• Aktion Heugabla in Triesenberg
    Louis und Egon Gassner (l. & r.) sowie Samuel Bühler (Sohn von Normann, Mitte) rechen das Heu auf einem Hang in Masescha zusammen, noch bevor der Regen kommt.  (Daniel Schwendener)

«Wir heuen mit dem Herrgott»

Freiwillige Helfer können die Triesenberger Bergbauern beim Heuen unterstützen. Landwirt Normann Bühler ist froh um jede helfende Hand.

Das Gras, das seit fast zwei Tagen am Berghang bei Masescha liegt, ist zu Heu getrocknet. Bereits einige Stunden Arbeit steckte der Triesenberger Ökolandwirt Normann Bühler in das Futter für seine Kühe. Dabei bekommt er jeden Sommer neben Verwandten und Bekannten auch Hilfe von Freiwilligen. Die Aktion «Heugabla» wurde von der Gemeinde Triesenberg vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen. Auch Bergbauer Bühler hat sich neben zehn weiteren Triesenberger Landwirten der Aktion angeschlossen. Und so freut er sich jedes Jahr über die freiwilligen Helfer: «Ich bin froh um jeden, der kommt und mir beim Rechen hilft.» In den vergangenen Jahren hätten zwischen zwölf bis 15 Personen während der Saison Hilfe geleistet – oftmals jeweils für einen Einsatz. Zudem seien es meistens immer wieder dieselben Personen. «Über ein neues Gesicht würde ich mich sehr freuen», sagt er und lacht. Das mache das Heuen dann gleich interessanter. Aber nicht nur das, es macht die Arbeit einfacher für die Bergbauern, die für viele Flächen zuständig sind, die zweimal in der Saison gemäht werden müssen. Ausserdem geht dort noch vieles von Hand, nur wenige Maschinen können in den steilen Hängen eingesetzt werden.

Auf die Spontaneität kommt es an

Die Flächen sind in Triesen-berg oft private Grundstücke, die die Bauern pflegen und bewirtschaften. «Wir sind Landschaftsgärtner geworden und keine Landwirte mehr», sagt Bühler mit einem Schmunzeln. Für das Pflegen und Bewirtschaften der Flächen erhalten sie Subventionen vom Land – je steiler und unzugänglicher, desto mehr Geld gibt es. 

Wann die Einsätze jeweils stattfinden, sei schwer zu sagen: «Wir heuen mit dem Herrgott», so Bühler. Bedeutet so viel wie: Das Wetter muss stimmen. Denn wenn es zu nass ist, kann nicht gut gemäht werden und das Gras trocknet nicht. Somit müssen die Helfer viel Spontaneität mitbringen. Die «Heusaison» dauert jährlich von Mitte Mai bis Mitte September.

Man muss kein «Heuprofi» sein

An diesem Tag sind zwei Helfer anwesend: Die beiden Cousins Louis und Egon Gassner aus Triesenberg. Die Senioren sind  die Arbeit gewohnt, denn ein Vetter hatte ebenfalls einen Hof. Das bedeutet aber nicht, dass jeder freiwillige Helfer ein «Heuprofi» sein muss – im Gegenteil, das kann laut Bühler jeder. Egon und Louis Gassner haben Freude am Heuen und Normann Bühler noch so manches Mal ausgeholfen.Die beiden rechen das Heu zusammen, das der Landwirt zwei Tage vorher geschnitten hat. «Je nach Fläche und Temperatur kann die Arbeit mit einem strengen Fitnessprogramm verglichen werden», so Bühler. Obendrauf ist man bei schönstem Wetter an der frischen Luft, mit einem herrlichen Ausblick über das Rheintal. Bühler schätzt, dass  er durch die Aktion die Möglichkeit hat, mit den Menschen in Kontakt zu kommen und ihnen die Berglandwirtschaft näherzu- bringen. Denn diese sei in der vergangenen Zeit immer wieder in Kritik geraten. Beispielsweise wegen dem Düngen. Diesbezüglich müssen sich die Bauern aber an strikte Auflagen halten. 

Auf steilen Hängen wird nicht gedüngt

Zwei Drittel der Flächen, die Normann Bühler bewirtschaftet, sind Berghänge. Manche von ihnen sind steiler, dort wird nicht gedüngt, und so gedeihen hier Magerwiesen. Das Heu, das diesen Wiesen entstammt, bekommen die Esel zu fressen. Für die Milchkühe ist es zu wenig nahrhaft. Bekommen sie nur Magerwiesenheu zu fressen, geht ihre Milchleistung zurück. Sie fressen laut Bühler viel lieber das Heu von gedüngten Wiesen. Diese befinden sich in weniger steilem Gelände und lassen sich besser bewirtschaften. Das Heu von dort sei qualitativ hochwertiger. Neben dem Düngen spielt aber auch das Wetter eine Rolle. Als im Sommer vor zwei Jahren die anhaltende Trockenheit der Natur sehr zusetzte und es auch heute noch tut, musste Bühler Futter zukaufen. Das Gras wuchs zu langsam und die Heuerträge waren somit um einiges kleiner. Futter zukaufen müsse er in normalen Jahren nicht. Dabei käme es ihm auch zugute, dass seine Tiere während dem Sommer vier Monate auf der Alp sind. «Dann habe ich vier Monate Zeit, um zu heuen.» Und dann hofft er auf viele helfende Hände. (qus)

04. Jul 2020 / 07:00
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