• Elmar Gangl in Vaduz
    Als «Elmar von der Ligita» ist Elmar Gangl an vielen Gitarrenfestivals weltweit bekannt.  (Daniel Schwendener)

Organisator mit einem Faible für Genuss

26 Jahre lang leitete Elmar Gangl die Geschicke der Liechtensteiner Gitarrentage (kurz Ligita). Dieses Jahr gab er seinen Rücktritt bekannt, worauf er zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Doch Elmar Gangl war noch bei zahlreichen weiteren Kulturinitiativen tätig: Beim Kunstraum Engländerbau, bei der Kunstschule Liechtenstein, dem Künstlerverband BBKL, der Tangente, den Pfrundbauten und zuletzt in der Galerie Hollabolla war er immer irgendwie mit dabei.

Überhaupt nicht, antwortet Elmar Gangl auf die Frage, ob er bereits in einer musikalisch oder künstlerisch angehauchten Familie aufgewachsen sei. Einzig sein Neni habe Klarinette gespielt, aber daran könne er sich nicht mehr erinnern. Er selbst habe einmal Akkordeon und Saxofon gelernt, «aber das Üben war nicht meins.» Auch habe er sich früher mit dem Aktzeichnen und Fotografieren beschäftigt,  aber auch da hatte er keine grossen künstlerischen Ambitionen. «Immer schon war ich lieber im Hintergrund und organisatorisch tätig», so Gangl. Bereits mit zwölf Jahren kam er durch die Tangente in Kontakt mit der Jazzmusik. Er habe Karl Gassner geholfen, den Rasen zu mähen, weshalb er an seine Konzerte durfte. «Ich war damals schon fasziniert von dieser Szene und habe mich von Anfang an wohlgefühlt unter Künstlern», erzählt Gangl schmunzelnd. Seine ersten Konzerte organisierte der junge Elmar schon während seiner Lehre zum Bäcker und Konditor, darunter auch eine Show mit Bo Katzman im Rathaussaal in Schaan. «Meine Mutter musste damals die Verträge unterschreiben, weil ich noch zu jung war», grinst er. Sein Musikgeschmack sei schon damals nicht herkömmlich gewesen: Er hörte Independent Rock, Weltmusik oder Modern Jazz. «Mit den Jahren habe ich auch den Latin-Jazz sehr schätzen gelernt», so Gangl. Dies vor allem durch seine Reisen nach Kuba, wobei der erste Trip dorthin durch seine Ligita-Bekanntschaften zustande kam.

Doch nun von vorne: Nach der Lehre betreute Elmar Gangl die Bar in der Diskothek Tiffany in Eschen, wo die Gitarristen Kurt Gstöhl, Leon Koudelak und Manfred Strässer Stammgäste waren. Eines Tages hätten sie ihn zu einem ihrer Konzerte in der Stein Egerta eingeladen, wo er auch hinging. «Am Anfang konnte ich mit der klassischen Gitarre nichts anfangen. Es war wie eine neue Welt für mich», erzählt Gangl. Doch irgendwie scheint ihn diese doch gepackt zu haben: Er organisierte für Leon Koudelak Tourneen, ermöglichte ihm dank seines Netzwerks die erste CD-Aufnahme und begann, als Musikmanager zu arbeiten. In dieser Zeit ist bei diesen drei Gitarristen, die mittlerweile zu Freunden wurden, der Wunsch entstanden, ein Gitarrenfestival in Liechtenstein ins Leben zu rufen. «Sie haben mich gefragt, ob ich als Organisator mitmachen möchte», so Gangl. «Zwar hatte ich damals Null Ahnung von dieser Musik, aber ich sagte trotzdem zu.» Das war 1992, als er mit Kurt Gstöhl zu einem Gitarrenfestival nach Bratislava reiste, wo der renommierte Gitarrist David Russell spielte. «Das Ziel dieser Reise war, ihn zu fragen, ob er auch in Liechtenstein auftreten würde», verrät Gangl. Russell habe ohne zu Zögern zugesagt. Dank der Teilnahme eines Szenestars seien schon die ersten Liechtensteiner Gitarrentage (Ligita) ein grosser Erfolg geworden. Seither sind 26 Jahre vergangen und die Ligita haben sich mittlerweile zu einem der renommiertesten Gitarrenfestivals Europas entwickelt. 

Besonders in den ersten zehn Jahren der Ligita ist Elmar Gangl quer durch Europa gereist, um sich klassische Gitarristen anzuhören. Wie bereits erwähnt, führte ihn eine seiner Gitarrenreisen sogar nach Kuba. Über Leon Koudelak lernte Elmar Gangl den kubanischen Gitarristen Jorge Luis Zamora kennen, der sie nach Kuba einlud. «Seitdem bin ich vom Kuba-Fieber infiziert», schwärmt der Netzwerker, der auch schon Produktionen von CDs von und mit kubanischen Musikern organisierte. Dort hätten Koudelak und er viele Menschen kennengelernt und Kontakte bis hinauf zum Kulturministerium gehabt. Auch habe er damals die Musiker von Buena Vista Social Club getroffen. «Wenn du die richtigen Bekannten hast, sagen sie dir auch, wo du hinmusst», erklärt er. Er fände es wichtig, die Leute persönlich zu treffen. So werde er bei allen Gitarrenfestivals auch als «Elmar von der Ligita» erkannt. «Zudem bin ich schon in Jurys von Gitarrenfestivals gesessen, obwohl ich als Einziger keine Ausbildung hatte», schmunzelt der Ligita-Vater. 

Neben seinem Engagement in der Musikszene entwickelte Elmar Gangl auch Interesse an der Kunst. So beaufsichtigte er einige Jahre die Kunstausstellungen in der Tangente, die damals noch als Galerie fungierte. Dort seien Freundschaften mit Künstlern wie Arno Oehri entstanden, die bis heute anhalten. Mit ihm realisierte er mehrere Filme, darunter «Ein Land in Not» oder «The Norman Lee Story». Auch war er rund 20 Jahre in der Kulturkommission in Eschen und organisierte Ausstellungen in den Pfrundbauten. 2002 wurde Elmar Gangl schliesslich für knapp drei Jahre der erste Geschäftsführer des neu geschaffenen Kunstraums Engländerbau in Vaduz, bei dem er in Absprache mit den anderen Kulturinstitutionen den Dienstag als Veranstaltungs- und Vernissagetag einführte. «Dies war die einzige Stelle, für die ich mich damals beworben habe», so Gangl. Parallel dazu wurde er angefragt, ob er beim Aufbau der Kunstschule mithelfen möchte. Der vielseitig interessierte Organisator konnte dazu natürlich nicht Nein sagen. Gut sieben Jahre war er für die Kunstschule tätig und bei deren Standortwahl involviert. Auch sei er «schuld» daran, dass das Tonstudio Tyrolis in Eschen steht: «Ich wusste, dass Rasinger einen neuen Standort in der Schweiz sucht und habe ihn angerufen, als ich von dem zu verkaufenden Boden in Eschen hörte». Und damit nicht genug: Auf Anregung und Wunsch des damaligen Kulturbeirats-Präsidenten Josef Braun hat Elmar Gangl gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden die Künstlervereinigung BBKL gegründet. Schon zuvor rief er die Plattform Artnet.li ins Leben, auf der alle Künstler aus Liechtenstein zu finden sind. «Wenn man etwas braucht, fragt man Elmar, weil er Zeit und ein Netzwerk hat», so der Unternehmer scherzhaft über sich selbst.

«2010 wurde mir in der Kunstschule gekündigt. Das war ein ziemlicher Schock für mich», sagt der heute 52-Jährige und meint: «Früher hätte ich leicht einen Job gekriegt, aber heute leistet sich niemand mehr einen solchen Spinner wie mich.» Mehrere Jahre hatte er zahlreiche Bewerbungen geschrieben, doch nur Absagen kassiert. «Ohne Abschlüsse bist du ein Niemand. Da nützt dir auch deine jahrelange Erfahrung und das Netzwerk nichts», ist ihm heute bewusst. Doch wer Elmar Gangl kennt, weiss, dass er seinen Kopf nicht lange hängen liess und weiterhin an Projekten arbeitete. So organisierte er im Dezember 2013 in Eschen aus einem Gedankenblitz heraus eine Ausstellung nur mit Unterländer Künstlern, woraus seine Galerie Hollabolla entstand. Von 2014 bis Mai 2019 verwirklichte er dort 26 Ausstellungen, bevor er den Standort aufgeben musste. Vor gut zwei Jahren ging der damals immer noch Stellensuchende beim Volksblatt vorbei, um einen Bericht zu veröffentlichen. Das Volksblatt nutzte die Gelegenheit, Gangl als Leiter der Kulturredaktion anzuwerben. Nach kurzem Überlegen sagte er zu und seitdem organisiert und layoutet er die Kulturseiten des Volksblatts. «Ich schreibe jedoch nie über Anlässe, damit ich nicht über Bereiche urteilen muss, in denen ich selber tätig bin», so Gangl.

Eine weitere Leidenschaft von Elmar Gangl ist die Kulinarik. Im Alter von 27 Jahren baute und bezog er sein eigenes Haus und war fortan gezwungen, selbst zu kochen. Aus diesem Muss sei das Kochen zu einem Hobby geworden, das bis heute anhält. Auch guten Weinen war er nie abgeneigt. 1993 lud ihn Günther Schönberger (damals Mitglied der Ersten Allgemeinen Verunsicherung EAV und Winzer) zu einer Weindegustation an der Dornbirner Messe ein, worauf er ihm Ende der 90er-Jahre eine Zeit lang bei der Arbeit im Weinberg mithalf. Auch knapp 20 Jahre später arbeitete er wieder für drei Monate in einem Betrieb in der Steiermark, in dem er die Arbeitsabläufe kontrollierte. «Wenn du mit guten Weinproduzenten zusammen bist, gehst du automatisch gut essen», so Gangl. Schon früher sei er oft in der Steiermark gewesen, wo sein Vater herkommt. Dort habe er unter anderem den bekannten Haubenkoch Richard Rauch kennengelernt, mit dem ihn bis heute eine Freundschaft verbindet. Mit seiner 2014 gegründeten Firma «kunst.genuss.kultur» organisierte der Eschner Genussreisen und Degustationen, bei denen er oft auch Kunst mit Genuss verbindet. 

Genuss ist für Elmar Gangl in allen Bereichen des Lebens wichtig: «Ich empfehle jedem, nicht mehr als 80 Prozent zu arbeiten.» Auch die Tatsache, dass man im Kulturbereich eher schlecht verdient, störte Gangl nie: «Dafür hat man Erlebnisse und Begegnungen, die bleiben. Was gibt es für einen schöneren Lohn als zufriedene Leute und tolle Freundschaften?» Apropos Geld: Nach fünf Jahren als Produktionsleiter in der Trockentiernahrung bei Herbert Ospelt  wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. In dieser Zeit organisierte er auch ein Konzert mit der bereits erwähnten Austro-Pop-Band EAV im Sportpark in Eschen. «Das Konzert war sehr schön. Wir sind auch heute noch befreundet», so Gangl. Leider seien nicht sehr viele Leute gekommen, sodass der Organisator am Ende Schulden in der Höhe eines Rohbaus hatte. Diese habe er noch heute, aber darüber kann der Lebemann stehen. «Wer kann schon behaupten, dass er von David Russell zur Grammy-Party eingeladen wurde oder auf dem Weinberg von Günther Schönberger mitgearbeitet hat?» (mk)
 

28. Jun 2019 / 07:00
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