gelegt. 

Wie hat denn Ihre Familie auf den Sieg reagiert?
Alle haben eine riesige Freude und meine Eltern haben zudem noch einen grossen Stolz. Das freut mich – und rührt mich auch sehr. 

Reaktionen gab es auch aus der Bevölkerung – nicht nur positive. Es wurde Ihnen Fremdenfeind­lichkeit vorgeworfen, da in einer Textzeile die Rede von Schädler, Frick & Co ist. Also von nur 
typischen liechtensteinischen Nachnamen. Wie gehen Sie damit um?

Ganz ehrlich, es war mir bewusst, dass da was kommen wird. Aber es ist einfach so, dass man nicht alles in ein Song packen kann. Wie Sie sagen, es sind typisch liechtensteinische Familiennamen. Aber das heisst nicht, dass alle anderen Menschen mit einem anderen Namen hier keinen Platz haben! Wer mich kennt, weiss, dass ich alles andere als rassistisch bin. Schliesslich bin ich auch keine waschechte Liechtensteinerin, meine Mama ist eine Schweizerin. 

Nochmals zurück zu Ihrem Song: Was war Ihnen inhaltlich wichtig?
Zum einen war es vom Wettbewerbskomitee so vorgeschrieben, zum anderen lag dies auch mir am Herzen: Dass sich der Text um Land und Leute dreht. Ich habe mir Gedanken gemacht, wo ich selbst denn gerne bin. Schnell war klar, der Gänglesee, Tuass und das Ruggeller Riet müssen rein. Wie bereits angetönt, ich wollte Bilder erzeugen, mit denen sich jeder auf seine eigene Art identifizieren kann. 

Was hat Sie bewogen, am Wettbewerb teilzunehmen?
Ich fand es von Anfang an eine coole Idee, habe allerdings überhaupt nicht daran gedacht, selbst mitzumachen. Bis mich ein Freund darauf angesprochen hatte und mich fragte, weshalb ich bei diesem Wettbewerb denn nicht mitmachen möchte. Er meinte, dass dies doch genau auf mich zugeschnitten sei. Schliesslich dachte ich mir: Wieso nicht? Ich meine, man kann auch Dümmeres machen, als ein Lied schreiben. Und dann hatte ich auch gleich eine Idee. 

Haben Sie an dieser Idee dann noch lange herumgetüftelt, bis der Liechtenstein-Song stand?
Nein, das ging ganz schnell. Die Melodie hatte ich sofort im Kopf. Damit ich sie nicht vergesse, habe ich sie gleich mit meinem Handy aufgenommen. Dann schossen mir auch gleich die Bilder durch den Kopf, die ich vertexten wollte. So schrieb ich alles auf und der Song entstand nach und nach. Sogar in der Nacht bin ich aufgewacht und hab noch ein bisschen daran herumgefeilt. Einen Tag später stand der Song dann aber schon. Wenn dies nicht so schnell gegangen wäre, hätte ich ihn auch nicht eingereicht. So was muss spontan und aus dem Innersten entstehen und darf nicht krampfhaft zusammenkomponiert werden. 

Mittlerweile gibt es bereits einen Videoclip von Ihrem Liechtenstein-Song – wie sind die Dreharbeiten verlaufen?
Es war super spannend und wahnsinnig interessant. Einfach unglaublich, dass ich so etwas erleben durfte! Wir waren unter anderem im Riet in Balzers, bei mir zu Hause im Garten, am Wandern oder bei der Rofenbergkapelle in Eschen. Es hat so Spass gemacht, die verschiedenen Szenen zu drehen, mit unterschiedlichsten Kostümen und mit der Unterstützung von Statisten. Ich hätte nie gedacht, dass es eine Woche dauert, um einen Vier-Minuten-Clip zu drehen. Echt unglaublich, wie da alles zusammenhängt. 

Wie geht es denn jetzt konkret weiter, sind Auftritte geplant?
Beim Life-Festival werde ich am Samstag, 6. Juli, auf dem Lindaplatz den Liechtenstein-Song präsentieren. Und natürlich darf ich ihn am Staatsfeiertag am 15. August auf einer Bühne singen. Ich bin jetzt schon total nervös – aber ich freue mich riesig darauf!

Haben Sie weitere musikalische Ziele?
Nach meinem ersten Kinderbuch «Strubilemutz und Joggilemaa» würde ich sehr gerne noch ein zweites machen. Momentan liegt es aber zeitlich einfach nicht drin. Zwar hätte ich genug Lieder und Verse gesammelt, die Bildcollagen geben aber unglaublich Arbeit. Nicht zu unterschätzen ist auch die Zeit im Tonstudio – mein dreijähriger Sohn hätte da bestimmt keine Freude. Aber wer weiss, vielleicht ergibt sich ja wieder einmal ein passendes Zeitfenster und ich kann meinen Wunsch realisieren. 

«Do khör i hi» heisst Ihr Song – Frau Oehri-Malin, wo gehören denn Sie hin?
«Gi Ruggäll!» Ich bin hier aufgewachsen und meine Familie lebt hier. Wo kann man sich schon geborgener fühlen?
 

28. Jun 2019 / 07:00
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