• Fackelzug Staatsfeiertag 2020
    Der diesjährige Fackelzug war mit rund 150 Teilnehmenden einer der grössten überhaupt.  (Sandro Gertsch)

Feuer brennt für die Tradition

Es ist ein altes und bewegtes Brauchtum, auf das Liechtenstein mit seinen Höhenfeuern, dem Fackelzug und der Feuerkrone auf Tuass zurückblicken kann. Seit 1954 ist die Bergrettung dafür zuständig, zuvor lag die Organisation in den Händen der Pfadfinder. Waren sie als Gegengewicht zu den Hakenkreuz-Feuern der nationaldeutschen Bewegung ins Leben gerufen worden, standen die Feuer in diesem bisher unsicheren und von der Coronapandemie geprägten Jahr anlässlich des Staatsfeiertags vor allem für Solidarität und Zusammenhalt. 

Die Feuerkrone auf Tuass, der Fackelzug und die Höhenfeuer gehören ebenso zum Staatsfeiertag wie der Staatsakt auf der Schlosswiese und das Volksfest im Städtle. Eine lange Tradition, die, zumindest mit der Krone auf Tuass, schon sieben Jahre vor dem ersten Staatsfeiertag 1940 ihren Anfang fand. Durch die Coronapandemie und die damit verbundene Absage des dies-jährigen Volksfests erhielten die feurigen Traditionen noch einmal eine grössere Bedeutung – sie wurden zum zentralen Symbol für Zusammenhalt und Solidarität und brachten ganz Liechtenstein zum Leuchten. Seit 1954 liegt die Verantwortung und Organisation der Höhenfeuer, der Feuerkrone auf Tuass und des Fackelzugs über den Fürstensteig in den Händen der Bergrettung Liechtenstein. Übernommen hatte diese die Aufgabe von den Pfadfindern.
Wie Constantin Frommelt, Mitglied der Bergrettung und seit fünf Jahren gemeinsam mit Cousin Philipp Hält verantwortlich für die Feuerkrone, erzählt, sei der diesjährige 15. August auch für die Bergrettung sehr speziell gewesen. Nicht nur weil anfänglich Ungewissheit darüber herrschte, ob dieses Jahr überhaupt in einer Form gefeiert werden kann, sondern auch weil letztlich der Fackelzug um einiges grösser ausgefallen ist als in den meisten anderen Jahren zuvor. Auch die Höhenfeuer wurden auf alle relevanten Berggipfel Liechtensteins ausgeweitet, sodass am Ende mit 30 zusätzlichen Feuern knapp 90 Höhenfeuer in ganz Liechtenstein zu sehen waren.  

Ein ganz besonderes Erlebnis
«Im Frühling schien es noch unwahrscheinlich, dass das Ganze überhaupt stattfinden kann», erzählt Constantin Frommelt. Mit dem Motto «zemma im klina fiira» bekam die Bergrettung von Liechtenstein Marketing dann aber doch noch eine Anfrage. «Wir wurden gefragt, ob wir nicht auch etwas für die Ferienhausbewohner in Malbun machen könnten, damit diese dasselbe Erlebnis wie die Menschen im Tal hätten und ebenfalls ‹im klina› von zuhause aus feiern könnten.» Und so kam es, dass auf allen Gipfeln des Landes die Feuer symbolisch für den Zusammenhalt und die Solidarität gerade in dieser unsicheren Zeit brannten. An die 400 Personen waren am 15. August in den Bergen unterwegs, um die feurigen Traditionen hochleben zu lassen. 
Für die Organisatoren bedeutete dies aber auch einen erheblichen Mehraufwand – den sie jedoch nur zu gerne auf sich genommen haben. So galt es nicht nur, anhand der Landkarte die neuen Standorte für die Höhenfeuer zu bestimmen, sondern auch die Sicherheit für die rund 150 Teilnehmenden des Fackelzuges zu gewährleisten. Laut Constantin Frommelt ist das Entzünden der Krone, der Höhenfeuer und das Mitlaufen am Fackelzug für die meisten Bergretter und Berggänger eine persönliche Art, den Staatsfeiertag zu feiern. «Man feiert ihn eben dort, wo man am liebsten ist.» So werde bei schönem Wetter das Abendessen bei Sonnenuntergang genossen, bevor nach dem Eindunkeln auf den Berggipfeln die Feuer entzündet werden. «Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, Teil dieses grossen Anlasses zu sein. Zu Beginn sitzt man mit der Begleitung allein auf einem Berg. Ein ziemlich einsamer Moment. Und plötzlich gehen Lichter an und auf knapp 90 anderen Erhebungen sind Gleichgesinnte zu sehen. Ein Gänsehautmoment», sagt Constantin Frommelt. 

Alte Familientradition
Der junge Bergretter verbringt den Staatsfeiertag seit er denken kann auf Tuass. «Bis heute bin ich jedes Mal mit leuchtenden Augen zurückgekehrt», sagt er. Die Organisation der Krone auf Tuass ist schon seit vielen Jahrzehnten eine Familienangelegenheit. So war sein Vater Christoph Frommelt über 30 Jahre dafür zuständig und dieser hat die Aufgabe wiederum von seinem Vater übernommen. Auf die Frage, was ihn daran fasziniert, antwortet Constantin Frommelt, dass man dabei gewesen sein müsse, um diese Begeisterung zu verstehen. «Von unten ist es einfach eine leuchtende Krone aus Feuern. Die Begeisterung und die glücklichen Gesichter der Helfer und Kinder zu sehen, bereitet Freude.» 
Die erste Feuerkrone brannte bereits 1933 in Liechtenstein, sieben Jahre vor der Einführung des Staatsfeiertags. Die Pfadfinder wollten damals mit der Krone und den Höhenfeuern ein Gegengewicht zu den Hakenkreuz-Feuern setzen, die von der nationaldeutschen Bewegung und der Hitlerjugend im ganzen Land entzündet wurden. «Die Feuer waren ursprünglich also ein politisches und patriotisches Symbol», erklärt Constantin Frommelt. Viel mehr noch waren sie eine Demonstration gegen die aggressiv auftretende nationaldeutsche Bewegung. Erst 1941 bewilligte die Regierung den Pfadfindern, Höhenfeuer auch zu Ehren des Fürstengeburtstages zu entzünden. Anlässlich des 50. Geburtstags von Fürst Franz Josef II. und dem 150-Jahre-Souveränitäts-Jubiläum wurde die Krone 1956 erstmals auf Tuass angezündet. Hierfür hat Constantin Frommelts Grossvater gemeinsam mit Eugen Frick die Feuerkrone zum ersten Mal mit Messgeräten abgesteckt. Seither wurden jährlich 110 Feuerstellen mit insgesamt 1200 Wachsfackeln oberhalb von Triesen errichtet. Wie Constantin Frommelt erklärt, sei die bestehende Krone 2017 dann mittels GPS vermessen worden. «Daraufhin haben wir die projizierte Krone in Richtung Vaduz in der Form bereinigt und angepasst. So, wie sie dieses Jahr und in den nächsten Jahren leuchtet, besteht die Krone aus 87 einzelnen Feuerpunkten.» An jeder Feuerstelle wird aus zehn bis zwölf Fackeln ein Kreis mit knapp einem Meter Durchmesser gesteckt. Am Hang ist die Feuerkrone etwa 70 Meter hoch und circa 40 Meter breit. 

Nächstes Jahr ist noch ungewiss
Wie der Staatsfeiertag im kommenden Jahr gefeiert wird, steht noch in den Sternen. Auch ob die 30 neuen Höhenfeuer, die dieses Jahr zusätzlich entzündet wurden, 2021 Liechtenstein ebenfalls wieder zum Leuchten bringen, steht gemäss Constantin Frommelt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. «Wir müssen uns zu gegebener Zeit besprechen», sagt er und fügt an, dass es sicherlich wieder ein schönes Erlebnis wäre.  (jka)

27. Aug 2020 / 18:43
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